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Programm Spielplan Konzerte 2017 Ausgewähltes Konzert
Donnerstag | 09. März 2017 | 20:00 Uhr

(Gemeinsam mit den Bochumer Symphonikern)

Klavier-Festival Ruhr EXTRA
zum 70. Geburtstag von Gidon Kremer und 20-jährigen Jubiläum der Kremerata Baltica
Martha Argerich
Preisträgerin des Klavier-Festivals Ruhr 2007
Gidon Kremer (Violine)
Lucas Debargue
Kremerata Baltica

Werkeinführung - Klavier-Festival Ruhr EXTRA zum 70. Geburtstag von Gidon Kremer

Zu Gidon Kremers kulturpolitischen Großtaten zählt sein Engagement für Komponisten, die im kommunistisch-sowjetischen Machtbereich nicht selten um ihre nackte Existenz fürchten mussten. Zu ihnen gehört auch Mieczysław Weinberg. Obwohl der 1919 in Polen geborene Komponist ein riesiges Œuvre hinterlassen hat, war er bis vor kurzem nahezu vergessen. Über 20 Sinfonien, 17 Streichquartette, zehn Konzerte und immerhin sechs Opern stehen in seinem Werkverzeichnis. Viele von Weinbergs Kompositionen wurden von bedeutenden sowjetischen Musikern wie David Oistrach und Mstislaw Rostropowitsch uraufgeführt.
Eine eminent wichtige Rolle im Leben Weinbergs spielte Dmitri Schostakowitsch. Als Freund und Mentor hatte er sich bei den höchsten Stellen immer wieder für Weinberg engagiert. Nachdem der Jude Weinberg 1939 nach dem Einmarsch der Nazis in die Sowjetunion fliehen musste, ermöglichte Schostakowitsch ihm 1943 eine Aufenthaltserlaubnis in Moskau. Und als Weinberg 1953 wegen „zionistischer Agitation“ verhaftet wurde, war es erneut Schostakowitsch, der sich mit einem Brief beim Geheimdienstchef Lawrentij Berija für ihn einsetzte. Das eigene Schicksal sowie die Ermordung seiner Familie durch die Nazis und die Sowjets sollte Weinberg jedoch bis zu seinem Tod beschäftigen; er starb 1996 in Moskau.
Im Rahmen der von ihm angestoßenen Weinberg-Renaissance hat Gidon Kremer gemeinsam mit dem Percussionisten Andrei Pushkarev von der Kremerata Baltica das Klavierquintett in f-Moll op. 18 für Klavier und Streichorchester arrangiert. Das Original entstand 1944 und damit ein Jahr nach Weinbergs Bekanntschaft mit Schostakowitsch. Wie das wenige Jahre zuvor komponierte Klavierquintett seines russischen Freundes ist auch Weinbergs Werk fünfsätzig. Und was die motorische Kraft, das burleske (Walzer-)Treiben sowie die gehetzte Wucht angeht, schimmert hier der Einfluss Schostakowitschs genauso durch wie dessen Liebe für die Barockmusik.

Mit der Kammermusik war Robert Schumann bereits im zarten Knabenalter in Berührung gekommen, als er sich bei privaten Hauskonzerten ans Klavier setzte. Trotzdem sollte er erst ab dem Jahr 1842 die Kammermusik für sich erobern. Zunächst widmete er sich der Komposition von Streichquartetten und Werken für Klavier und mehrere Streicher. 1849 folgten dann kammermusikalische Zwiegespräche zwischen einem Melodieinstrument und dem Klavier, darunter die Fantasiestücke op. 73 für Klarinette und Klavier.
Nach diesen hausmusikalisch angelegten Duos mussten zwei weitere Jahre vergehen, bis sich Schumann endlich auch der Violinsonate zuwandte. Die Anregung dazu kam von Ferdinand David, dem Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters. So schrieb David im Januar 1850 an Schumann: „Deine Fantasiestücke für Piano u. Clarinette gefallen mir ungemein; warum machst Du nichts für Geige und Clavier? es fehlt so sehr an was Gescheidtem Neuen und ich wüßte Niemand der es besser könnte als Du.“ Schumann sollte Davids Wunsch bald nachkommen und im Herbst 1851 seine erste von insgesamt drei Violinsonaten komponieren. Kaum war die Tinte auf dem Notenpapier getrocknet, wurde die Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 a-Moll op. 105 erstmals im privaten Rahmen, im Düsseldorfer Domizil der Familie Schumann, von Clara Schumann und dem Geiger Wilhelm Joseph von Wasielewski gespielt. Clara zeigte sich von den ersten beiden Sätzen ungemein ergriffen. Nur der „dritte“, so die Gattin in ihrem Tagebuch, „etwas weniger anmutige, mehr störrische Satz wollte nicht so recht gehen.“ Im März 1852 hatte sich Clara aber auch mit diesem Satz angefreundet, als sie gemeinsam mit Ferdinand David das Werk offiziell in Leipzig erfolgreich aus der Taufe hob. „Mit leidenschaftlichem Ausdruck“ stimmt im Kopfsatz der 1. Sonate die Violine bittersüße Gesänge, aber auch Kantilenen von verlockend lyrischer Zärtlichkeit an. Äußerst schlicht gibt sich danach das „Allegretto“, das an die Stelle eines langsamen Satzes tritt. Das lebhafte Finale potenziert dafür die Dramatik des ersten Satzes noch um ein Vielfaches. 1986 brachten Gidon Kremer und Martha Argerich diese Sonate mit der 2. Violinsonate Schumanns auf Schallplatte heraus.

Natürlich hat Wolfgang Amadeus Mozart alles versucht in jenen sechs Monaten des Jahres 1778, in denen er in Paris an die Erfolge und die Bewunderung aus längst vergangenen Tagen anknüpfen wollte. Doch trotz aller Bemühungen: Mozarts Aufenthalt in der französischen Metropole vom 23. März bis zum 26. September stellte sich als wenig erfolgreich und erfreulich heraus - privat wie beruflich. Am 3. Juli verstarb Mozarts Mutter, die ihn an Stelle seines Vaters begleitet hatte. Zudem zerschellten Mozarts Hoffnungen auf eine Festanstellung am Hofe Marie Antoinettes. Kein Wunder, dass er in seinen Briefen an den Vater heftig schimpfte - über den „unbeschreiblichen Dreck [in Paris]“, über die „verfluchte französische Sprache“ und besonders über Schülerinnen, die „von Herzen dumm und von Herzen faul“ sind. So sehr aus Mozarts Worten Niedergeschlagenheit und Verbitterung spricht, so blieb er dennoch in den wenigen Auftragswerken nicht unter seinem Niveau. Wider sein Genie zu komponieren - das wäre ihm selbst in den dunkelsten Momenten nie in den Sinn gekommen. Auch dann nicht, wenn er mit der Flöte und der Harfe zwei Instrumente miteinander kombinieren musste, die ihm nicht gerade ans Herz gewachsen waren. Das Doppelkonzert KV 299 entstand für den Comte de Guines, der laut Mozart ein Könner auf der Flöte war, und für dessen zehnjährige Tochter. Und was Esprit und Charme, Brillanz und Eleganz anbelangt, fehlt es dem Konzert an nichts, im Gegenteil. Die drei Sätze sind bis hin zum tänzerischen Rondo-Finale ganz nach dem französischen Musikgeschmack. Trotzdem sollte Mozart dafür vom Auftraggeber so gar nicht fürstlich entlohnt werden.
Das Doppelkonzert ist heute in einer Bearbeitung für Violine, Klavier und Orchester zu hören, die vom russischen Komponisten Victor Kissine stammt. Seit 2001 ist er mit Gidon Kremer befreundet und hat u.a. 2012 für ihn ein Violinkonzert geschrieben.

Guido Fischer

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