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Programm Spielplan Konzerte 2017 Ausgewähltes Konzert
Donnerstag | 13. Juli 2017 | 20:00 Uhr
| Theatersaal
Dieses Konzert ist Teil der Aboreihe „Klavier und Orchester”
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Tag- und Nachtstücke
Michael Korstick (Klavier)
Peter Ruzicka (Dirigent)
Neue Philharmonie Westfalen

Wirklich Genaues weiß man nicht. Gesichert sind nur Bruchstücke. Es ist der 12. Februar 1883. Richard Wagner hat in Venedig, im Palazzo Vendramin Calergi, seine Frau Cosima, seine Kinder und einen russischen Dichter-Sohn um sich versammelt und spielt ihnen, so berichtet es Cosima in ihrem Tagebuch, das Thema der Rheintöchter aus „Rheingold“ am Klavier vor. Weniger verbürgt ist, dass er auch eine kleine Klavierskizze vorgetragen hat – basierend auf einem ersten Entwurf von 1858, der im unmittelbaren Umfeld des „Tristan“ entstanden ist. Später, 1881, hat Wagner dieses Thema auf 13 Takte erweitert und Cosima zum Geschenk gemacht: „Schmachtend“ lautet die Vortragsbezeichnung, die Tonart ist As-Dur. „Wagners Klavierskizze beschäftigte mich schon seit langer Zeit“, erklärte Peter Ruzicka zur Uraufführung seiner ELEGIE, die auf dieses Wagner-Thema zurückgeht. „Ihre Offenheit und Unbestimmtheit veranlasste mich zu einem ‚Fortdenken‘, zu einer sehr persönlichen musikalischen Annäherung und Entfernung. Ich wählte hierfür das klangliche Potential eines Streichorchesters, dem Impulse und ‚Schattenklänge‘ dreier Flöten und des Schlagzeugs zugefügt sind.“ Die ELEGIE beginnt fahl, mit Tönen einzelner Streichergruppen: Celli, Bratschen, dann die zweiten, schließlich die ersten Geigen. Ständig ergeben sich neue Dissonanzen und deren Auflösungen. Und immer wieder schimmert das Wagner-Zitat durch, doch nicht in seiner reinen, notengetreuen Form, sondern eingewoben, amalgamiert mit Ruzickas eigener Tonsprache. Am 16. April 2016 wurde dieses Werk von der Staatskapelle Dresden unter David Robertson in der Semperoper uraufgeführt.

Im Jahr 1925 wurde Walter Braunfels zum Gründungspräsidenten der Kölner Hochschule für Musik ernannt, berufen vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Es war eine Zeit, die Braunfels mit Verwaltungsaufgaben reichlich in Beschlag nahm und ihm zum Komponieren kaum noch Gelegenheit bot. Das sollte sich 1933 jäh ändern, nachdem die Nationalsozialisten, kurz nach der Machtergreifung, Braunfels von seinem Amt „beurlaubt“ hatten. Der „Halbjude“ Braunfels, so begründete es die Presse, habe „ein ganzes Heer jüdischer Lehrer eingestellt und sofort die ganze Macht innerhalb der Anstalt an sich gerissen“. Braunfels zog sich zurück, zunächst nach Godesberg, dann an den Bodensee. Nun war sie, wider Willen, wieder da, die Zeit fürs Komponieren. So widmete sich Braunfels seinem „Hauptwerk“, wie er später genannt hat, der „Verkündigung“: „sie wäre überhaupt gar nicht entstanden, wenn nicht Hitler, der mich künstlerisch ermorden wollte, indem er verbot, mich aufzuführen, ja, mich nur noch zu nennen, mir damit die Muße gegeben hätte und auch die innere Kraft, unter Beweis zu stellen, ob ich nicht etwa doch noch einigermaßen vorhanden sei.“ In diesem zeitlichen Umfeld sind auch die Tag- und Nachtstücke entstanden, die in diesem Konzert uraufgeführt werden und bislang noch nicht im Druck erschienen sind. In dem von der Musikwissenschaftlerin Ute Jung-Kaiser erstellten Verzeichnis der Werke von Walter Braunfels taucht diese Komposition nicht auf. Nach Aussage des Dirigenten Martin Wettges, der mit der Edition der Tag- und Nachtstücke betraut ist, wussten auch die Mitglieder der Familie Braunfels „nichts von der Existenz des Stücks“, allenfalls von „unvollständigen Skizzen“. Wettges hat dann bei der Erschließung des Braunfels-Nachlasses die vollständigen, korrigierten Partituren beider Fassungen in Braunfels‘ Handschrift entdeckt, inklusive eines vollständigen Stimmensatzes. Michael Korstick charakterisiert die Komposition als „eine Suite in fünf Sätzen im spätromantischen Stil. In der Harmonik jedoch gibt es durchaus zukunftsgewandte Elemente.“

„Hess 15“ – ein ominöses Kürzel, das allenfalls Eingeweihten etwas sagt. Es handelt sich in dem von Willy Hess angelegten Verzeichnis der Kompositionen Ludwig van Beethovens, die nicht im Druck veröffentlicht worden sind, um den Hinweis auf Skizzen zu einem Konzert für Klavier und Orchester in D-Dur, an dem Beethoven ungefähr fünf Jahre nach Vollendung des Klavierkonzerts Nr. 5 in Es-Dur op. 73, Ende 1814 bis Anfang 1815, gearbeitet hat. Lange Zeit war in der Forschung lediglich unbestritten, dass die Entstehung dieser Entwürfe problematisch war und letztlich zum Scheitern geführt hat. Schon die Reihenfolge der erhaltenen Seiten war lange Zeit umstritten. Was letztlich dazu geführt hat, dass Beethoven diese Skizzen liegen gelassen hat, ist ebenfalls nicht mit Sicherheit zu sagen; als wahrscheinlich gilt, dass die Verschlechterung seines Gehörs eine eigene solistische Beteiligung an einer Aufführung dieses Konzerts unmöglich gemacht hätte. Dass Beethoven, obwohl die gesundheitlichen Symptome bereits bei der Entstehung zu seinem fünften Klavierkonzert aufgetreten sind, sich überhaupt noch einmal an einem Klavierkonzert versucht hat, lässt sich am ehesten damit begründen, dass dem Komponisten die Gattung des Konzerts vertraut war und er – wie in den anderen Gattungen auch – nach neuen Ausdrucksformen innerhalb der tradierten Modelle gesucht hat. „Die Orchesterexposition und das erste Klaviersolo sind über mehr als 200 Takte komplett ausgeschrieben, weitere Entwürfe in verschiedenen Skizzenbüchern verstreut“, erklärt Michael Korstick. Der britische Musikwissenschaftler Nicholas Cook hat 1987 auf Grund seiner Recherchen einen kompletten Satz daraus gemacht, wobei er offen zugibt, dass es unmöglich sei, diesen Satz so zu vervollständigen, wie Beethoven es en détail gewollt hätte, dass es aber allerdings sehr wohl möglich sei, mit dieser Rekonstruktion eine relativ genaue Vorstellung von dem zu übermitteln, was ihm als Idee vorschwebte. Es sind rund 70 Seiten, die sich zu dem Entwurf eines ersten Satzes erhalten haben und die heute in der Staatsbibliothek von Berlin lagern. Der Umfang dieser Notizen macht das Konvolut zu einem der ergiebigsten Projekte, die Beethoven letztlich nicht bis zu Ende realisiert hat.

„Dass dieser Componist in seinen Werken einen eigenen Weg geht, leuchtet auch aus diesem Werke ein: in wie weit dieser Weg ein rechter, und kein Abweg ist, mögen Andere entscheiden. Mir scheint der grosse Meister, hier, wie in mehren seiner neuen Werke, hin und wieder doch allzu bizarr, und dadurch selbst für gebildete Kunstfreunde leicht unverständlich und abschreckend.“ So urteilte der Kritiker der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ 1816 über Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60. Dass es Beethovens vierte Sinfonie bis heute eher schwer hat, hängt vor allem mit der Popularität der sie umgebenden kühnen Dritten und der mythisch überwucherten Fünften zusammen. Anfang September 1806 bot Beethoven sein Opus 60 dem Leipziger Verlagshaus Breitkopf & Härtel an, und zwar im Paket mit den drei Streichquartetten op. 59, dem G-Dur-Klavierkonzert, dem Oratorium „Christus am Ölberge“ und der Oper „Leonore“. Doch am 18. November zog er sein Angebot zurück: „die versprochene Sinfonie kann ich Ihnen noch nicht geben, weil ein vornehmer Herr sie von mir genommen, wo ich aber die Freiheit habe, sie in einem halben Jahr herauszugeben.“ Dieser vornehme Herr ist Graf Franz von Oppersdorff, dem das Werk gewidmet ist. Es war damals üblich, einem Widmungsträger, der auch Honorar zu zahlen gewillt ist – in diesem Fall 500 Gulden –, die jeweilige Partitur für eine bestimmte Zeit zum privaten Gebrauch zu überlassen. So zeichnet als Originalverlag eben nicht Breitkopf & Härtel, sondern das „Bureau des Arts et d’Industrie“ in Wien und Pest. Auf dem langen Rezeptionsweg dieser Sinfonie begegnen wir Ende 1809 auch Carl Maria von Weber, der im Stuttgarter „Morgenblatt für gebildete Stände“ eine „Traumerzählung“ veröffentlicht, die gern auf Beethoven Vierte bezogen wird, obwohl sich direkte Übereinstimmungen nicht nachweisen lassen: „Erstens, ein langsames Tempo, voll kurzer abgerissener Ideen, wo ja keine mit der anderen Zusammenhang haben darf, alle Viertelstunden drei oder vier Noten! – das spannt! dann ein dumpfer Paukenwirbel und mysteriöse Bratschensätze, alles mit der gehörigen Portion Generalpausen und Halte geschmückt; endlich, nachdem der Zuschauer vor lauter Spannung schon auf das Allegro Verzicht getan, ein wütendes Tempo, in welchem aber hauptsächlich dafür gesorgt sein muß, daß kein Hauptgedanke hervortritt und dem Zuhörer desto mehr selbst zu suchen übrig bleibt.“ Neben der Achten ist diese vierte Sinfonie bis heute so etwas wie das Aschenputtel im Kreis der neun Sinfonien. Richard Wagner bezeichnete diese beiden Werke sogar als „kalte Musik“. Anders dagegen Mendelssohn und Schumann, für die die Vierte eine Art Schlüsselerlebnis darstellte.

Christoph Vratz

 

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