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Hattingen Wehr
Donnerstag den 22. Juli 2010

Klavier-Festival Ruhr 2010 zieht erfolgreiche Bilanz:

 

Mehr als 61.000 Besucher, zahlreiche künstlerische Höhepunkte, Preise für das Education-Programm.

 

Mit mehr als 61.000 Besuchern endet heute das Klavier-Festival Ruhr 2010, das unter dem Motto „Europäische Orchester-Dialoge, Bach, Schumann & Chopin “ 67 Konzerte in 17 Städten auf 31 Bühnen veranstaltete. Die Besucherzahlen vom Vorjahr wurden damit trotz eines um 10 Konzerte verringerten Konzertangebots um 4.000 übertroffen. Dies erklärt sich auch durch den Ansturm während der „ExtraSchicht“, bei der 16.000 Menschen zum Klaviermarathon des Festivals in die Jahrhunderthalle Bochum strömten: 5.000 mehr als im Vorjahr.

 

Zu den Höhepunkten zählte ein vom Fernsehsender ARTE aufgezeichneter Schumann-Abend von Martha Argerich und ihren Kammermusikpartnern in der Philharmonie Essen, der überaus kurzfristig nach der Absage des erkrankten Pianisten Nelson Freire zustande kam. Der großen Herausforderung, die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin an einem Abend aufzuführen, stellten sich Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Andris Nelsons in der Philharmonie Essen. Chopin-Preisträger Rafał Blechacz spielte einen herausragenden Solo-Abend im Konzerthaus Dortmund. Am Cembalo konzentrierten sich Spezialisten wie Ton Koopman, Tini Mathot, Patrizia Marisaldi und Pietro Paganini in der Historischen Stadthalle Wuppertal auf die Konzerte von Johann Sebastian Bach. Die alternative Sicht auf drei Klavierkonzerte und auf das Brandenburgische Konzert Nr. 5 von Johann Sebastian Bach eröffnete Pierre-Laurent Aimard auf einem modernen Steinway mit dem Chamber Orchestra of Europe in der Philharmonie Essen.

 

Der Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2010 ging am 10. Juni in der Philharmonie Essen an den russischen Meisterpianisten Grigory Sokolov, der bereits zum 15. Mal beim großen Pianistentreffen an der Ruhr zu Gast war. Als Neu-Entdeckung wurde der französische Pianist Bertrand Chamayou gefeiert, der beim Eröffnungskonzert kurzfristig für den erkrankten Jean-Yves Thibaudet einsprang. In der Preisträger-Reihe „Die Besten der Besten“ machten Nachwuchspianisten wie Jordi Bitlloch, Adam Laloum, Amir Tebenikhin und Michail Lifits auf sich aufmerksam. Auch dem von András Schiff benannten Stipendiaten Juho Pohjonen gelang ein eindrucksvolles Debüt.

 

Ganz im Zeichen des Kulturhauptstadt-Projekts „!Sing“ stand das Liederwochenende des Klavier-Festivals Ruhr 2010 auf Schloss Herten. András Schiff kehrte als Liedpianist mit der Sopranistin Juliane Banse in die Stadthalle Mülheim zurück. Zum Henze-Projekt der Kulturhauptstadt trugen der Pianist Christopher Tainton und die Bochumer Symphoniker bei, die im Gelsenkirchener Musiktheater unter der Leitung von Peter Ruzicka Henzes 1. Klavierkonzert und das Kammerkonzert für Klavier, Flöte und Streicher aufführten. Zwei „Gesänge aus dem Arabischen“ sowie die „Three Auden Songs“ von Hans Werner Henze führten der Tenor Taylan Memioglu und sein Klavierpartner Dan Deutsch auf, die in der Aula der Folkwang Universität für den erkrankten Sänger Ian Bostridge und seinen Klavierpartner Julius Drake einsprangen.

 

Nach einer vierjährigen Aufbauarbeit war das Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr im Kulturhauptstadtjahr 2010 in seiner vollen Blüte zu erleben. Mit einem Familienkonzert in der Philharmonie Essen endete ein umfangreiches Projekt zum Thema „Bilder einer Ausstellung“. Schüler aus dem ganzen Ruhrgebiet hatten sich im Vorfeld in Musik- und Kunstworkshops mit Modest Mussorgskys gleichnamigem Meisterwerk auseinander gesetzt. Das Wechselspiel zwischen den Künsten beleuchtete das Projekt „Klang – Bild – Skulptur“, das mit einem Familiennachmittag im LehmbruckMuseum Duisburg endete. Dem Dialog zwischen Musik und Malerei widmete sich ein Lecture-Recital im Museum Folkwang mit der Pianistin Tamara Stefanovich und dem Kurator und Musikwissenschaftler Ulrich Mosch. In einer Werkwoche mit dem Titel „Polyphonie“ erkundeten Oberstufenschüler und Studierende Bachs „Goldberg-Variationen“ aus einer zeitgenössischen Perspektive: gemeinsam mit der Choreographin Henrietta Horn, dem Komponisten Vassos Nicolaou und dem renommierten Klavierduo Tal/Groethuysen. „Piano Book“ hieß das jüngste Projekt des Klavier-Festivals Ruhr zur Vermittlung zeitgenössischer Musik. Hierfür schrieben acht renommierte Komponisten im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr neue Klavierstücke zu zwei und vier Händen, deren leichterer Part jeweils von einem Schüler übernommen werden kann. Das „Piano Book“ wird noch in diesem Jahr im Bärenreiter-Verlag veröffentlicht.

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