Das Programm Spielplan Konzerte 2019 Ausgewähltes Konzert
Donnerstag | 18. Juli 2019 | 20:00 Uhr
Abonnement: „JazzLine”
Preis: € 55 | 50 | 45 | 35 | 25 | ohne Pause
JazzLine
Chilly Gonzales

"Das ganze ichbezogene Gehabe im Jazz geht mir auf den Keks.", sagte Chilly Gonzales einmal. Umgekehrt würde mancher Jazzer die Shows des Kanadiers Jason Charles Beck alias Chilly Gonzales ebenfalls als „ichbezogenes Gehabe“ abtun. Kommt der kultige Klavier-Entertainer doch gerne im Morgenrock auf die Bühne, plaudert fast mehr, als er Klavier spielt, und bittet schon mal Freiwillige zum Kompositionsschnellkurs aufs Podium. Seinen bislang spektakulärsten Auftritt hatte er 2009 in Paris, wo er mit einem über 27-stündigen Solokonzert einen Guinness-Rekord im Dauerspielen aufstellte. Und wie mit Pseudonymen und Namen spielt Gonzales auch mit musikalischen Masken und Identitäten: Seit er um die Jahrtausendwende auf der Szene erschien, war er mal Pianist und mal Sänger, mal Rapper und mal Producer, mal Filmkomponist, Songschreiber oder Entertainer – oft mehrerlei gleichzeitig, in wechselnden Kombinationen. Wegen seiner Extrovertiertheit halten ihn manche für durchgeknallt, andere für ein Genie; ihn aber nur als genialen Selbstdarsteller zu sehen, würde ihm und seinem Talent nicht gerecht. Wenn Gonzales über Jazz redet, weiß er, wovon er spricht.

Mit dem Klavierspielen begann er im zarten Alter von drei Jahren autodidaktisch, später nahm er sporadisch Unterricht, studierte in Montreal klassische Musiktheorie sowie Jazzpiano – und wusste gleich, was ihm gefällt, nämlich „durchkomponierter Jazz“, wie er es nennt. „Individualistisch-egozentrischer Jazz, wie bei John Coltrane, ist nicht so mein Ding. Ich liebe seine Kompositionen, aber wenn er zehn Minuten lang das Saxophon bearbeitet, na ja. Da sind mir Monk, Miles, Mingus mit ihrem Sinn fürs Ganze lieber. Beim Jazzstudium in Montreal gab es so gut wie niemanden, der versucht hätte, wirklich zu komponieren; alle waren nur mit ihrem Ego und diesem ,Zehn-Minuten-Coltrane-Ding’ beschäftigt. Ich war total desillusioniert und orientierte mich dann ja auch um. Jazz höre ich natürlich noch. Er inspiriert mich, und ich hoffe, ein solches Feeling kommt auch in meiner Musik rüber. Ich habe allerdings den Eindruck, dass der Rest der Jazzwelt voll auf diese Coltrane-Inferno-Sache abfährt. Na, mal sehen – die Zeiten ändern sich.“

Und mit ihnen ändert sich Gonzales seit Beginn seiner Karriere. Schon während des Studiums schrieb er mit seinem Bruder, dem Filmkomponisten Chris Beck, Musik für Musicals und trat als Jazzpianist auf. In den 1990er Jahren startete er in Kanada mit einer Alternative-Rock-Band eine Popkarriere. 1999 ging er nach Berlin, nannte sich fortan Gonzales oder Chilly Gonzales und tauchte als satirischer Rapper in die bundeshauptstädtische Dancefloor- und Electro-Szene ein. Gleichzeitig sang, rappte und produzierte er für die ebenfalls in Berlin ansässigen kanadischen Pop-Landsleute Feist, Peaches und Mocky oder griff für sie in die Tasten. Als er sich im Laufe der Nullerjahre wieder mehr aufs Klavierspiel und auf sein klassisch geschultes Kompositionstalent besann, brachte dies zwei gefeierte Soloalben sowie die ambitionierten Projekte The Unspeakable Chilly Gonzales (2011) und Chambers (2015) hervor, bei denen er zu den Klängen eines Streichorchesters bzw. -quartetts spielte und rappte. Zuletzt tat sich Gonzales, der heute in Köln lebt, mit Jarvis Cocker, Ex-Sänger der britischen Indie-Rock-Band Pulp, zusammen, um auf dem Duoalbum Room 29 Geschichten vom Glanz und Elend Hollywoods und des Hotels Chareau Mormont zu erzählen.

Auf den beiden Soloalben, die er sinnigerweise Solo Piano (2004) und Solo Piano II (2012) taufte, stellte sich Gonzales mit ruhigen, sparsamen Klavierpiecen vor. Von der Kritik wurden sie enthusiastisch aufgenommen und als schönste Solomusik eines Pianisten begrüßt, der weder dem Jazz- noch dem Klassiklager eindeutig zuzuordnen ist. Hier gelingen ihm leicht zugängliche, ohrwurmartige Stücke zwischen Pop, Jazz und klassischer Moderne, die weder seicht noch simpel wirken und ein wenig nach Debussys Children’s Corner klingen. Manches erinnert in seiner melodischen Schlichtheit an die Klavierwerke Erik Saties, manches an die treibenden Ostinato-Passagen von Keith Jarretts Köln Concert. Konsequent verzichtet Gonzales auf virtuose Effekte und komplexe Rhythmik – eine Klaviermusik, die leise daherkommt, aber nachhaltig wirkt. Statt von großen Gesten lebt sie von kleinen Wiederholungsmotiven und Arpeggien, die sich rhythmisch fast unmerklich verschieben und einen starken Sog entfalten. Nach diesem Rezept funktionierte auch sein Hit „Never Stop“, der 2010 von Apple als Werbe-Jingle für das iPad der ersten Generation verwendet wurde: Ein Motiv aus drei stets wiederholten, mit leicht variiertem Rhythmus unterlegten Tönen (Fis-A-H) vom Klavier.

Auf der Bühne moderiert Gonzales seine Stücke nicht einfach an, er erläutert sie und seine Idee dabei, erklärt, was ein Arpeggio ist oder ein Sechsachtel, und lässt alles ganz einfach erscheinen. Es kam schon vor, dass er sein „Never Stop“ als Sample abspielte, darüber eine Rap-Parodie zum Besten gab, wilde Cluster und Akkorde in die Tasten drosch und dazu auch noch diverse Live-Remixe aus dem Ärmel schüttelte. Bei Chilly Gonzales weiß man vorher nie, was kommt, nur: Langweilig wird’s nicht. Wie sagt er so schön: „Je seriöser der Veranstaltungsort, desto besser kann ich ausflippen.“

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