Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Freitag | 12. Mai 2017 | 20:00 Uhr

Im Vorverkauf seit 10. November 2016

The Americas: Concord, Mass.
Pierre-Laurent Aimard
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2003
Pierre-Laurent Aimards pianistische Herkules-Aufgabe  

 Zwei monumentale Klavierwerke wie Beethovens „Hammerklavier“-Sonate und Charles Ives‘ Schlachtross, die Second Piano Sonata „Concord Mass., 1840-60“, an einem Abend aufs Programm zu setzen, kommt einer Herkules-Aufgabe gleich, an die sich nicht...

 

 Zwei monumentale Klavierwerke wie Beethovens „Hammerklavier“-Sonate und Charles Ives‘ Schlachtross, die Second Piano Sonata „Concord Mass., 1840-60“, an einem Abend aufs Programm zu setzen, kommt einer Herkules-Aufgabe gleich, an die sich nicht viele wagen. Pierre-Laurent Aimard kennt keine Berührungsängste im Umgang mit extremen Auswüchsen des Repertoires und nicht minder gewagten Anforderungen an sich und das Publikum. Dass er auch einen solchen Kraftakt souverän meistern kann, bewies er erneut im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr in der voll besetzten Gebläsehalle des Duisburger Landschaftsparks Nord.

Gleich der Kopfsatz von Beethovens formsprengender „Hammerklavier“-Sonate wies Aimard als Interpreten aus, der die Übersicht über die gewaltigen formalen Dimensionen behalten und jede melodische Linie, sei sie noch so brüchig oder sperrig, überlegen phrasieren kann. Eine Interpretation von hohem intellektuellem Niveau, die durch die enorme Dynamik seines Spiels dennoch eine überwältigende Energie ausstrahlt. Tugenden, die auch dem riesigen, im Detail äußerst penibel ausgefeilten Adagio zugutekommen, dessen formaler Zusammenhalt gewahrt bleibt.
Ohne Entspannung nach der Pause weiter

Das alles gelingt Aimard spieltechnisch so perfekt, dass ein paar falsche Töne in der irrsinnig schnell genommenen Schluss-Fuge schon sympathisch wirken. Ungeachtet der leidigen Diskussion um das angemessene Tempo für den rätselhaften Final-Satz stellt sich allerdings die Frage, ob Aimard nicht den Bogen überspannt, wenn er so rasante Tempi anschlägt, dass die Verläufe des dichten kontrapunktischen Geflechts kaum noch nachvollzogen werden können. Der singuläre Ausnahmecharakter des Werks wird zwar herausgestellt, die Einsicht in die Struktur des Satzes jedoch nicht unbedingt gefördert.

Von Entspannung konnte nach der Pause nicht die Rede sein, als Aimard mit offenbar ungebrochener Energie Charles Ives‘ kolossale „Concord“-Sonate anstimmte. Vier ausgedehnte Sätze aus den Jahren 1909 bis 1916, entstanden unter dem Einfluss einer mit transzendentalen Ideen beschäftigten Intellektuellen-Gruppe um Ralph Waldo Emerson, der die Sätze auch gewidmet sind.

Das Ergebnis ist eine aberwitzig virtuos gemischte Stilcollage, in der Ives denkbar gegensätzliche Extreme in rasanter Abfolge auftürmt. Zerbrechliche Poesie und brutaler Tastendonner, diffizile Polyphonie und trivialer Minimalismus, Zitate vom Bürgerkriegs-Song bis zu Beethovens Fünfter, Atonales und nostalgisch Anrührendes verflechten sich zu einem Tongemälde, das auch flexible Gestalter vor große Probleme stellen dürfte. Natürlich keinen Meister vom Schlage Aimards, der sich den stilistischen Wechselbädern genau so souverän und perfekt hingab wie denen der Beethoven-Sonate.

Begeisterter und erstaunlich frischer Beifall nach einem Abend der Superlative.

Westfälische Rundschau, Pedro Obiera

 
Klavier-Festival Ruhr begann mit zwei Monumenten  

Jetzt ist das diesjährige Klavier-Festival Ruhr für Duisburg eröffnet. In der ausverkauften Gebläsehalle im Landschaftspark Nord konzertierte Pierre-Laurent Aimard, Jahrgang 1957, langjähriger Professor an der Kölner Musikhochschule, Preisträger des...

 

Jetzt ist das diesjährige Klavier-Festival Ruhr für Duisburg eröffnet. In der ausverkauften Gebläsehalle im Landschaftspark Nord konzertierte Pierre-Laurent Aimard, Jahrgang 1957, langjähriger Professor an der Kölner Musikhochschule, Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2003 und nicht zuletzt ab Juni auch Träger des Ernst-von-Siemens-Musikpreises.

Sein Programm enthielt nur zwei Sonaten, die aber jeweils etwa 50 Minuten dauern und mit ihren außerordentlichen Anforderungen zu den Monumenten des Repertoires zählen. Die eine war jene Sonate Nr. 29 B-Dur op. 106 "Große Sonate für das Hammerklavier", mit der Ludwig van Beethoven vor 200 Jahren seinen neuen Broadwood-Hammerflügel und die Pianisten aller zukünftigen Generationen einem definitiven Härtetest unterzog. Die andere nach der Pause war jene noch etwas längere Sonate Nr. 2 "Concord, Mass., 1840-60", in der Charles Ives zwischen den beiden Weltkriegen auf den Spuren der neuenglischen Transzendentalisten (die vier Sätze heißen "Emerson", "Hawthorne", "The Alcotts" und "Thoreau") ständig auf dem schmalen Grat zwischen strengster Struktur und totaler Freiheit balanciert, zwischen Tontrauben (die mit einem Holzbrett angeschlagen werden) und Ragtime-Anklängen.

Aimard bestieg diese Gipfel mit viel Feuer und Souveränität, auf festivalwürdigem Niveau. Schade nur, dass das Profil seiner Aufführungen über weite Strecken etwas glatt blieb. Immerhin ist er einer der wenigen Pianisten weltweit, die solche Werke überhaupt angemessen herüberbringen können.

Im nächsten Duisburger Konzert des Klavier-Festivals Ruhr am Montag, 22. Mai, um 20 Uhr, in der Gebläsehalle, spielt der amerikanische Pianist Jeremy Denk, der in seiner Heimat Kult und in Europa noch ein Geheimtipp ist, zwischen Repertoirepfeilern von Johann Sebastian Bach und Franz Schubert mehrere kurz(weilig)e Werke. Es gibt noch Karten, am einfachsten und platzgenau im Internet unter www.klavierfestival.de.

Rheinische Post, Ingo Hoddick

 
Mit der Kühnheit eines Gipfelstürmers  

Was hat Beethovens Hammerklavier-Sonate mit der zweiten Klaviersonate „Concord, Massachusetts“ des Amerikaners Charles Ives gemein? Beide Sonaten gelten als  überragende Gipfelwerke der Klavierliteratur. Hier wird die Luft so dünn, dass es nur...

 

Was hat Beethovens Hammerklavier-Sonate mit der zweiten Klaviersonate „Concord, Massachusetts“ des Amerikaners Charles Ives gemein? Beide Sonaten gelten als  überragende Gipfelwerke der Klavierliteratur. Hier wird die Luft so dünn, dass es nur Pianisten der Top-Liga wagen können, sie unbeschadet zu erklimmen.
Wenn ein solcher Gipfelsturm ohne Blessuren gelingt wie beim Klavierfestival Ruhr in der ausverkauften Duisburger Gebläsehalle, wird der Hörer belohnt mit einem überwältigenden Ausblick über eine geistige Höhenlandschaft von atemberaubender Weite. Pierre-Laurent Aimard ist ein solch kühner Gipfelstürmer, der hinreichend geistige und physische Spannkraft besitzt, um diese beiden Brocken an einem Abend ohne Spannungseinbruch zu bewältigen.
Sein analytischer Blick für verästelte Strukturen und seine Fähigkeit, die über ihre Entstehungszeit weit hinausweisende Modernität im Repertoire heraus zu präparieren, sind der Faustpfand des 59-jährigen Franzosen. Warum der an den Musikhochschulen Köln und Paris lehrende Professor im Juni mit dem hochdotierten Ernst-von-Siemens-Musikpreis eine Art Nobelpreis für Musiker erhält, ließ sich an diesem Abend ohne weiteres nachvollziehen.
Beethovens 1817/18 entstandene B-Dur-Sonate für das Hammerklavier gilt manchem als Mysterium. Und obwohl der zu diesem Zeitpunkt schon ertaubte Komponist vom Interpreten Leidenschaft und vor allem für sein geheimnisvollstes Adagio „viel Empfindung“ einforderte, hat Aimards rhythmisch scharf akzentuiertes, mit berstender Spannung aufgeladenes Spiel nichts Romantisierendes. Der Franzose lenkt den Blick auf bohrende Crescendi, die tief schürfende Brillanz unterschiedlicher Spieltechniken von höchstem Anspruch, das schwebende Melos und alle Konventionen sprengende Energieschübe. Gar nicht zu reden vom schwindelerregenden dreistimmigen Fugen-Finale mit seiner theatralisch eingefügten Fughetta.
Mehrfach zitiert Charles Ives in seiner Concord-Sonate Beethovens Hammerklavier-Sonate und gleich im ersten Satz das Schicksalsmotiv aus Beethovens fünfter Sinfonie. Wie raffiniert hier Choral und Marsch, Salonmusik und Ragtime in einer Huldigung an die Philosophen und Autoren des amerikanischen Transzendentalismus, namentlich an Emerson, Hawthorne, die Alcott-Brüder und an Thoreau verwoben sind, ergründete Aimard in meisterhafter Spannung zwischen Rasanz und verwunschenen Momenten.

Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich

 
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