Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Donnerstag | 18. Mai 2017 | 20:00 Uhr

Im Vorverkauf seit 10. November 2016

Mozart
Till Fellner
Juliane Banse (Sopran)
Christoph Poppen (Dirigent)
Kölner Kammerorchester
Werkeinführung - Mozart

Die Ouvertüre zu „Così fan tutte“ ist vielleicht einer der originellsten Opernvorspiele von Wolfgang Amadeus Mozart: spritzig, temperamentvoll und mit Ironie und Komik gespickt, deutet sie schon die Achterbahn der Gefühle an, welche die Liebespaare im Laufe der Oper durchleben. „Così fan tutte“ war 1790 Mozarts letzter Beitrag zur Gattung der Opera buffa, zu der Lorenzo da Ponte die Textvorlage geliefert hatte. Als zu schematisch, dann wieder als zu unmoralisch wurde das Libretto kritisiert. Die Essenz der Geschichte: Auf die Frauen ist einfach kein Verlass. Auf nicht immer ganz ehrbare Art und Weise wird die Treue der beiden Protagonistinnen Fiordiligi und Dorabella auf die Probe gestellt. Viele Motive der Oper sind schon in der Ouvertüre vorweggenommen. Es wirbelt und brodelt und doch bleibt die Musik irgendwie auf der Stelle stehen, ähnlich wie die Handlung, in die sich die Mitwirkenden unmerklich verstricken, ohne scheinbar wirklich eine Wahl zu haben. Zu den bedeutendsten Nummern der Oper zählt die Monolog-Arie der Fiordiligi „Per pietà, ben mio perdona“ aus dem zweiten Akt. Fast wäre sie dem Lockvogel Ferrando gegenüber schwach geworden. Sich selbst beruhigend bittet sie den fernen Verlobten um Verzeihung. Doch nichts ist, wie es scheint in dieser Oper. „Come scoglio immoto resta“ – „So wie der Felsen unbewegt steht, so steht auch meine Treue“ singt Fiordiligi im ersten Akt. Aber wenn man genau hinhört, gerät die vermeintliche Selbstsicherheit ins Wanken, denn Mozart ist ein Genie der Suggestion und des raffinierten Zusammenspiels von Text und Musik. Während Fiordiligi sanft und standhaft singt, entwickeln sich im Orchester kleine Turbulenzen. Der Fels steht also keineswegs so sicher und unverrückbar. Die Arie „Per pietà, ben mio perdona“ wirkt im komischen Kontext der Oper hochexpressiv und virtuos. Und auch sie zeigt musikalisch, wie nah am Abgrund Fiordiligi steht – vor allem mit der ungewöhnlichen Hornpartie, die Mozart der Gesangsstimme zur Seite stellt. Schließlich dauert es nicht mehr lange, bis sie ihren Widerstand aufgibt…

Viele kennen es, das Aufschieben – sei es einer unliebsamen Arbeit oder weil einfach zu viel auf dem Tisch liegt. Für Mozart war das oft der ganz normale Alltagswahnsinn. Zu viel wollte er, zu viel wollte man von ihm, und oft verstrickte er sich in den Aufgaben, die kaum zu bewältigen schienen, um dann doch mit wunderbaren Kompositionen zu glänzen. Ähnlich verhielt es sich, als er an seinem Klavierkonzert in d-Moll KV 466 arbeitete. Erst am Tag vor der Uraufführung am 11. Februar 1785 hatte Mozart die Komposition fertig gestellt. Es handelt sich nicht nur um das erste Moll-Konzert Mozarts (ein zweites sollte 1786 mit KV 491 in c-Moll folgen), sondern auch um einen Vorreiter im Hinblick auf die Gattung sinfonisches Klavierkonzert. Neben dem solistischen Spiel haben große, eigenständige Orchesterpassagen eine tragende Rolle. Heute zählt es zu den beliebtesten Klavierkonzerten. Aber bereits bei der Uraufführung machte es großen Eindruck. Selbst der nur allzu kritische Vater des Komponisten äußerte sich lobend und schrieb an die Tochter: „Das Concert war unvergleichlich, das Orchester vortrefflich. (…) dann war ein neues vortreffliches Clavierconcert vom Wolfgang.“ Leopold Mozart schreibt weiter: „Wo die Copisten, da wir ankamen, noch daran abschrieben, und Dein Bruder das Rondo noch nicht einmal durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur übersehen mußte.“ Wie wäre es wohl gewesen, wenn Mozart die heutigen technischen Möglichkeiten mit Kopiergeräten und Computerprogrammen zur Verfügung gestanden hätten? Das Wiener Publikum war begeistert, obwohl das Konzert durchaus düstere und abgründige Töne hat – durchaus mutig, denn das Wirken als Komponist und Pianist war die wichtigste Einnahmequelle für den Künstler, der freischaffend in Wien Fuß zu fassen versuchte. Die Wahl auf eine Moll-Tonart durchbrach in jedem Fall die Erwartungshaltung des Publikums. Der Kontrast zwischen Klaviersolo und Orchester und der schnelle Stimmungswechsel innerhalb der Sätze waren für das damalige Publikum mehr als ungewöhnlich.  

Adriana del Bene war die Geliebte des Librettisten Lorenzo da Ponte, 1790 legte sie sich den Künstlernamen „Ferrarese“ zu. Für sie schrieb Mozart die Partie der Fiordiligi. Glaubt man Zeitungsberichten aus jener Zeit, war sie keineswegs eine begnadete Schauspielerin, überzeugte jedoch durch ihre pathetischen und virtuosen Interpretationen – auch wenn Mozart selbst nicht unbedingt große Stücke auf sie hielt. Anders verhielt es sich mit der englischen Mezzosopranistin Nancy Storace. Sie hatte bei der Uraufführung von „Le nozze di Figaro“ im Mai 1786 mitgewirkt und die Rolle der Susanna übernommen. Ein halbes Jahr später komponierte er für die Primadonna, kurz bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte, die Konzertarie „Ch‘io mi scordi di te?“. Der Text bezieht sich auf Mozarts Oper „Idomeneo“. Idamante, der Sohn Idomeneos, beruhigt seine Geliebte Ilia, die befürchtet, er könne der Prinzessin Elektra verfallen, mit den Worten „Ich dich vergessen?“ und versichert ihr in der folgenden Arie seine Treue. In der Konzertarie „Ch‘io mi scordi di te“ KV 505 sind die Rollen vertauscht: hier ist es die Sängerin, die mit reichen Koloraturen von der ewigen Liebe erzählt. Ungewöhnlich ist das obligate Klavier. Mozart spielte den Part bei der Uraufführung im Februar 1787 selber, und in Wien munkelte man, dass er sich mehr als nur eine künstlerische Begegnung von seiner Protagonistin erhoffte.

„Ich muß die Nacht dazu nehmen, anders kann es nicht gehen … und ich werde so viel möglich geschwind arbeiten – und so viel es die Eile zulässt – gut schreiben“: da ist sie wieder, die Hetzerei des getriebenen Genies. Wieder einmal stand Mozart unter Zeitdruck, wieder einmal entstand ein Meisterwerk. Er arbeitet gerade an einer Harmoniemusikfassung – einer Bearbeitung für Bläserensemble – seiner „Entführung aus dem Serail“, da bekam er den Auftrag, eine Festserenade für den Salzburger Bürgermeistersohn Sigmund Haffner zu schreiben. Der war im Juli 1782 in den Adelsstand erhoben worden und wollte den sozialen Aufstieg mit standesgemäßer Musik feiern. Erneut war es Vater Leopold, der den Sohn drängte, diesen lukrativen Auftrag anzunehmen. Am 20. Juli des Jahres sagte er zu und prompt schickte er an jedem Posttag einen Satz von Wien nach Salzburg. Inmitten dieser arbeitsreichen Phase heiratete er Constanze Weber im Wiener Stephansdom. Für eine große Akademie forderte Mozart ein Jahr später die Partitur wieder ein. Es dauert Wochen, bis der Vater die gewünschten Noten zurückschickt. Der Sohn war überrascht, seine eigene Handschrift zu sehen: „Die Neue Hafner Sinfonie hat mich ganz surpreniert – dann ich wusste kein Wort mehr davon; die muß gewis guten Effect machen!“, schreibt er ganz überrascht dem Vater. Für die Wiener Fassung schrieb er die Serenade zu einer Sinfonie um. Dafür strich er den einleitenden Marsch und ein zweites Menuett und fügte in den schnellen Ecksätzen Flöten- und Klarinettenstimmen hinzu. Im ersten Satz konzentriert sich die Musik auf ein rhythmisch prägnantes Thema, das harmonisch in verschiedenen Verwandlungen erscheint. Im Finale baut Mozart ein Zitat aus der „Entführung aus dem Serail“ ein. Bei der Uraufführung am 23. März 1783 glich das Programm dem von heute: Neben der Sinfonie standen diverse Arien aus seinen Opern, das Klavierkonzert KV 175, der dritte und vierte Satz einer Serenade, Klaviervariationen über eine Opernarie, eine kleine Fuge und schließlich erst als Zugabe der letzte Satz der „Haffner“-Sinfonie auf dem Programm.

Anja Renczikowski

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