Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Mittwoch | 31. Mai 2017 | 20:00 Uhr
Essen | Philharmonie Essen | Alfried Krupp Saal
JazzLine: Cuban Piano Summit
Hilario Durán
Chucho Valdés (Piano)
WDR Big Band Köln

Setlist:

Solo Hilário Durán
Solo Chucho Valdés
Duo Hilário Durán – Chucho Valdès
Mambo Influenciado (komp. Valdés – arr. Durán) mit Johann Hörlen (Saxofon)
Neurosis (Valdés/Durán) mit Horacio Hernandes (Drums), Sebastian Nickoll (Percussion)
Bebo (Valdés/Durán) mit Rob Bruynen (Trompete), Karolina Strassmayer (Saxofon)
Uraufführung: Rapsodia en Ritmo (Durán/Durán) mit Horacio Hernandes (Drums)
Misa Negra (Valdés/Durán) mit Karolina Strassmayer (Saxofon), Paul Heller (Saxofon), Wim Both (Trompete)
Duo Hilário Durán – Chucho Valdés
Claudia (Valdés/Durán) mit Johan Hörlen (Saxofon)
Uraufführung: Rumba y Tumbao (Durán/Durán) mit Horacio Hernandes (Drums) 
Almendra (Abelardo Valdés/Hilario Durán)
Lada 78 (Durán/Durán) mit Paul Heller (Saxofon), John Goldsby (Bass), Horacio Hernandes (Drums)

Zugabe:

Ajá Bibí (Felix Reina/Hilario Durán) mit Shannon Barnett (Posaune), Ruud Breuls (Trompete), Alberto Caicedo und Yma America (Gesang)

Werkeinführung - JazzLine

Chucho Valdés ist ohne Zweifel der Pianist, der mein Leben am meisten beeinflusste. (Hilario Durán)

Hilario Durán ist ein Pianist ohnegleichen, einer der größten Kubas im 20. Jahrhundert. (Chucho Valdés)

Wenn diese kubanischen Piano-Schwergewichte Komplimente austauschen, dann nicht bloß als Höflichkeitsfloskeln. Hilario Durán und Chucho Valdés kennen und schätzen einander seit fast einem halben Jahrhundert. Dass sie zusammen auf der Bühne stehen, ist dagegen eher selten. Jetzt komponierte Durán für seinen Freund Chucho und sich selbst ein Konzert für zwei Klaviere und Big Band; das Klavier-Festival Ruhr hat heute die Ehre, die Uraufführung des Werks zu präsentieren.

Valdés war es, der früh Duráns Talent erkannte und ihn förderte. „Er sah etwas in mir – keine Ahnung, was“, so Durán heute. Allein an jener Kombination aus virtuoser Technik, harmonisch-melodischem Einfallsreichtum und rhythmischer Energie, die für Jazzpianisten von der Karibikinsel geradezu typisch ist, kann es nicht gelegen haben. Durán brachte darüber hinaus eine besondere Begabung für Orchesterarbeit mit, die ihn von Anfang an mit Valdés verband: Dieser hatte dem wegweisenden Orquesta Cubana de Música Moderna angehört. Als er es verließ, um die Gruppe Irakere zu gründen, die dann zum international gefeierten Festival-Act wurde, empfahl er Durán als Nachfolger und half so, die Karriere seines jüngeren Kollegen anzuschieben. Dies war der Beginn einer Jahrzehnte währenden Freundschaft.

Hilario Durán Torres, 1953 als Sohn eines Ex-Vokalquartett-Sängers in Havanna geboren, klimperte früh auf dem Klavier seiner Schwester, erhielt dann Unterricht und studierte am Amadeo-Roldán-Konservatorium klassische Musik. „Ich liebte Jazz, weil mein Vater immer Jazzplatten gespielt hatte, aber in Kuba gab es dafür keine Ausbildung. Jazzer borgten sich gegenseitig Platten, kopierten sie, kupferten Solos ab und lernten davon. Chucho, Paquito D’Rivera, Arturo Sandoval – wir alle lernten durchs Nachspielen von Schallplatten.“ Nach dem Militärdienst tummelte er sich in der Musikszene Havannas, doch da Jazz seit der Revolution als „imperialistisch“ galt, konnte er seine Lieblingsmusik kaum spielen. Bis Valdés ihn 1973 ins behördlich genehmigte Orquesta Cubana de Música Moderna vermittelte. „Das Orquesta war toll“, erinnert er sich. „Lauter versierte Instrumentalisten, die Musik von Stan Kenton bis Glenn Miller spielten, den Stil, der mich gepackt hatte und dem ich bis heute nahezukommen suche, wenn ich für Big Band schreibe.“

Das Orquesta brachte Durán den Durchbruch in Kuba. Er arbeitete in den staatlichen EGREM-Studios, mit Trompeter Arturo Sandoval, mit eigenen Gruppen. 1991 lernte er die kanadische Sopransaxophonistin und Flötistin Jane Bunnett kennen, eine große Liebhaberin und Kennerin kubanischer Musik; daraus wurde eine so dauerhafte Kooperation, dass er 1998 nach Toronto zog. Von dort aus forcierte er seine Solokarriere, veröffentlichte auf kanadischen Labels: Combo-Aufnahmen, Einspielungen mit Jane Bunnett, kubanischen All-Star-Bands oder einer Latin Jazz Big Band (CD: From the Heart, 2006). Auf Letzterer zieht er ein Resümee seiner Orchestererfahrungen: „Seit ich nicht mehr in Kuba lebe, habe ich vielerlei andere Einflüsse verarbeitet, aber einen Sound habe ich immer noch im Kopf: den des Orquesta Cubana de Música Moderna. Den will ich rüberbringen. Das ist mein Tribut an jene Zeit und die großen kubanischen Orchester. Aber natürlich enthält die Musik auch Einflüsse aus meiner Zeit in Nordamerika.“ Die fortgesetzte Orchesterarbeit führte Durán nicht zuletzt mit der WDR Big Band Köln zusammen, mit der er bereits im vergangenen Jahr beim Klavier-Festival Ruhr auftrat.

Jesús „Chucho“ Valdés ist selbst Sohn eines berühmten Pianisten: Bebo Valdés. 1941 in Quivican auf Kuba geboren, erhielt Chucho mit drei Jahren Klavierstunden vom Vater. Der leitete damals das Orchester des „Tropicana Club“ in Havanna und nahm den Sohn schon mal mit zur Arbeit, wo der ihn mit den Jazz- und Show-Stars erleben konnte, die im „Tropicana“ auftraten. Daneben lernte Chucho klassisches Klavier. Als Jugendlicher spielte er in den legendären Bands von Ernesto Lecuona und Beny Moré, mit 16 Jahren gründete er ein Jazztrio. Anders als Bebo, der nach der Revolution das Land verließ, blieb er dort und stieg bald in die Oberliga der kubanischen Musikszene auf.

Als Dizzy Gillespie ihn und Irakere 1977 in Havanna kennenlernte, machte sich der Star-Trompeter einmal mehr als Botschafter der kubanischen Musik verdient, indem er sich bei internationalen Festivals und Labels für die Band einsetzte. Die erntete allenthalben Begeisterung mit ihrem brodelnden Mix aus karibischen Rhythmen, Rock, Funk, Jazz und klassischen Einflüssen; selbst den Ausstieg der Top-Bläser Paquito D’Rivera und Arturo Sandoval Anfang der 1980er Jahre konnte sie verkraften. Valdés selbst wurde wegen seiner stupenden, klassikgeschulten Technik und seines kraftvollen Spiels mal mit Chick Corea, mal mit McCoy Tyner verglichen, und als er 1996 mit dem damals als „young lion“ gefeierten Trompeter Roy Hargrove zusammenarbeitete, gab dies auch seiner Karriere als Solokünstler nachhaltig Auftrieb.

Seit den Nullerjahren hört man Valdés nicht mehr mit Irakere, eher im Quartett, mit seinen Afro-Cuban Messengers oder solo. „Gut 30 Jahre mit derselben Band,“ sagt er, „sind eine lange Zeit. Meine Arbeit als Pianist und Solist kam auf Dauer bei Irakere zu kurz. Dort bin ich Komponist, Arrangeur und musikalischer Leiter, aber das ist eine völlig andere Rolle. Ich möchte Klavier spielen.“ Wozu er in Hilario Duráns Konzert für zwei Klaviere und Big Band reichlich Gelegenheit bekommen dürfte. Beim Klavier-Festival Ruhr ist Hilario Durán zum zweiten Mal, Chucho Valdés bereits zum sechsten Mal zu erleben.

Berthold Klostermann

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