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Dienstag | 04. Juli 2017 | 20:00 Uhr
Fuga y Misterio
Sergio Tiempo
Sergio Tiempos Auftritt in Schwelm ist Erlebnis und Genuss  

Die große Martha Argerich hatte ihn früh unter ihre Fittiche genommen, und in seiner entfesselten Energie erinnert das Spiel von Sergio Tiempo manchmal an die Jugendzeit seiner berühmten Mentorin. Bei seinem Auftritt im Rahmen eines Konzerts des...

 

Die große Martha Argerich hatte ihn früh unter ihre Fittiche genommen, und in seiner entfesselten Energie erinnert das Spiel von Sergio Tiempo manchmal an die Jugendzeit seiner berühmten Mentorin. Bei seinem Auftritt im Rahmen eines Konzerts des Klavier-Festivals Ruhr im Ibach-Haus schenkte Sergio Tiempo dem Flügel nichts – und seinen Zuhörern auch nicht.

In dem niedrigen Saal schien es, als suche der voluminöse Steinway-Klang nach dem Raum, sich zu entfalten, und verdopple dadurch seine Intensität. Ludwig van Beethovens „Appassionata“ jedenfalls stürzte mit voller Wucht auf die nahezu komplett gefüllten Reihen des Saales ein.

Und die vier Teile aus Sergej Prokofjews „Romeo und Julia“ trumpften herrisch auf und ließen das Drama um die beiden unglücklichen Liebenden ungeschönt und ungeschützt hereinbrechen.

Tiempo, der 2007 beim Klavier-Festival Ruhr – im Duo mit Martha Argerich – debütierte, brachte ein eigens konzipiertes Programm mit nach Schwelm, das sich am programmatischen Schwerpunkt des Klavier-Festivals Ruhr in diesem Jahr ausrichtet: „The Americas“.

Die reiche und vielfältige Musiklandschaft Nord- und Südamerikas ist hierzulande ja kaum präsent. Aber der Abend zeigte, wie lohnend es ist, sich in diese musikalische Welt zu vertiefen, auch jenseits des allgegenwärtigen Astor Piazzolla, des „Königs“ des Tango Nuevo.

Genau am Tag des Konzerts vor 25 Jahren ist die Ikone der neuen lateinamerikanischen Musik in Buenos Aires gestorben. Tiempo erwies ihm die Ehre mit „Fuga y Misterio“ aus Piazzollas Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“. Ein Stück, das die klare Rationalität europäischer Kontrapunktik („Fuga“) mit den leidenschaftlichen Formeln lateinamerikanisch geprägter Melodik verbindet („Misterio“, das Geheimnis). Mit „La muerte del Angel“ als Zugabe stellte Tiempo, so möchte man meinen, direkt den Bezug zu Piazzollas Todestag her.

In der Musik seines Heimatkontinents fühlt sich der junge Venezolaner offenbar richtig zu Hause: Denn auch mit Alberto Ginasteras „Tres Danzas Argentinas“ ließ er sich nicht nur auf den vielgestaltigen Rhythmus, sondern auch auf die emotionalen Aspekte der Musik ein. Deren Bandbreite reicht von trocken-kantiger, sogar zupackend-aggressiver Rhythmik über eine selbstvergessene, fast an ein Nocturne erinnernde melodische Träumerei bis hin zum quirlig-virtuosen Schaustück, bei dem der Eindruck aufkommt, hier habe feurige Gitarrenmusik Pate gestanden.

In Moisès Moleiros „Joropo“ sind die folkloristischen Bezüge unverkennbar: Der 1979 gestorbene Komponist und Pianist aus Venezuela macht aus dem traditionellen Tanz ein hinreißendes Stück virtuoser Klaviermusik. In den vier Stücken aus der Sammlung „A prole do bebè“ von 1918 charakterisiert der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos vier Kinderpüppchen – und Sergio Tiempo leuchtet die filigranen, aus sich heraus sprechenden Episoden in ihren liebevollen Details sorgsam aus.

Alberto Ginasteras „Malambo“ gibt ihm noch einmal Gelegenheit, Pracht und Kraft zu demonstrieren – und der Zuhörer ahnt, dass der wichtigste Komponist des modernen Argentinien einer eingehenderen Beschäftigung wert ist. Tiempo jedenfalls, dessen Konzert diese spannenden Entdeckungen ermöglicht hat, wendet sich am Ende nach Europa zurück: Er überlegt ein Weilchen und rahmt dann die Piazzolla-Zugabe mit zwei Werken Frédéric Chopins ein, dem e-Moll-Prélude op. 28/4 und der berühmten Nummer 15 aus dem gleichen Zyklus, dem „Regentropfen-Prélude“. Der Regen allerdings blieb an diesem warmen Abend in Schwelm aus.

Westfalenpost

 
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