Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Mittwoch | 12. Juli 2017 | 20:00 Uhr

In Kooperation mit der Stiftung Zollverein

The Americas: For Three Pianos
Maki Namekawa
Preisträgerin des Klavier-Festivals Ruhr 2017
Dennis Russell Davies
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2017
Philip Glass
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2017

Mad Rush führt in die späten 1970er Jahre. Glass komponierte dieses Werk zunächst für Orgel, basierend auf früheren Stücken für dieses Instrument. Später nutzte es Lucinda Childs für eine ihrer Choreographien. Glass schrieb Mad Rush aus Anlass des 14. Besuches des Dalai Lama in Nordamerika. Ausgangspunkt war für Glass ein Widerstreit zwischen den Gottheiten des Zorns und des Friedens im tibetischen Buddhismus. „Ein Stück, das die Visionen der führenden Friedensdenker in sich aufnimmt“, wie in der österreichischen Presse 2016 zu lesen war, „den Zorn über die schier grenzenlose Gewalt und das Suchen nach endlosem Eingehen in den Frieden jenseits allen Denkens. Ein Eintauchen in den Kosmos der unendlichen Welt mit einem Stück, das in seiner Konzeption ebenso unendlich sein könnte.“

Christoph Vratz

 

Auf Vorschlag von Maki Namekawa und Dennis Russell Davies bat das Klavier-Festival Ruhr PhilipGlass um ein neues Werk, die Four Movements for Two Pianos. Die Uraufführung mit diesem Klavierduo erfolgte im Juli 2008 in Essen und steht in einer Reihe von Werken, die Glass teils in enger Zusammenarbeit mit Dennis Russell Davies geschrieben hat und die dieser als Pianist oder als Dirigent uraufführte. Seit den frühen 1980er Jahren haben sie bei verschiedenen Opern und allen bislang elf Sinfonien zusammengearbeitet, außerdem bei einer Reihe von Klavierwerken und Kammermusik. Four Movements for Two Pianos erscheint wie der entfernte Cousin der Etudes von 1994. Doch weit enger als zu den sechs Etüden sind die Bezüge zu der Musik von Glass’ Oper Les Enfants Terribles aus dem Jahr 1996, die der Komponist für drei Klaviere gesetzt hat. Four Movements for Two Pianos nutzt die klanglichen Möglichkeiten beim Einsatz mehrerer Klaviere in ganzer Bandbreite. Die Harmonien dieses Werkes erinnern an die Sonata for Violin and Piano von 2008 sowie an die zwei Jahre später entstandenen Duets No. 1-5 für Violine und Klavier; denn die harmonischen Kompaktheiten stehen in deutlichem Kontrast zu Glass’ früheren Klavierwerken. Zwar nutzt der Komponist immer noch das Mittel der Wiederholung, doch bewegt sich Glass nun in eine harmonisch neue Richtung, als Folge seiner ständigen Weiterentwicklung als Komponist. Seinem tonalen Stil bleibt er treu, doch deutet Glass die Tonalität nur noch versteckt an. Der Komponist führt die Harmonien so ein, dass der Hörer sie zunächst als „falsch” wahrnimmt, im Gegensatz zur klassischen Harmonik, doch erkennt der Hörer sie schnell in ihrem eigentlichen Zusammenhang. Ebenso interessant sind die Rollen, die die Solisten in diesem Werk einnehmen: die Traditionen für Werke mit zwei Klavieren werden insofern gesprengt, als den Interpreten keine feste Grenzen vorgegeben werden. Glass überlässt es den Ausführenden, ihre Rollen frei zu gestalten, was letztlich dazu führt, dass der Hörer den jeweiligen Stil der Interpreten in verschiedenen Abschnitten des Stückes auf jeweils unterschiedliche Weise wahrnehmen kann. Vom ersten Takt an scheinen die Ausführenden wie unter Strom; dieses Überdrehtsein zieht sich durch den ganzen ersten Satz, der schließlich den Weg zu einem kontemplativen zweiten Abschnitt öffnet, in dem sich ein fast kindlicher Enthusiasmus über romantischen Moll-Akkorden ausbreitet. Dies erinnert an eine Welt zwischen Schumanns Fantasiestücken und  Strawinskys Les Cinq Doigts. Der längste Abschnitt dieses Werkes ist der dritte Satz, der von rhythmischer Spannung lebt. Dieser ganze Satz kann unter dem Aspekt der ständigen Verwandlung gesehen werden, da der eine Pianist immer die Figuren des anderen aufgreift und verändert. Daher ist dieser Dialog zugleich der emotionale Höhepunkt dieses Werkes. Der vierte Satz schließlich ist dunkler, fast wie ein Marsch, allerdings mit einem befriedigenden Schluss.

Richard Guérin

 

Im Jahr 1996 vertonte Philip Glass Jean Cocteaus Roman Les Enfants Terribles (Kinder der Nacht) aus dem Jahr 1929. Paul wird von einem Schneeball getroffen. Ausgerechnet Dargelos, den Paul doch so sehr bewundert, hat ihn geworfen. Von diesem Moment an ist alles anders. Paul muss von diesem Moment an das Haus hüten. Gemeinsam mit seiner Schwester Elisabeth, genannt Lise, zieht er sich aus dem prallen Leben zurück. Es ist das Leben in einem neuen, eigenen Kosmos, nicht zuletzt ein Kosmos innerer Fantasiereisen. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischen. So entsteht einerseits eine in sich geschlossene, hermetische Welt, andererseits eine Welt, die keinen Ausweg mehr kennt, selbst dann nicht, als Paul sich in Agathe, Elisabeths Arbeitskollegen, verliebt. Das Glück wird ihm verweigert, weil Elisabeth Agathe mit Pauls Jugendfreund Gérard verkuppelt. Diese ganze Welt ist geprägt von der Angst vor dem wirklichen Leben. Paul nimmt sich schließlich das Leben, seine Schwester folgt ihm. So stirbt Paul letztlich nicht an dem Schneeball, der seine Brust getroffen hat, sondern an den Ränkespielchen seiner Schwester. Das Orchester in dieser Tanzoper besteht aus drei Klavieren. Mit Les Enfants terribles beschloss Glass – nach Orphée (1991) und La Belle et La Bête (1994) – seine Cocteau-Trilogie, die er als Hommage an den französischen Autor, Regisseur und Zeichner verstand.

Christoph Vratz

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