Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Samstag | 15. Juli 2017 | 20:00 Uhr
JazzLine
Joey Alexander
Alexander Claffy (Bass)
Willie Jones III (Drums)

Setlist:

Time Remembered (B. Evans)
Epistrophy (Monk)
Space (J. Alexander)
Soul Dreamer (J. Alexander)
City Lights (J. Alexander)
My Favorite Things (Oscar & Hammerstein)
Countdown (Coltrane)
Sunday Waltz (J. Alexander)
Straight No Chaser (Monk)


Zugaben:

I Am Thine, O Lord (Gospel)
Blackbird (McCartney)

Jubel für den jungen Joey Alexander beim Klavierfestival  

Wenn ein vierzehnjähriger Knirps am Klavier seine Begleiter, die schon im Geschäft waren, bevor er das Licht der Welt erblickte, als „begabte Musiker“ vorstellt, das hat doch was. Aber wer Joey Alexander auf der Bühne erlebt, reibt sich mehr als...

 

Wenn ein vierzehnjähriger Knirps am Klavier seine Begleiter, die schon im Geschäft waren, bevor er das Licht der Welt erblickte, als „begabte Musiker“ vorstellt, das hat doch was. Aber wer Joey Alexander auf der Bühne erlebt, reibt sich mehr als einmal die Augen und meint, seinen Ohren nicht zu trauen. Genau diese Erwartung, geschürt auch von Lobeshymnen eines Herbie Hancock oder Wynton Marsalis, eilt dem halbwüchsigen Jazzpianisten aus Indonesien voraus, also war man gespannt – und das Grillo-Theater, wo er jetzt im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr gastierte, restlos ausverkauft.

Etwas linkisch und zunächst solo betrat der Junge die Bühne – und stellte in Bill Evans’ „Time Remembered“ erst mal klar, wo es langging: im Kielwasser der ganz Großen. Mit gegenläufigen Linien und scheinbar suchenden Akkorden tastete er sich hinein in die Ballade, die dank ihrer harmonischen Finessen zu den Paradestücken des modalen Jazz zählt. Da treffen Kirchentonarten auf erweiterte Harmonien à la Debussy und Ravel. Bei Joey klang das zunächst ein wenig etüdenhaft, doch bald fiel seine Linke in einen Groove, und die Sache gewann an Fahrt.

Beide Konzerthälften begann er, geradezu bekenntnishaft, mit Kompositionen von Altvorderen des modernen Jazz. Als wolle er zeigen, dass ein Jugendlicher nicht unbedingt Popsongs spielt, kam Joey, jetzt im Trio mit Bass und Schlagzeug, nach dem impressionistischen Bill Evans mit dem harmonischen Querdenker Thelonious Monk („Epistrophy“) und dem großen Suchenden John Coltrane, einem der Musiker, wie er sagt, „die mich am meisten inspirieren.“

Mit „My Favorite Things“ und „Countdown“ wählte er Stücke, in denen „Trane“ gegensätzliche harmonische Konzepte ausprobierte, bei „Favorite Things“ überdies mit einer bekannten Melodie, was prompt zu Szenenapplaus führte.

Derart auf die harmonische Welt seiner Helden eingestimmt, gab Joey Selbstgeschriebenes zum Besten, und auch hier konnte man verblüfft sein. Der Junge schreibt nicht die großangelegten Melodiebögen, arbeitet eher mit kleinen, überschaubaren Einheiten, Motiven, die er dreht und wendet, um sie zu sangliche Linien zu verbinden oder mit rhythmisch gesetzten Blockakkorden zu akzentuieren. Das konnte mal gospelartig ausfallen („Sunday Waltz“), mal bluesig, aber dann mit interessanten Akkorden im „amtlichen“ 12-Takte-Schema („Ma Blues“).

Noch fehlt es dem hier und da schon als Wunderkind gefeierten Pianisten an Bühnensicherheit, seinem Spiel und seinen Kompositionen an der Fähigkeit zu berühren. Er ist kein begnadeter Virtuose, aber ein bemerkenswert guter Pianist mit Jazzeigenschaften, die sich nicht immer erlernen lassen: Seine Neugier, sein Improvisationstalent, seine Phrasierung, sein Sinn für Swing und Groove, seine Auffassungsgabe, sein harmonisches Verständnis sind schlicht erstaunlich. Für sein Alter.

Es dauerte, bis das Zusammenspiel im Trio mit Alexander Claffy (Bass) und Willie Jones III (Drums) rund lief, was daran liegen mochte, dass die Begleiter kurzfristig eingewechselt wurden. An diesem Abend zeigte Joey weder Leader-Format noch konnte man eine Bill-Evans-gerechte „Unit“ aus drei gleichberechtigten Partnern erleben. Der Junge gab seinen Musikern viel Raum, insbesondere Jones, mit dem er sich anregende Dialoge lieferte, während Claffy als Bindeglied fungierte, doch vor allem spielten die beiden ihm zu und unterstützten.

Von den begeisterten Hörern im Grillo verabschiedete Joey sich solo mit einem Popsong, harmonisch elaboriert, versteht sich: Lennon/McCartneys „Blackbird“. Herbie Hancock jedenfalls, der schon flachste: „Unfassbar! Der Kleine nimmt mir den Job weg!“, kann unbesorgt sein. Noch. Der Kleine fängt ja erst an.

WAZ, Berthold Klostermann

 

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