Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Samstag | 15. Juli 2017 | 20:00 Uhr
JazzLine
Joey Alexander
Alexander Claffy (Bass)
Willie Jones III (Drums)

Setlist:

Time Remembered (B. Evans)
Epistrophy (Monk)
Space (J. Alexander)
Soul Dreamer (J. Alexander)
City Lights (J. Alexander)
My Favorite Things (Oscar & Hammerstein)
Countdown (Coltrane)
Sunday Waltz (J. Alexander)
Straight No Chaser (Monk)


Zugaben:

I Am Thine, O Lord (Gospel)
Blackbird (McCartney)

Unfassbar! Der Kleine nimmt mir den Job weg.
(Herbie Hancock)

Die Sorge dürfte unbegründet sein. Aber wer weiß – auch Herbie Hancock fing ja früh an und wurde als Wunderkind gefeiert, als er im Alter von elf Jahren mit dem Chicago Symphony Orchestra auftrat. Heute ist er Mentor eines Jungen, der mit elf sein Plattendebüt als Jazzpianist vorlegte und dafür von der New York Times zum „Wunderkind am Jazzklavier“ erklärt wurde: Joey Alexander. Was diesem furchtbar peinlich ist - muss er seither doch in jedem Interview, jeder TV-Show, bevor er sich ans Klavier setzen und spielen darf, erklären, warum er kein „Wunderkind“ sein mag. „Es geht doch um die Musik“, sagt er dann, „nicht ums Alter.“ Obwohl es in der Tat schwerfällt, über sein Alter hinwegzusehen. Doch dann ist ihm das Urteil eines weiteren Mentors, Wynton Marsalis, schon lieber, der da meinte: „Joey ist ein kleines Genie. Gerade mal zehn Jahre alt, spielt er mit mehr emotionaler Tiefe als mancher Erwachsene. Mir fällt keiner ein, der in dem Alter so hätte spielen können. Und ich finde alles an seinem Spiel klasse – sein Rhythmusgefühl, sein Selbstvertrauen, sein Verständnis für diese Musik.“

Marsalis entdeckte den Jungen aus Indonesien auf YouTube und traute Augen und Ohren nicht: Ein Zehnjähriger, der Stücke von John Coltrane, Thelonious Monk und Chick Corea spielte! Dabei standen schon Joeys allererste Fingerübungen an den schwarz-weißen Tasten ganz im Zeichen „reiferer“ Musik. 2003 auf Bali geboren, hörte Josiah Alexander Sila, so sein voller Name, von klein auf hin, wenn sein Vater, ein Amateurpianist und Plattensammler, die großen Jazzklassiker spielte. Mit sechs bekam er ein Mini-Keyboard – und spielte auf Anhieb und nach Gehör Monks „Well, You Needn’t“. Ein paar Grundlagen vermittelte ihm der Vater, klassische Klavierstunden langweilten ihn, und so brachte Joey sich alles Weitere selber bei: „Ich hörte Platten“, sagt er. „Und YouTube.“ Wann immer man ihn ließ, stieg er bei Jam-Sessions ein. Mit acht durfte er Herbie Hancock vorspielen, als der Indonesien besuchte, mit neun gewann er in der Ukraine einen Wettbewerb für alle Altersklassen, mit zehn trat er bei Festivals in Jakarta und Kopenhagen auf. Und mit elf lud Wynton Marsalis ihn zu „Jazz at Lincoln Center“ ein. Als weitere Engagements in New York sich anschlossen, gaben die Eltern ihr Reisebüro in Jakarta auf und zogen mit Joey in den „Big Apple“.

Kurz vor seinem 12. Geburtstag, im Mai 2015, erschien das erste Album, My Favorite Things. Los ging’s mit einer über zehnminütigen Version von Coltranes „Giant Steps“, dessen harmonische Klippen er nicht nur spielend meisterte, er verstand dem Klassiker auch eine eigene Note zu geben: „Ich spielte das Stück zum ersten Mal, als ich acht war, und mir ist klar, dass es ein sehr wichtiges Werk ist. Mich faszinieren besonders die Progressionen darin.“ Zwei Grammy-Nominierungen waren der Lohn: für sein Spiel in „Giant Steps“ (Best Improvised Solo) und für My Favorite Things als Ganzes (Best Instrumental Jazz Album). Die Scheibe endete mit „Over the Rainbow“ aus dem Kindermusical The Wizard of Oz, als inniges Klaviersolo gespielt, doch Strayhorns „Lush Life“ oder Joeys eigener „Ma Blues“ zeigten, dass der Youngster auch ausgesprochen „erwachsene“ Musik zu interpretieren wusste. Mit dem Erfolg, dass sich fortan alles, was im Jazz Rang und Namen hat, um ihn zu reißen schien: Impresario George Wein lud ihn zum Newport Jazz Festival ein, Wynton Marsalis bat ihn zum Blues, Wayne Shorter und Esperanza Spalding spielten mit ihm „Footprints“ im Weißen Haus, Chick Corea improvisierte mit ihm über „Spain“ – um nur einige zu nennen.

Ende 2016 erschien das zweite Album, und auch dieses steht unter einem Coltrane- Titel: Countdown. „Coltrane ist einer der Musiker, die mich am meisten inspirieren“, erklärt Joey Alexander. Wieder enthält das Programm Standards aus dem American Songbook und Modern-Jazz-Klassiker, wie Herbie Hancocks „Maiden Voyage“, ein Drittel der Stücke aber stammt jetzt aus Joeys eigener Feder – der übrigens durchaus nicht nur Jazzmusik zu schätzen weiß: „Ich finde, dass mir keine Musik so viel Freiheit lässt, mich auszudrücken, wie der Jazz. Damit kann ich meine Geschichte erzählen oder eine neue erfinden. Wichtig ist nur, dass das Ganze swingt. Aber es muss nicht immer Jazz sein. Ich schätze auch vieles aus der klassischen Musik und höre gern Ravel, Debussy oder Satie.“

Drei Wochen vor seinem heutigen Konzert feierte Joey Alexander seinen 14. Geburtstag. Damit ist er der jüngste Pianist, der je in der JazzLine beim Klavier-Festival Ruhr sein Debüt gab.

Berthold Klostermann

 

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