Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
Sonntag | 12. Juni 2016 | 18:00 Uhr
Moers | Martinstift | Kammermusiksaal
Preis: € 36 | 24 | 18
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Aidan Mikdad
Stipendiat des Klavier-Festivals Ruhr 2015

Bitte beachten Sie das geänderte Programm.

Werkeinführung

Mit der Schöpfung von rund 25 Variationszyklen für Klavier gelang es Ludwig van Beethoven, diese musikalische Form der Sonate ebenbürtig zu machen. Die im Herbst 1806 entstandenen und im folgenden Jahr publizierten 32 Variationen über ein Originalthema in c-Moll gehören zu seinen Meisterwerken und zeigen in beeindruckender Weise, wie aus einem Minimum an Material ein ganzer Kosmos entstehen kann. Das achttaktige Thema enthält ein Höchstmaß an melodischer sowie harmonischer Energie und ist durch auseinanderdrängende Stimmen gekennzeichnet. Während die aufsteigende Melodie an einen barocken Tanzsatz erinnert, ist der Bass als absteigende chromatische Linie im Chaconne-Stil konzipiert.

In den 32 Variationen – die bis auf das Finale alle nur aus acht Takten bestehen – entfaltet sich anschließend die gesamte Bandbreite von Beethovens Klaviertechnik. Sie leben u. a. von gegenläufigen Stimmen, Arpeggien, Figurationen, markanten rhythmischen Figuren, Tonrepetitionen, Sprungtechniken und abwechslungsreichen Artikulationen. Der Variationszyklus entstand zu einer Zeit, als sich die moderne Klavieretüde als eigene Gattung etablierte. Daran angelehnt rückt Beethoven die pianistische Technik deutlich in den Fokus, bettet sie jedoch geschickt in ein musikalisches Kunstwerk ein.

Nach der Etablierung der Etüde als eigene Gattung stellten sich bald auch berühmte Komponisten der Herausforderung, technische Schwierigkeiten mit musikalischen Inhalten zu verbinden, um auf diese Weise wahre Kunstwerke zu schaffen. Franz Liszt rang 25 Jahre um die endgültige Gestalt seiner zwölf Études d’exécution transcendante (Etüden für die hervorragende Ausführung) und vollendete die dritte Fassung 1851. Das Hinzufügen von poetischen Titeln zeugt deutlich von einem erweiterten Etüden-Verständnis, bei dem die musikalische Dichtung gleichberechtigt neben die akrobatische Fingerfertigkeit tritt.

In Chasse-neige (Schneegestöber) entwirft Liszt mit Hilfe von Tremolofiguren, weiten Sprüngen und chromatischen Passagen das Bild einer verhangenen Winterlandschaft mit unerbittlichem Schneefall. Die getragene Etüde Ricordanza (Erinnerung) lebt von üppigen Figurationen. Busoni verglich sie mit einem „Bündel verblasster Liebesbriefe“. Es folgt in Chasse sauvage (Wilde Jagd) die Schilderung eines vorbeirasenden Heeres mit trappelnden Hufen, knallenden Peitschen und tönenden Hörnern.

In dem 1855 erschienenen ersten Teil der Années de pèlerinage (Pilgerjahre) fasste Franz Liszt neun Charakterstücke zusammen, zu denen er bereits 20 Jahre zuvor während einer Reise in die Schweizer Gebirgswelt inspiriert worden war. Die grandiose Komposition Vallée d’Obermann markiert den Höhepunkt der gesamten Sammlung und nimmt Bezug auf Étienne Pivert de Senancours 1804 veröffentlichten, viel bewunderten Briefroman „Obermann“. Das ursprünglich als Motto vorangestellte Zitat beginnt mit den Worten „Was will ich? Was bin ich? Was verlange ich von der Natur?“ und thematisiert das menschliche Ringen um Erkenntnis. Die musikalische Darstellung dieses Seelenzustands ist für Liszt von zentraler Bedeutung. Anhand von abwechslungsreichen Modulationen und dynamischen Gegensätzen schildert er meisterhaft die bohrende Selbstbefragung des Menschen und seine innere Unruhe.

Frédéric Chopins Klavierwerk umfasst von Etüde über Tanz bis zu Sonate und Klavierkonzert nahezu alle Typen der Gattung. Dabei gilt die Klavierballade als Chopins eigene Erfindung, da Robert Schumann in seinen Klavierballaden vom Balladenlied ausging. Für Schumanns Behauptung, Chopins sei durch die Litauischen Balladen seines Landsmanns Adam Mickiewicz zu seinen Klavierballaden angeregt worden, fehlt zwar jeder konkrete Beweis – immerhin wäre eine solche Anregung aber denkbar und nach dem romantischen Verständnis sicherlich auch sinnvoll. Die Vier Balladen, in denen Chopin in freier Manier Elemente des Sonatensatzes verwendet, bilden einen Höhepunkt im Gesamtwerk.

Die Ballade Nr. 2 F-Dur op. 38 von 1839 steigert die Kontrastwirkung von Spannung und Entspannung noch. Sie soll auf Mickiewiczs Gedicht Der Switez entstanden sein, in dem die Mädchen einer versunkenen Stadt in Wasserblumen verwandelt werden, um auf diese Weise den russischen Horden zu entgehen. So wird der schwankende Rhythmus der schlichten Melodie gern als die sich im Wind wiegenden Wasserlilien gedeutet, will man im Presto con fuoco die moskowitischen Horden erkennen. Das Stück, das mit seiner Häufung übermäßiger Quinten und ungewohnter Modulationen völlig dem zeitgenössischen Klischee von Salonmusik widerspricht, endet in der Tonart des Presto-Satzes: a-Moll. Allerdings lässt eine Notiz Schumanns, dem die Ballade gewidmet ist und der sich erinnert, „als Chopin die Ballade hier spielte und in F-Dur schloss“, folgern, dass die Komposition überarbeitet wurde.

Für den 1872 geborenen Russen Alexander Skrjabin stand das Klavier im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Von 74 Opusnummern in Skrjabins Werkkatalog sind 68 für Klavier geschrieben – darunter zehn Klaviersonaten, in denen sich die Entwicklungsstufen ihres Komponisten widerspiegeln. Skrjabin, der unter dem Einfluss Chopins und Liszts begann, bewunderte Richard Wagner und ironisierte die französischen Impressionisten. Schon bald genügte ihm der spätromantische Ausdrucksbereich nicht mehr. In seiner in Westeuropa entwickelten faszinierenden Eigensprache ging er mit „mystischen Akkorden“ über Zeitgenossen wie Glasunow und Rachmaninow weit hinaus.

Bereits in seinen ersten Sonaten erwies Skrjabin sich als ein sensibler, phantasievoller und erfindungsreicher Komponist. In der Sonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53 aus dem Jahr 1907 ist die „geistige Richtung“ künftiger Werke, das Verlassen überlieferter Kompositionsmittel und das Einsetzen neuer Ordnungen, bereits klar vorgezeichnet. An die Stelle des Dur-Moll-Systems wird eine neue Skala von acht gleichwertigen Tönen treten, die im Klangbild der letzten Sonaten eine wenn auch scheinbare klangliche Gleichartigkeit bewirkt. Klaus Billing definiert Opus 53 als „Absprung zu den neuen Ufern“ mit dem vorangestellten Motto.

Igor Strawinskys Ballett Petruschka entstand als Auftragswerk für Diaghilews berühmte „Ballets Russes“ in Paris und wurde am 13. Juni 1911 mit großem Erfolg uraufgeführt. Zehn Jahre später schuf der Komponist auf Bitte von Arthur Rubinstein die dreisätzige Klaviersuite Trois Mouvements de Pétrouchka, die zentrale Elemente der Ballettmusik aufgreift. Im Mittelpunkt der Handlung steht Petruschka, der volkstümliche, traurige Held russischer Jahrmärkte. Nachdem er im Danse russe zum Leben erwacht ist, tanzt er in Chez Pétrouchka mit diabolischen Kaskaden über die schwarze und weiße Klaviertastatur. In Semaine grasse wird schließlich ein großflächiger Orchesterklang nachgebildet, der eine höchst anspruchsvolle pianistische Sprung- und Schlagtechnik erfordert.

Dass Strawinskys Klaviersuite zu den berühmtesten und schwierigsten Bravourstücken gehört, drückte Arthur Rubinstein folgendermaßen aus: „Einer schönen jungen Frau einen Heiratsantrag zu machen, erfordert nicht wesentlich mehr Mut, als Petrouchka auf dem Klavier zu spielen“.
Andrea Susanne Opielka

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