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KlangFarben – Ein inklusives Education-Projekt in Duisburg

Das Projekt - Ausgangspunkt

„Auf jeden Fall versuche ich, die gängige Musik zu vergessen, weil sie mich daran hindert, jene zu hören, die ich noch nicht kenne oder erst ‚morgen‘ kennen werde. Warum sich an das halten, was man nur zu gut kennt?“

In seinen Werken Images und Préludes erschloss der französische Komponist Claude Debussy (1862–1918) dem Klavier an der Schwelle zur Moderne neue Klang- und Ausdruckswelten. Dabei ließ er sich nicht nur von musikalischen Vorstellungen, sondern auch von visuellen Eindrücken, poetischen Ideen und literarischen Assoziationen leiten. Die farbenreiche Musik des französischen Komponisten, die beim Klavier-Festival Ruhr 2011 im Zentrum eines Recitals mit Tamara Stefanovich stand, bildete den Ausgangs- und Bezugspunkt des interdisziplinären Discovery-Projekts „KlangFarben".

Zum Education-Projekt

Im Schuljahr 2010/2011 haben sich Grundschüler, Förderschüler und Gymnasiasten aus Duisburg mit Debussys faszinierender Klangwelt beschäftigt. Im Zentrum des Projekts stand dabei die Begegnung und gleichberechtigte Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. So kamen die Teilnehmer nach einer mehrmonatigen Vorbereitungsphase in schulübergreifenden Musik- und Tanzworkshops zusammen. Unter der Leitung von Yasha Wang und Richard McNicol erarbeiteten sie in einer siebentägigen Kompaktphase eigene Musikstücke sowie Choreographien zu Klavierwerken von Claude Debussy. In der gemeinsamen musisch-kreativen Tätigkeit konnten die Teilnehmer nicht nur ohne Worte ein Verständnis füreinander entwickeln, sondern auch Berührungsängste und Vorurteile abbauen. Zugleich entstanden zwischen den beteiligten Schulen Kontakte und Querverbindungen, die im Schuljahr 2011/2012 im Rahmen des Discovery-Projekts „Interludes – ZwischenSpiele“ weiterentwickelt werden.

Den Abschluss des Discovery-Projekts „KlangFarben“ bildete eine gemeinsame Aufführung mit der Festival-Pianistin Tamara Stefanovich. So präsentierten die Kinder und Jugendlichen die beeindruckenden Resultate ihrer Arbeit am 8. Juli 2011 vor einem begeisterten Publikum im Reibekuchentheater in Duisburg-Rheinhausen.

Idee und Entwicklung

Ein Projekt zum Thema Vielfalt und gleichberechtigte Teilhabe

Das Ruhrgebiet zählt zu den kulturell vielfältigsten Regionen Europas. Menschen aus über 170 Nationen leben hier zusammen. An den Schulen in Duisburg-Marxloh ist diese Vielfalt unmittelbar erlebbar. So haben 60 bis 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die die Grundschule Henriettenstraße, die Gemeinschaftsgrundschule Sandstraße oder das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium besuchen, einen Migrationshintergrund. Vielfalt kennzeichnet auch die Schülerschaft der Buchholzer Waldschule. Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen (davon 30% anerkannt schwerst- oder schwermehrfachbehindert) lernen und arbeiten hier zusammen.

Unterstützt vom Schulamt der Stadt Duisburg hat das Klavier-Festival in den Jahren 2008–2010 mit den genannten Schulen eine langfristige Kooperation aufgebaut. Bei den jährlichen Projektpräsentationen kam es dabei zu ersten Begegnungen zwischen den Schülern und Lehrern der verschiedenen Schultypen, wobei sich insbesondere die Gymnasial- und Grundschullehrer von der musikalischen und tänzerischen Arbeit der Förderschüler beeindruckt zeigten. So entstand die Idee, die unterschiedlichen Schülergruppen in einem Pilotprojekt zum Thema „Inklusion“ zusammenzuführen und dadurch zugleich auch die verschiedenen Schulen zu vernetzen.

Projektentwicklung im Team

Das Projekt wurde von der Education-Abteilung des Klavier-Festivals Ruhr gemeinsam mit der Schulamtsdirektorin Brigitta Kleffken sowie den beteiligten Künstlern, Lehrern und Schulleitern entwickelt. Leitend waren dabei die folgenden Überlegungen: Zum einen sollte ein Format geschaffen werden, das die Begegnung und gleichberechtigte Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ermöglicht. Ziel war es dabei, in der gemeinsamen schöpferischen Tätigkeit Hemmschwellen und Berührungsängste abzubauen und ein Klima der gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung zu schaffen. Zum anderen ging es darum, die unterschiedlichen Lern- und Erfahrungswelten der Schüler miteinander in Kontakt zu bringen und durch die musisch-kreative Arbeit Querverbindungen zwischen den Schulen zu schaffen, die auch über das Projekt hinaus wirksam werden.

Ein Experiment mit offenem Ausgang

Die enge Zusammenarbeit zwischen Förderschülern, Grundschülern und Gymnasiasten war für alle Beteiligten ein Novum. Da es keinerlei Erfahrungswerte gab, wurde zu Beginn des Schuljahrs lediglich die grobe Projektstruktur festgelegt. Die präzise inhaltliche und zeitliche Ausgestaltung der verschiedenen Arbeitsphasen (z.B. die Anzahl der vorbereitenden Workshops in den beteiligten Schulen, der Zeitpunkt und die Form der ersten Begegnung der verschiedenen Schülergruppen etc.) erfolgte erst im Projektverlauf. Voraussetzung für dieses prozessorientierte Vorgehen war die Offenheit und der Enthusiasmus der Projektpartner und die Flexibilität der beteiligten Schulen. So konnte in einer „Laborsituation“ ein erfolgreiches Format der Zusammenarbeit entwickelt werden, das die Projektpartner im Schuljahr 2011/12 im Rahmen des Discovery-Projekts Interludes – ZwischenSpiele in erweiterter Form fortführen.

Herausforderungen

Eine der größten Herausforderungen für die Workshop-Leiter war die Entwicklung von musikalischen Aufgabenstellungen und choreographischen Elementen, bei denen sich die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen trotz ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen gleichberechtigt einbringen und ihre jeweiligen Stärken zeigen konnten. Von großer Bedeutung war in diesem Zusammenhang die relativ lange Vorbereitungsphase, in der die Workshop-Leiter mit jeder der beteiligten Schülergruppen einzeln arbeiteten. In dieser Phase entstand beispielsweise die Idee, die an der Buchholzer Waldschule verwendete Gebärdensprache in die Choreographie aufzunehmen und dieses Element auch mit den Gymnasiastinnen zu erarbeiten.

Das Projekt „KlangFarben“ wurde vom Education-Team des Klavier-Festivals Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Schulamt der Stadt Duisburg und den beteiligten Schulen und Künstlern konzipiert.

Projektleitung, Texte und Dokumentation: Dr. Tobias Bleek
Projektassistenz: Claudia Eckes-Kohlrautz, Anna Kopperschmidt

Ermöglicht durch

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Weitere Informationen zum Projekt KlangFarben

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