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Folk Songs I – Ein interkulturelles Grundschulprojekt

Ausgangspunkte

Ob Béla Bartók oder Ludwig van Beethoven, Igor Strawinsky oder Benjamin Britten – immer wieder beschäftigten sich bedeutende Komponisten mit der Volksmusik unterschiedlicher Kulturkreise und ließen sich durch Hochzeits- und Klagegesänge, Liebes- und Wiegenlieder zu eigenen Werken inspirieren. Auch der italienische Komponist Luciano Berio fühlte sich zeitlebens von der Volksmusik angezogen. In seinem in den 1960er Jahren entstandenen Werk Folk Songs, das unserem Projekt den Namen gegeben hat, stellte er Volksmelodien unterschiedlicher Kulturkreise zusammen und versah sie mit eigenen Begleitungen.

Das Ruhrgebiet zählt heute zu den kulturell vielfältigsten Regionen Europas. Menschen aus über 170 Nationen leben hier zusammen. Wer die Flure der Hövelschule in Essen-Altenessen durchquert oder für einige Minuten auf dem Pausenhof der Grundschule an der Sandstraße in Duisburg-Marxloh verweilt, kann diese Vielfalt unmittelbar erleben. Kinder unterschiedlicher Herkunft, die nicht nur deutsch, sondern häufig auch noch türkisch, arabisch, russisch, bosnisch, bulgarisch, polnisch oder eine andere Sprache sprechen, lernen und spielen hier zusammen. Beide Schulen haben wir bereits 2008 im Rahmen unserer Discovery-Projekte näher kennengelernt. Als wir uns im Spätsommer mit den beteiligten Klassenlehrern Frau Bärens und Herrn Hagge über eine Vertiefung der Zusammenarbeit unterhielten, lag es auf der Hand, dass Thema „Folk Songs“ ins Zentrum eines Folgeprojekts zu stellen.

Zum Education - Projekt

Zwischen November 2008 und Juni 2009 haben sich 27 Erstklässler und 23 Viertklässler musikalisch und tänzerisch mit dem „Volkslied“-Thema beschäftigt. Als Material dienten ihnen dabei nicht nur ausgewählte Melodien aus Berios Folk Songs, sondern auch Lieder aus ihren Herkunftsländern.

In einer ersten Projektphase sammelten die Kinder in ihrem familiären Umfeld Melodien. Dabei lernten sie nicht nur Lieder aus ihrer Herkunftskultur kennen, die in den Familien oft nicht mehr aktiv gesungen werden, sondern erfuhren manchmal auch mehr über die eigene Familiengeschichte und die Erinnerungen, die mit diesen Melodien verbunden sind.

In einer zweiten Projektphase studierten die Grundschüler ausgewählte Lieder in der jeweiligen Originalsprache ein. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von ihren Lehrern, sondern auch von der Sängerin und Gesangspädagogin Katrin Block. In zahlreichen Musikworkshops setzen sich die Kinder mit den gelernten Liedern auf kreative Weise auseinander. Gemeinsam mit ihren Lehrern sowie mit Richard McNicol und Tobias Bleek entwickelten sie eigene instrumentale Begleitungen und Zwischenspiele zu einigen Melodien. Die Schüler der Hövelschule beschäftigten sich mit dem Thema Folk Song auch im Medium des Tanzes. Unter der Leitung der Tänzerin und Choreographin Yasha Wang erarbeiteten die Viertklässler über mehrere Monate Choreographien zu Volksliedbearbeitungen von Luciano Berio und Benjamin Britten.

Am Ende des Projekts standen zwei gemeinsame Aufführungen mit Festival-Künstlern. Am 25. Mai 2009 präsentierten die Grundschüler die Ergebnisse ihrer Arbeit im Vorfeld eines Klavierabends von Gabriela Montero auf der großen Bühne der Philharmonie Essen vor einem begeisterten Publikum. Unterstützt wurden sie dabei von Gabriela Montero und der Sängerin Salome Kammer. Während die Venezuelanische Pianistin Zwischenspiele zu den Liedern gestaltete und über einige der gesammelten Melodien improvisierte, sang Salome Kammer gemeinsam mit den Kinder und führte Berios „Azerbaijan Love Song“ begleitet von Montero zur Choreographie der Viertklässler auf. Im Anschluss an die erste Aufführung besuchte Salome Kammer, die mit ihrem Volksliedabend dieses Projekt angeregt hat, die beiden teilnehmenden Schulen und veranstaltete mit jeder Klasse einen Workshop. Eine zweite Aufführung fand im Zusammenhang mit dem Volksliedabend von Salome Kammer und Rudi Spring am 26. Juni 2009 im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen statt.

Lied-Recherche und Einstudierung

Materialsammlung

Die Grundschule an der Sandstraße in Duisburg-Marxloh und die Hövelschule in Essen-Altenessen sind zwei Grundschulen, die von vielen Kindern aus Einwanderer-Familien besucht werden. Im Zentrum der ersten Phase des Folk Song-Projekts stand die Lied-Recherche in den beiden beteiligten Grundschulklassen. In einer Zeit, in der in vielen Familien nicht mehr aktiv gesungen wird, stellte dieser Sammelprozess für die Grundschüler eine große Herausforderung dar. So berichtet Klaus Hagge, Klassenlehrer an der Grundschule an der Sandstraße: „Die Kinder kommen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und ihre Lieder sind auf der ‚Reise‘ mitgebracht worden – aber oft auch verloren gegangen. Die meisten Eltern der Kinder sind schon hier geboren worden. Sie kennen viele Volkslieder nicht mehr, sondern sind von populärer internationaler Musik geprägt.“ Trotz dieser Schwierigkeiten kamen in beiden Klassen nach und nach immer mehr Lieder zusammen. Sie stammten aus Bosnien, Bulgarien, China, Deutschland, Polen, der Türkei sowie dem arabischen Raum.

Einstudierung

Wie stolz die Kinder auf ihre selbst gesammelten Lieder waren und wie sehr sie sich mit ihnen identifizierten, zeigte sich in der zweiten Projektphase. So wurden ausgewählte Melodien im Musikunterricht von der gesamten Klasse in der jeweiligen Originalsprache einstudierte. Das Kind, das die Melodie mitgebracht hatte, übernahm bei diesem Prozess eine leitende Funktion. Es stellte sein Lied zunächst der Klasse vor und brachte es dann seinen Klassenkameraden – zum Teil zunächst in Kleingruppen – bei. Neben den selbst gesammelten Liedern lernten die Schüler auch zwei Volkslied-Melodien, die Luciano Berio in seinen Folk Songs verwendet hat: den sardischen Klagegesang „Motettu de tristura“ und das aus der Provence stammende Liebeslied „Rossignolet du bois“.

Unterstützt wurden die Kinder bei diesem Prozess von der Sängerin und Stimmbildnerin Katrin Block. Durch zahlreiche Atem- und Gesangsübungen entdeckten die Kinder auf spielerische Weise mit ihrer Stimme „ein Instrument, das ihnen immer zur Verfügung steht“ (Klaus Hagge). Zugleich entwickelten sie ihre Fähigkeit weiter, eine Liedmelodie nicht in unbestimmter Tonhöhe zu „brummen“, sondern tatsächlich zu singen. Vielen Kindern machte diese Arbeit dabei solchen Spaß, dass sie sich nicht nur „im Unterricht, sondern auch außerhalb mit ihren Melodien und Texten auseinandersetzten“ (Mechthild Bärens).

Das Projekt Folk Songs wurde beim Bundeswettbewerb "Kinder zum Olymp! 2010" in der wichtigen Kategorie "Altersübergreifend in der Sparte Musik ausgezeichnet.

Konzeption und Projektleitung: Tobias Bleek und Richard McNicol

Projektassistenz: Claudia Eckes-Kohlrautz, Eva Wiedwald

Ermöglicht durch

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Weitere Informationen zum Projekt Folk Songs I

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