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Folk Songs II – Ein Projekt für Oberstufenschüler und Studierende

„Es ist nicht mein Ziel, die Authentizität eines Volkslieds zu bewahren“, bekannte der italienische Komponist Luciano Berio einmal in einem Interview. „Meine Bearbeitungen sind Analysen von Volksliedern, gleichzeitig übermitteln sie den besonderen Charakter dieser Musik, so wie ich sie empfinde.“ Berios Zyklus Folk Songs, der beim Klavier-Festival Ruhr 2009 in einer Bearbeitung für Singstimme und Klavier von Salome Kammer und Rudi Spring aufgeführt wurde, zeugt von diesem schöpferischen Umgang mit Material aus dem Bereich der Volksmusik. Das elf Lieder umfassende Werk spielte nicht nur eine wichtige Rolle in unserem Grundschulprojekt Folk Songs I, sondern war auch ein fruchtbarer Bezugspunkt für das zweite Folk Song-Projekt des Klavier-Festivals Ruhr im Jahr 2009.

Zum Projektverlauf

Unter der Leitung des aus Zypern stammenden Komponisten Vassos Nicolaou haben sich Oberstufenschüler und Studierende im Frühjahr und Sommer 2009 intensiv mit der Folk Song-Thematik befasst. In Exkursionen, gemeinsamen Workshops und Einzelstunden haben sie sich das komplexe Thema aus unterschiedlichen Perspektiven erschlossen und auf der Basis von gesammelten Liedmelodien eigene Kompositionen entwickelt. In Anknüpfung an das 2007 in Kooperation mit der Folkwang Hochschule durchgeführte Remix-Projekt, ging es dabei erneut darum, Gymnasiasten, Studierende und Künstler in einem Projekt zusammenzubringen und auf diese Weise auch die Kontakte zwischen Schule und Hochschule zu intensivieren.

Im Zentrum der ersten Arbeitsphase stand der Prozess der Materialsammlung. Zu diesem Zweck besuchten die Projektteilnehmer ältere Migrantinnen und Migranten, die sich bereit erklärt hatten, für die Schüler und Studierenden Lieder aus ihren Herkunftskulturen zu singen. Im Zuge dieser Exkursionen wurden unter anderem Lieder aus Griechenland, Korea, Russland, Israel und der jüdischen Tradition gesammelt. Parallel zur Transkription und Analyse ausgewählter Melodien beschäftigten sich die Teilnehmer in Analyseworkshops mit zeitgenössischen Kompositionstechniken. Außerdem stellte Salome Kammer ihnen in einem Workshop „Folk Song-Sänger“ aus unterschiedlichen Kulturen vor und führte sie in verschiedene Gesangsstile und -techniken ein.

In der zweiten Phase des Projekts wurden die Schüler und Studierenden dann selbst schöpferisch tätig. In individuellen Kompositionsstunden sowie gemeinsamen Workshops entwickelte jeder Teilnehmer auf der Basis einer transkribierten Melodie eine eigene Komposition.

Die Uraufführung

Die Uraufführung der Kompositionen für 2-8 Musiker fand am 25. Juni 2009 unmittelbar vor dem Volksliedabend von Salome Kammer und Rudi Spring im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg statt. Im Rahmen einer Präsentation beider Folk Song-Projekte wurden die Stücke am folgenden Tag ein zweites Mal im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen präsentiert. An den Aufführungen beteiligten sich auch einige der „Folk Song“-Sänger, die die Schüler und Studierenden in der ersten Projektphase besucht hatten. So konnte das Publikum in einigen Fällen nicht nur die Kompositionen der Projektteilnehmer hören, sondern auch die Lieder, die sie zu ihren Stücken inspirierten hatten.

Materialsammlung

Folk-Songs - Exkursionen in der Ruhrmetropole

Die kulturelle Vielfalt der Ruhrmetropole und die Frage, welche Lieder ihre Bewohnerinnen und Bewohner singen, war auch der Ausgangspunkt unseres zweiten Folk Song-Projekts. Während die Teilnehmer des Grundschulprojekts in ihren Familien nach Melodien suchten, begaben sich die Gymnasiasten und Studierenden in der ersten Projektphase auf die Spuren Béla Bartóks und Luciano Berios. Ausgestattet mit einem Aufnahmegerät besuchten sie Migrantinnen und Migranten, die seit langer Zeit im Ruhrgebiet leben und sich bereit erklärt hatten, für die Projektteilnehmer Lieder aus ihren Herkunftsländern zu singen: eine koreanische Krankenschwester, einen jüdischen Kantor, eine aus Russland stammende Französisch-Lehrerin sowie eine Griechin. Aufmerksam geworden waren wir auf die vier Sänger über das Projekt Polyphonie – Stimmen der kulturellen Vielfalt, das Migrantinnen und Migranten 50+, die gerne singen, eine Plattform bietet.

Im Zuge ihrer Exkursionen sammelten die Schüler und Studierenden zahlreiche Liedmelodien aus Griechenland, Korea, Russland und dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sowie Israel und der jüdischen Tradition. Zugleich erhielten sie einen faszinierenden Einblick in unterschiedliche Musikkulturen, die im Ruhrgebiet präsent sind, in der Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen werden. Außerdem erfuhren sie im Rahmen der persönlichen Begegnung mehr über die kulturelle Einbettung der Melodien und die biographische Bedeutung, die die Lieder für die Sängerinnen und Sänger haben.

Transkripition und Analyse

Im Anschluss an die Exkursionen wählte jeder Teilnehmer aus dem gesammelten Material eine Melodie als Basis für seine eigene Komposition aus. Diese musste in einem ersten Schritt zunächst transkribiert werden. Insbesondere bei Melodien, die sich zum Teil außerhalb des temperierten Zwölftonsystems bewegen, erwies sich der Computer neben dem Ohr als ein wirksames Hilfsmittel für diese Arbeit. Einige Teilnehmer nahmen zur Vorbereitung ihrer Kompositionen außerdem Klang- und Spektren-Analysen der Liedaufnahmen vor. Dazu wurden sie von Vassos Nicolaou in Computerprogramme zur Klanganalyse und Komposition eingeführt.

In gemeinsamen Analyse-Workshops sammelten die Schüler und Studierenden Anregungen für ihre eigene schöpferische Arbeit. Mit Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (1936), Berios Folk Songs (1964) und einem Ausschnitt aus der Oper Luci mie traditrici („Die tödliche Blume“; 1996-98) von Salvatore Sciarrino präsentierte Vassos Nicolaou ihnen drei Werke des 20. Jahrhunderts, die auf ebenso unterschiedliche wie originelle Weise auf Volksmusik Bezug nehmen. Ziel war es dabei, verschiedene Kompositionstechniken kennenzulernen und ihre Verwendung zu untersuchen. So erklärt Vassos Nicolaou: „Ein Werk wie Berios Folk Songs ist ein exzellentes Beispiel, um Instrumentationsstudien zu betreiben und zugleich zu lernen, wie man eine Form durch die Kombination heterogener Elemente erzeugen kann. Der Phantasiereichtum der Komposition, ihre Eleganz sowie die kleine Ensemble-Besetzung der Originalfassung konnten den Teilnehmer als Inspirationsquelle dienen.“

Das Projekt Folk Songs wurde beim Bundeswettbewerb "Kinder zum Olymp! 2010" in der wichtigen Kategorie "Altersübergreifend" in der Sparte Musik ausgezeichnet.

Das Projekt Folk Songs II wurde in Kooperation mit der Folkwang Hochschule (Prof. Bernhard Eichner), dem Gymnasium Essen-Werden sowie Schülern anderer Schulen aus dem Ruhrgebiet durchgeführt.

Workshop-Leitung: Vasssos Nicolaou (Komposition), Salome Kammer (Gesang)

Konzeption und Projektleitung: Tobias Bleek in Zusammenarbeit mit Vassos Nicolaou

Ermöglicht durch

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Weitere Informationen zum Projekt Folk Songs II

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