Education Entdecken & Vermitteln Interaktive Vermittlungsmaterialien Bärenreiter Piano Album Marco Stroppa: Le marteau fantôme

Werktext zu Le marteau fantôme

Marco Stroppa hat sein Werk mit dem programmatischen Titel Le marteau fantôme („Der Geisterhammer“) überschrieben. Sowohl das zweihändige als auch das vierhändige Stück behandeln das Klavier als Resonanzinstrument. Erforscht wird dabei die reiche Welt der Nachklänge, die ein körperloser „Geisterhammer“ auf wundersame Weise zum Klingen zu bringen scheint. Ihre akustische Existenz verdanken diese Resonanzen den vom Spieler auf der Tastatur angeschlagenen Tönen. So durchzieht beide Stücke ein faszinierendes Wechselspiel von direkten und indirekten Klängen, klaren und verschleierten Akkorden, klanglicher Nähe und Ferne.

Nach der Uraufführung im Juli 2010 hatte der Komponist sein Werk für die Publikation revidiert. Auf dieser Internet-Seite sowie auf der CD-Einspielung des Klavier-Festivals Ruhr ist die Uraufführungsfassung dokumentiert.

Obwohl Le marteau fantôme das erste nicht so schwere Klavierwerk von Marco Stroppa ist, gehört es zu den komplexesten Stücken der Sammmlung. Jeweils in der ersten Hälfte wird mittels eines stumm im Sostenuto-Pedal (mittleres Pedal) gehaltenen Akkordes ein geheimnisvoller Resonanzraum geschaffen. Zugleich wird das Spiel mit direkt und indirekt erzeugten Klängen durch eine subtile Verwendung des Tonhaltepedals weiter differenziert. Dabei hat Stroppa nicht nur präzise vermerkt, wo das Pedal zum Einsatz kommt, sondern auch angegeben, wie stark es jeweils gesenkt werden soll (1/2, 2/3, 3/4 etc.) und auf welche Weise es zu heben ist (langsam über einen definierten Zeitraum oder rasch und abrupt). Außerdem werden einzelne Klangereignisse durch eine spezifische Form des Pedalvibratos zum Schwingen gebracht. Da jedes Pedal anders reagiert, ist die wichtigste Instanz zur adäquaten Umsetzung all dieser Angaben das Ohr. Während sich bei dem einem Instrument der Effekt des „halben Pedals“ vielleicht tatsächlich bei halber Senkungsstrecke einstellt, muss bei einem anderen das Pedal tiefer heruntergetreten werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Weitere Spieltechniken, die dem Interpreten in Le marteau fantôme begegnen, sind das Ausfiltern von Tönen durch das gezielte Aufheben angeschlagener Tasten, das Spiel mit halb niedergedrückten Tasten sowie Tonrepetitionen, Cluster und Glissandi. Im Klavier-Festival Ruhr Bärenreiter Piano Album werden alle diese Techniken von Marco Stroppa in einem Anhang zum Notentext minutiös beschrieben.

Biographie - Marco Stroppa

Marco Stroppa wurde 1959 in Verona geboren. Er studierte Klavier, Chorleitung, Komposition und elektronische Musik in Verona, Mailand und Venedig. Von 1984 bis 1986 beschäftigte er sich am Massachusetts Institute of Technology in den USA mit Kognitiver Psychologie, Informatik und Künstlicher Intelligenz. Zwischen 1980 und 1984 arbeitete er mit dem Computerklangforschungszentrum der Universität Padua zusammen, wo er Traiettoria komponierte. Auf Einladung von Pierre Boulez zog er 1982 nach Paris, um am IRCAM zu arbeiten, wo er auch seit 1984 unterrichtet. Von 1987 bis 1990 war er am gleichen Institut Direktor der Abteilung für musikalische Forschung. 1996 erhielt er den Kompositionspreis der Osterfestspiele in Salzburg. Im Sommer des gleichen Jahres war er unter den Komponisten der Next Generation bei den Salzburger Festspielen. 1987 gründete er den Kompositions- und Computermusikkurs beim Internationalen Bartók Festival in Szombathely (Ungarn), außerdem lehrte er am Conservatoire National Supérieur von Lyon und Paris. Seit 1999 ist Marco Stroppa Professor für Komposition und Computermusik an der Stuttgarter Musikhochschule.

Seine wichtigste Werke sind: Traiettoria (1982-84) für Klavier und Elektronik, Spirali (1988-89) für Streichquartett mit Raumprojektion, élet...fogytiglan (1989-98), für Ensemble, zwei Radioopern, Zwielicht (1994), für Kontrabass, 2 Schlagzeuger und Elektronik, die Miniatur Estrose1. Buch (1991-95) für Klavier, ein Zyklus von Werken für Soloinstrument und "Kammerelektronik", Ritratti senza volto (2004-10) für Orchester, und die Reihe von Konzerten Upon a Blade of Grass (1995-96) für Klavier und großes Orchester, From Needle's Eye (1996-99) für Posaune, 2 Quintette und Schlagzeug und Let Me Sing into your Ear (2010) für Bassethorn und Kammerorchester. Er arbeitet momentan an seine ersten Oper, Re Orso (UA, Mai 2012, Opéra Comique, Paris).

Marco Stroppas Werke erscheinen bei Casa Ricordi.

Weitere Informationen zum Bärenreiter Piano Album

Marco Stroppa: Le marteau fantôme

Der italienische Komponist Marco Stroppa hat sein Werk mit dem programmatischen Titel Le marteau fantôme („Der Geisterhammer“) überschrieben. Sowohl das zweihändige als auch das vierhändige Stück erforschen die faszinierende Welt der Resonanzen, die ein körperloser „Geisterhammer“ auf wundersame Weise zum Klingen zu bringen scheint...

Newsletter Anmeldung

Neuigkeiten zum Programm, zu einzelnen Konzerten, zu Festival-CDs oder allgemeine Infos vom Klavier-Festival Ruhr erhalten Sie schnell und direkt mit unserem Newsletter.

Abonnieren Sie den Newsletter

Social Media

Verfolgen Sie die Aktivitäten, Tipps und Neuigkeiten rund um das Festival und seine Künstler auch im Social Network.
Wir freuen uns auf Sie!

Facebook Twitter YouTube

Das Programm zum Blättern

Damit Sie auch in diesem Jahr unser Gesamtprogramm online bequem durchblättern können, klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link.

Gesamtprogramm

© 2018 Stiftung Klavier-Festival Ruhr  |  Alfred Herrhausen Haus  |  Brunnenstraße 8  |  45128 Essen

© 2018 Stiftung Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen

Kontakt

oneSheet Kontakt
Kontaktformular

Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen
Tel. +49 (0)201-89 66 80

Sie können uns Ihre Anfrage gerne per Kontaktformular senden.
Datenschutzerklärung   *
zukünftige Werbung:   
Ich bin damit einverstanden, dass das Klavier-Festival Ruhr Sponsoring und Service GmbH, Brunnenstraße 8, 45128 Essen, meine Daten auch verwendet, um mich künftig per E-Mail über Veranstaltungen des Klavier-Festivals Ruhr zu informieren. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z. B. per Brief an die o.g. Anschrift oder per E-Mail an info@klavierfestival.de oder telefonisch unter T. 0201/896680, ohne dass mir hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.

Für eine Programmbestellung benötigen wir - neben den Pflichtfeldern (*) - auch Ihren Wohnort mit Straße, Ort und Länderangabe.