Education Projekte KlavierModern Notations - Das Projekt Modul 2

Modul 2 - Interpretatorische und kompositorische Annäherungen

Interpretatorische Arbeit

Im zweiten Modul des Notations-Projekts beschäftigten sich fünf Studentinnen des Pre-Colleges der Hochschule für Musik und Tanz Köln mit Boulez' Klaviersammlung. Unter der Leitung von Tamara Stefanovich studierten die jungen Pianistinnen im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren das Werk in mehrmonatiger Workshop-Arbeit ein. Warum sich die 12 Notations für ein Projekt mit jungen Musikern in besonderer Weise eignen, erklärt die angesehene Interpretin zeitgenössischer Musik folgendermaßen:

„Ein Werk, das so viele innovative und phantasievolle Spiel- und Kompositionsregeln erkundet und das Klavier als Instrument regelrecht zelebriert, sollte jeden Pianisten reizen. Die Klaviersammlung ist wie eine Schatztruhe, die dem jungen Spieler in zwölf Fächern eine unbekannte Welt voller unterschiedlicher Charaktere, Rhythmen und Klangfarben eröffnet. Und wie immer, wenn es neue Regeln gibt, dauert es eine Weile, bis man diese verstanden und in sein Spiel integriert hat. Trotzdem sind Boulez' komprimierte Stücke weniger kompliziert als eine vierstimmige Fuge, kürzer als eine Sonate und technisch weniger anspruchsvoll als eine Konzertetüde. Es ist insofern kaum verständlich, warum ein so reizvolles und ideenreiches Werk im Klavierunterricht nur selten verwendet wird.“

In der Workshop-Arbeit erschlossen sich die jungen Pianistinnen neben Boulez' 12 Notations auch eine Komposition der musikalischen Gegenwart. Gemeinsam mit Tamara Stefanovich haben sie York Höllers vierhändigen Klavierzyklus Doppelspiel einstudiert, der aus dem Kulturhauptstadtprojekt Piano Book des Klavier-Festivals Ruhr hervorgegangen ist.

Kompositions-Workshops

Im Rahmen seiner Aktivitäten zur Vermittlung zeitgenössischer Musik möchte das Klavier-Festival Ruhr junge Pianisten nicht nur an Klavierwerke des 20. und 21. Jahrhunderts heranführen, sondern zugleich zu einer schöpferischen Auseinandersetzung mit Musik ermutigen. So haben sich die jungen Pianistinnen parallel zum Einstudierungsprozess auch auf kreative Weise mit Boulez' Klaviersammlung beschäftigt. Unter der Leitung des zypriotischen Komponisten Vassos Nicolaou komponierten sie ein eigenes Klavierstück und entwickelten dabei ein praktisches Verständnis für kompositorische Prozesse und Entscheidungen. „Zunächst habe ich den jungen Musikerinnen anhand von Klavierwerken von Bach, Chopin, Ravel, Schönberg, Berg und Boulez gezeigt, dass jeder Komponist für seine Musik ein spezifisches Material verwendet“, berichtet Nicolaou. „Anschließend hat jede Teilnehmerin eine Idee für ein eigenes Klavierstück entwickelt. Als Ausgangspunkt und Materialbasis für die Kompositionen diente dabei jene Zwölftonreihe, auf der die 12 Notations basieren. Jede junge Musikerin hat Boulez' Reihe auf sehr originelle Weise verwendet. So sind fünf Stücke von sehr unterschiedlichem Charakter und Stil entstanden.“

Video: Notations - Modul 2 | © 2012

Für alle Teilnehmerinnen war die Entwicklung eines eigenen Klavierstücks ein spannender Schritt ins Neuland, denn keine von ihnen verfügte über größere kompositorische Vorerfahrungen.

Abschlusskonzert

Ein moderiertes Konzert beim Klavier-Festival Ruhr, das die Teilnehmerinnen gemeinsam mit Tamara Stefanovich am 1. Juni 2012 in Haus Fuhr in Essen-Werden gestalteten, bildete den glanzvollen Abschluss der Projektarbeit. Im ersten Teil des Abends brachten die jungen Pianistinnen Boulez' 12 Notations in unterschiedlichen Konstellationen zu Gehör. Außerdem stellten sie ihre eigenen Kompositionen vor und spielten an der Seite ihrer Workshop-Leiterin die Uraufführung von York Höllers neuen vierhändigen Klavierstücken.
In der zweiten Konzerthälfte präsentierte Tamara Stefanovich die Klaviersammlungen von Boulez und Höller dann als zusammenhängendes Ganzes. Bei der zyklischen Aufführung von Höllers Doppelspiel wurde sie von Fabian Müller und Lorenzo Soulès unterstützt – zwei Studenten aus der Klasse von Pierre-Laurent Aimard, die auch schon an der Uraufführung des Piano Books im Jahr 2010 beteiligt gewesen waren.

Eine Aufnahme von York Höllers Doppelspiel mit Tamara Stefanovich, Fabian Müller und Lorenzo Soulès ist in Volume 29 der Edition Klavier-Festival Ruhr erschienen.

Teilnehmer und Projektteam - Modul 2

Teilnehmer

Studentinnen am Pre-College der Hochschule für Musik und Tanz Köln:
Linda Guo, Nina Gurol, Lea Heimsoeth, Dahye Joeng, Henriette Löschner

Studenten der Hochschule für Musik und Tanz Köln:
Fabian Müller, Lorenzo Soulès

Projektteam

Tamara Stefanovich (Einstudierung)
Vassos Nicolaou (Leitung Kompositions-Workshop)

Projektleitung

Dr. Tobias Bleek (Texte und Online-Dokumentation)

Projekt-Assistenz

Christine Lauter, Ulrike Pulkenat, Felix Stachelhaus (Assistenz)
Eva Weskamp (Dokumentation)

Weiter Informationen zum Projekt Notations

Modul 2

Im zweiten Modul beschäftigten sich fünf Studentinnen des Pre-Colleges der Hochschule für Musik und Tanz Köln mit Boulez' Klaviersammlung. Unter der Leitung von Tamara Stefanovich studierten die jungen Pianistinnen im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren das Werk ein.

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