Education Projekte KlavierModern Notations - Das Projekt Zu Boulez' Werk Notations

Komponieren in einem begrenzten Spielfeld

Zu Pierre Boulez‘ 12 Notations

Im Herbst 1943 brach der 18-jährige Pierre Boulez nach Paris auf, um sich nach Abbruch seines Mathematikstudiums in Lyon fortan ganz der Musik zu widmen. Zu den prägenden Ereignissen seiner zweijährigen Studienzeit am Pariser Konservatorium gehörten neben der Begegnung mit Olivier Messiaen die Entdeckung der Musik der „Zweiten Wiener Schule“ (Schönberg, Berg und insbesondere Webern) sowie die intensive Beschäftigung mit Zwölftontechnik. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen komponierte der 20-Jährige im Winter 1945 Douze Notations pour piano.

Boulez' Klaviersammlung ist eine Hommage an die Zahl 12. So besteht das Werk aus zwölf kurzen Stücken, die jeweils zwölf Takte umfassen. Jede dieser Miniaturen hat einen ausgeprägten eigenen Charakter, wobei nicht nur zwischen den einzelnen Notations, sondern manchmal auch innerhalb ein und desselben Stücks scharfe Kontraste bestehen. Das verbindende Element ist eine Zwölftonreihe, die in den verschiedenen Miniaturen auf unterschiedliche Weise verwendet wird und Zusammenhänge auf der Ebene des Tonmaterials stiftet. Die Klaviersammlung ist allerdings keine streng zwölftönige Komposition, sondern die Verwendung der Reihe ist äußerst frei. So kommt es zu Tonwiederholungen, Clustern und Glissandi, Formen der Ostinato-Bildung oder der Aufspaltung der Reihe in einzelne Segmente.

Imaginäres Opus 1

Obwohl die Klaviersammlung zunächst in der Schublade verschwand und erst dreißig Jahre nach ihrer Entstehung publiziert wurde, lässt sie sich als eine Art imaginäres Opus 1 des französischen Komponisten deuten. So hat der Musikwissenschaftler Theo Hirsbrunner einmal etwas überspitzt formuliert, das Werk enthalte "in nuce schon den ganzen Boulez". Dass der Komponist selbst sich bis heute für die in den Klavierstücken skizzenhaft exponierten Ideen und Materialien interessiert, zeigt sein Werkkatalog. So hat Boulez in den späten 1970er Jahren damit begonnen, aus den Notations für Klavier gleichnamige Orchesterstücke zu entwickeln:

„Zuerst dachte in an eine reine Orchestrierung, habe aber dann gemerkt, dass das nicht genug ist. Denn für einen großen Orchesterapparat waren diese Stücke viel zu kurz. Es gibt ja mehr oder weniger ein Verhältnis zwischen der Länge eines Stücks und der Größe des Apparats. Also musste ich diese Ideen bearbeiten, als rohes Material. Ich habe gedacht: »Gut. Ich habe diese Ideen, die sehr kurz sind. Ich muss sie ausdehnen und sehen, wie sie sich weiterentwickeln.« Das war eine sehr interessante Arbeit. Denn einerseits gab es da eine große Distanz zu den Ideen, die weit zurücklagen, gleichzeitig aber waren diese Ideen für mich voller Möglichkeiten, die ich 1945 überhaupt nicht gesehen habe. Es sind Jugendstücke, gesehen durch den Spiegel von heute."

Während Notations I–IV sowie VII bereits als Orchesterstücke vorliegen, arbeitet der mittlerweile 87-jährige Komponist zurzeit an einer Orchesterversion vonNotation VIII .

Tobias Bleek

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Boulez' Klaviersammlung ist eine Hommage an die Zahl 12. So besteht das Werk aus zwölf kurzen Stücken, die jeweils zwölf Takte umfassen. Jede dieser Miniaturen hat einen ausgeprägten eigenen Charakter.

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