Diana Krall
Klavier
Diana Krall ist eine Ausnahmeerscheinung: Keine andere Jazzsängerin hat es geschafft, gleich acht Alben auf Platz 1 der Billboard-Jazzcharts zu platzieren. Zwei Grammys, zehn Juno Awards sowie zahlreiche Gold- und Platinauszeichnungen belegen ihren Erfolg eindrucksvoll. Doch Zahlen allein werden der Künstlerin nicht gerecht. Diana Krall überschreitet mühelos stilistische Grenzen und zählt heute zu den markantesten Stimmen der Musikwelt. Die New York Times brachte es einmal so auf den Punkt: Sie besitzt eine Stimme, die zugleich kühl und sinnlich ist – und von bestechender rhythmischer Finesse geprägt.
Geboren wurde sie in Nanaimo, einer Stadt in der kanadischen Provinz British Columbia, unweit von Vancouver. Dort wuchs sie auf und entdeckte früh ihre Liebe zum Klavier: Schon mit vier Jahren begann sie zu spielen. Mit 15 Jahren stand sie bereits regelmäßig als Jazzmusikerin auf der Bühne. Ihr Vater, selbst Stride-Pianist und leidenschaftlicher Sammler, prägte sie nachhaltig. In seinem Plattenschrank fanden sich die Größen der 1920er- und 1930er-Jahre – Fats Waller, James P. Johnson, Earl Hines. „Ich glaube, mein Vater hatte jede Aufnahme von Fats Waller“, erinnert sich Krall. „Und ich habe versucht, so viele wie möglich nachzuspielen.“
Noch als Teenager erhielt sie ein Stipendium am renommierten Berklee College of Music in Boston. Nach zwei Jahren zog es sie weiter nach Los Angeles – dorthin, wo sich die Jazzwelt bündelt. Hier traf sie auf Musiker, die ihren Weg entscheidend mitprägten: den Bassisten John Clayton, Schlagzeuger Jeff Hamilton, den Pianisten und Sänger Jimmy Rowles und vor allem Ray Brown, der ihr als Mentor zur Seite stand. 1993 erschien schließlich ihr Debütalbum Stepping Out. Ein Jahr später folgte mit Only Trust Your Heart der nächste Schritt – eine Aufnahme, die zugleich den Beginn ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Produzent Tommy LiPuma markierte. Diese Partnerschaft sollte bis zu dessen Tod im Jahr 2017 dauern.
Die folgenden Jahre brachten stetig wachsenden Erfolg, doch den entscheidenden Durchbruch erlebte Krall 1999 mit When I Look in Your Eyes. Erstmals bei Verve erschienen, hielt sich das Album 52 Wochen lang an der Spitze der Jazzcharts – ein Rekord – und wurde mit zwei Grammys ausgezeichnet. Auch ihr nächstes Werk, The Look of Love, bestätigte ihren internationalen Rang und schaffte es bis in die Top Ten der US-Albumcharts.
Seither hat Diana Krall ein beeindruckendes Œuvre geschaffen, das gleichermaßen Publikum und Kritik begeistert. Alben wie Turn Up The Quiet, ausgezeichnet mit zwei Juno Awards, zeigen ihre anhaltende künstlerische Reife. Besonders eindrucksvoll ist auch ihre Zusammenarbeit mit Tony Bennett auf Love Is Here To Stay. Begleitet vom Bill Charlap Trio widmet sich das Album den Songs der Gershwins – mit Eleganz, Feingefühl und großer stilistischer Sicherheit. Die Duette und Solostücke wirken dabei scheinbar mühelos, doch gerade darin zeigt sich die Meisterschaft beider Sänger. Klassiker wie „S’Wonderful“, „They Can’t Take That Away from Me“ oder „Fascinating Rhythm“ erhalten so neuen Glanz.
Mit ihrem Album This Dream Of You blickt Diana Krall schließlich zurück – und zugleich nach vorn. Die Aufnahmen entstanden in den letzten gemeinsamen Studiositzungen mit Tommy LiPuma. Kurz vor seinem Tod hatte er den Wunsch geäußert, dieses Material zu vollenden und zu veröffentlichen. Gemeinsam mit Toningenieur Al Schmitt brachte Krall das Projekt 2020 zu Ende – als Hommage an einen engen musikalischen Weggefährten. Ein besonderes Highlight ist „Autumn in New York“, das als stimmungsvolle filmische Interpretation umgesetzt wurde.
Neben ihren eigenen Alben hat Diana Krall auch an Filmsoundtracks mitgewirkt und ihre künstlerische Bandbreite kontinuierlich erweitert – als Songwriterin, Produzentin und Arrangeurin. Sie arbeitete mit Größen wie Paul McCartney, Barbra Streisand und Tony Bennett zusammen. Auf den Bühnen der Welt ist sie bis heute präsent: bei internationalen Jazzfestivals ebenso wie in den großen Konzertsälen – stets vor ausverkauftem Publikum.