Vicky Chow
mit Tristan Perich
Bringt unser „Klimperclown“ jetzt den Enkeln Tischsitten bei? Zuzutrauen wär’s ihm. Liegt doch das Wohl und Wehe von Kindern dem Musik-Comedian und Meister des Stand-up-Klamauks, der unlängst 70 wurde, von jeher am Herzen. Zu Beginn seiner Karriere etwa machte Helge Schneider sich Kids gegenüber durch geradezu väterliche Fürsorge verdient: „1994 hatte ich diesen Fernsehauftritt bei Wetten, dass …?“, und auf einmal war ich berühmt. Take That wohnten im selben Hotel. Da waren 15-jährige Mädchen vor dem Hotel, die waren aus Freiburg nach Hof getrampt mit ihren Schlafsäcken, immerhin 500 Kilometer! Die wussten nicht, wo sie schlafen sollten, und legten sich im Hotelflur hin. Da hab ich denen gesagt: ,Hier, nehmt mein Zimmer, aber ihr müsst euren Eltern Bescheid sagen!’ Und ich bin nach Hause gefahren.“
In dem parodistisch-autobiografischen Streifen „The Klimperclown“, den er mit seinem Gitarristen Sandro Giampietro drehte, blickt Schneider zum 70. auf seine Klimperclown-Werdung zurück. An die erinnert sich auch so mancher Musikfreund aus dem Ruhrgebiet in den Achtzigern. Welcher jazzversessene Kneipengänger im Revier wäre nicht schon mal dabei gewesen, wenn Helge auf zahllosen Sessions im Essener Alexander oder Bahnhof Süd jammte, im KuFo mit seinem Trio Standards spielte. Nicht als „Johnny Flash“ oder „singende Herrentorte“, wie er sich nannte, nicht als Komiker mit Witz zum Aua-Schreien, sondern als lupenreiner Jazzer. Wobei er mal auf dem Klavier-, mal auf dem Drum-Schemel Platz nahm, mal an Saxofon oder Trompete, dann wieder am Kontrabass zu erleben war.
Das breitgefächerte Instrumentarium, das er zumindest elementar beherrscht, hat er mit der Zeit enorm erweitert, immer nach dem jazzgerechten Prinzip der Improvisation, von dem bekanntlich auch seine Stand-up-Comedy lebt. „Ich improvisiere. Ich arbeite im Sinne der Improvisation und des Jazz. Für mich bedeutet Jazz Bewegung, und auch meine Komik ist für mich Jazz. Ich spiele einfach drauflos, bringe meine Erfahrung ein und habe immer Lust, neue Sachen zu lernen. Das ist die Hauptsache: dass man nie stillsteht, nie zurückblickt und sagt: ,Jetzt ist gut’. Es muss immer weitergehen.“
Und weiter geht’s. Mit seinen 70 Jahren ist Schneider anscheinend kaum gealtert, im Gegenteil. Mit dem Spieltrieb, den er sich erhalten hat, mit seinem Sinn für Blödsinn, Schabernack und aberwitzige Geschichten scheint er auf immer Kind bleiben zu wollen. In seinen Programmen wechseln sich swingender Jazz und romantische, schlagerparodistische Lieder ab mit hanebüchenem Nonsens. „Ich rede immer noch gerne Quatsch und mache Unsinn. Ich würde nicht sagen, dass wir wirklich ernsthaft Musik machen. Es ist sehr viel Spaß dabei.“ Und dass der Spaß bleibt, liegt wiederum an Helges Talent zur Improvisation. „Sobald man improvisiert, denken die Leute, jeder könnte das. Improvisation ist ein Talent, das schon immer unterschätzt wurde.“
Rahmenprogramm:
Um 16:30 Uhr öffnet ein Werkstattgespräch den Blick hinter die Kulissen: Sophie Emilie Beha spricht mit Helge Schneider über seine „künstlerischen Werkstätten“ – über den Menschen hinter der Bühnenpersönlichkeit und die Ideen, die seine Programme formen.
Hinweis: Aufgrund der erwarteten hohen Nachfrage findet das Gespräch kurzfristig nicht im Möbelloft, sondern im Salzlager statt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Und weil Genuss alle Sinne umfasst, sorgen die Gastronomie von Classico Service und die Brauerei Stauder für frisch zubereitetes Essen und köstliche Getränke: Ab 15:30 Uhr haben Sie die Möglichkeit, das Genusserlebnis mit köstlichen Gourmet-Tellern (beinhaltet Antipasti-Spieß, Kartoffel-Panko-Balls, Scones und Wrap-Roll), einer fruchtig-feurigen Currywurst oder hausgemachten Frikadellen abzurunden. Sitzplätze sind in ausreichender Zahl vorhanden.
Hbf Essen oder aus Richtung Gelsenkirchen > SB 107 (Kulturlinie) > Haltestelle Zollverein-Süd > ca. 15 Min. Fußweg über Fritz-Schupp-Allee bis Arendahls Wiese > von dort der Beschilderung folgen. Zur „ExtraSchicht – Die Nacht der Industriekultur“ verkehren Sonderbusse.
Kostenlos vor Areal C (Kokerei Zollverein) auf Parkplatz C, von dort ca. 600 m zu Fuß.
Alternativ: Parkdeck Zollverein auf der Kokerei, Im Welterbe 11 (von dort ca. 150 m). Das Parkdeck ist kostenpflichtig (1,80 €/Stunde, Tagesticket 7,50 €). Es ist keine Barzahlung möglich, aktuell kann nur mit EC-Karte gezahlt werden. Hier befinden sich vier Ladeplätze (22 kW Schnell-Lader) für E-Autos.
Bitte nutzen Sie ausschließlich ausgewiesene Parkplätze. Das „Wildparken“ ist auf dem Welterbe-Gelände verboten.
Die Spielstätte ist barrierefrei. Für unsere Konzertgäste mit einer Gehbehinderung ist die Vorfahrt zum Salzlager über Tor 3, Heinrich-Imig-Str. 11 möglich. Zum Parken wenden Sie sich bitte an unsere Mitarbeiter vor Ort.