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George Benjamin: Two or Four

Über Two or Four

Der britische Komponist George Benjamin hat bereits mehrere Werke für junge Pianisten geschrieben. So entstand im Jahr 2004 der Pierre-Laurent Aimard gewidmete Zyklus Piano Figures, eine Sammlung von zehn konzentrierten Klavierstücken, denen jeweils eine spezifische kompositorische Aufgabenstellung zugrunde liegt. In den beiden Klavierminiaturen Two or Four wird dieser Faden aufgenommen. Die beiden Stücke können zwar einzeln gespielt werden, gehören – wie bereits das Notenbild zeigt – eigentlich aber zusammen. Erklingen sie direkt hintereinander, so wird deutlich, dass es sich hier um dieselbe Musik in zwei verschiedenen Erscheinungsformen handelt: einen zweihändigen ersten Teil und eine vierhändige variierte Wiederholung, in der die Akkorde verdichtet werden und sich der Klangraum weitet. 
Aufgrund ihrer äußerst konzentrierten musikalischen Sprache, in der jeder Ton eine andere Gewichtung und Färbung verlangt, eignen sich Benjamins Miniaturen in idealer Weise zur Schulung der Anschlagskultur, Phrasierung und Klangsensibilität. Die obere Partie der vierhändigen Miniatur hat der Komponist dabei so gestaltet, dass sie auch von einer Kinderhand gespielt werden kann.

Pierre-Laurent Aimard über George Benjamins Two or Four

Uraufführung Two or Four

Pierre-Laurent Aimard und Mire Neumann bei der Uraufführung von George Benjamins Stück Two or Four am 12. Juli 2010

Das Klavier-Festival Ruhr hat seine Reihe zur Vermittlung zeitgenössischer Klaviermusik im Jahr 2007 mit einem Projekt zu Benjamins Piano Figures begonnen. Mehr über dieses Werk und das in Zusammenarbeit mit Pierre-Laurent Aimard durchgeführte Projekt "Piano Figures" erfahren Sie hier.

Biographie - George Benjamin

George Benjamin wurde 1960 geboren und begann bereits im Alter von sieben Jahren mit dem Klavierspiel und dem Komponieren erster kleinerer Stücke. Ab 1976 studierte er am Paris Conservatoire Komposition bei Olivier Messian und Klavier bei Yvonne Loriod. Anschließend setzte er sein Studium am King’s College Cambridge bei Alexander Goehr fort.

Sein erstes Orchesterwerk Ringed by the Flat Horizon wurde im Rahmen der BBC Proms aufgeführt, als Benjamin gerade 20 Jahre alt war und in den kommenden Jahren mehrfach von großen internationalen Orchestern gespielt. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des IRCAM 1987 wurde Benjamin mit der Komposition von Antara beauftragt, 1995 dirigierte er im Rahmen der 75. Salzburger Festspiele seine Komposition Three Inventions for Chamber Orchestra.

2002 ehrte ihn das Barbican Center mit einer Retrospektive, in deren Rahmen Benjamins Palimpsests vom London Symphony Orchestra unter der Leitung von Pierre Boulez und Shadowlines von Pierre-Laurent Aimard uraufgeführt wurden. In den letzten Jahren stellten zahlreiche weitere Retrospektiven Benjamins Werk in den Mittelpunkt, unter anderem 2003 in Brüssel (Ars Musica) und Tokyo (Tokyo Opera City), 2004/05 in Berlin (DSO), 2005 in Straßburg (Musica Festival) und Madrid (Orquesta Nacional de España) und 2008 in Luzern.

2006 wurde im Rahmen des Festival d’Automne in Paris sein erstes Opernwerk Into the Little Hill, eine Zusammenarbeit mit dem englischen Dramatiker Martin Crimp, uraufgeführt. Das Werk war ein großer Erfolg, wurde in Amerika und Europa mehrfach aufgeführt, u.a. am Royal Opera House in London, und erhielt 2008 den Royal Philharmonic Society’s Award. Aktuell arbeitet Benjamin erneut mit Martin Crimp an einer weiteren Oper, die im Juli 2012 beim Festival Aix en Provence uraufgeführt werden wird.

George Benjamin dirigiert regelmäßig die großen Orchester, darunter das London Sinfonietta, Ensemble Modern, Ensemble Intercontemporain, London Symphony Orchestra, Philharmonia, das Concertgebouw Orkest und die Berliner Philharmoniker. Er hat zahlreiche Welturaufführungen dirigiert, u.a. von Wolfgang Rihm, Unsuk Chin und György Ligeti. 2010 war er Composer in Residence beim Ojaj Festival und Aldeburgh Festival.

Benjamin ist Mitbegründer des Southbank Meltdown Festival und war Künstlerischer Berater der BBC Retrospektive über Musik des 20. Jahrhunderts, Sounding the Century. Er ist Mitglied des Ordre des Arts et Lettres und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie Ehrendoktor an der Guildhall School, der Royal Academy und des Royal College of Music. Das Deutsche Sinfonie-Orchester zeichnete Benjamin mit dem erstmals vergebenen Schönberg Kompositionspreis aus. Benjamin lebt in London und hat seit 2001 die Henry Purcell Professur für Komposition am King’s College in London inne. 

George Benjamins Werke erscheinen bei FaberMusic, Aufnahmen seiner Kompositionen sind erhältlich über Nimbus Records.

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