Das kulturelle Leitprojekt des Initiativkreis Ruhr.
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Das Festival Über uns Die Idee des Festivals Die Idee - ausführliche Darstellung

Das Ruhrgebiet beflügeln – Zur Idee des Klavier-Festivals Ruhr (Langtext)

Als Alfred Herrhausen, Rudolf von Bennigsen-Foerder und "Ruhrbischof" Franz Kardinal Hengsbach im Juli 1988 den Initiativkreis Ruhr ins Leben riefen, geschah dies, um einer vom wirtschaftlichen Strukturwandel gezeichneten Region zukunftsorientierte Impulse der Erneuerung zu geben, durch Initiativen, die nicht zuletzt zu einem neuen Bewusstsein und damit auch zu neuen kulturellen Identifikationsmöglichkeiten für die Menschen im Revier führen sollten. Da traf es sich gut, dass der ursprünglich von dem Klavierfabrikanten Jan Thürmer im Sommer 1984 gegründete Bochumer Klaviersommer die tatkräftige Unterstützung durch den Initiativkreis gut gebrauchen konnte. Denn das sich bald schon zum Klavier-Festival Ruhr wandelnde Unternehmen war gerade dabei, erste überregionale Beachtung zu erfahren. Als ich im Herbst 1995 auf Anregung von Dr. Hans-Peter Keitel von den damaligen Moderatoren Friedhelm Gieske, Hilmar Kopper und deren Nachfolger Dr. h.c. Ulrich Hartmann eingeladen wurde, die Künstlerische Leitung dieses Festivals zu übernehmen, bot sich mir die Chance, über neue und vor allem konsequent angelegte Initiativen originäre künstlerische Programmlinien zu erarbeiten, mit denen sich diese damals bereits begeistert aufgenommene Idee eines Klavier-Festivals immer wieder selbst erneuern kann. Die damit verbundene Programmphilosophie des inzwischen weltweit größten Klavierereignisses zielt mit seinen, sich zum Teil über mehrere Jahre hin aufbauenden Programmlinien inzwischen längst darauf, den gesamten Kosmos der Klaviermusik möglichst in seinem vollen Reichtum und für möglichst viele Menschen erlebbar werden zu lassen.

Dabei ging es den Gründervätern des Initiativkreises Ruhr ganz im Sinn eines "think big" zunächst einmal darum, die großen Pianisten unserer Zeit vom gewachsenen Rang des Klavier-Festivals Ruhr zu überzeugen, um sie möglichst regelmäßig für unser Festival gewinnen zu können. So gaben z.B. im Laufe der Jahre Pierre-Laurent Aimard 23, Martha Argerich 19, Daniel Barenboim 26, Rudolf Buchbinder 17, Chick Corea 15 Konzerte – diese Aufzählung ließe sich im Alphabet der Großen der Klaviermusik beliebig lang fortsetzen.

Doch nicht nur die weltweit umworbenen Koryphäen sollen in anderenorts nicht anzutreffender Intensität unser künstlerisches Profil prägen. Nicht weniger wichtig ist mir als Intendant das Anliegen, durch breit gefächerte künstlerische Initiativen junge Pianisten und junge Zuhörer zu fördern bzw. zu gewinnen.

Wir laden alljährlich rund 20 junge Pianisten zu ihren Debüts ein – z.B. die Preisträger wichtiger internationaler Wettbewerbe. Bei unserem Festival sind auf diese Weise regelmäßig gut ein Drittel unserer Konzerte Debüts. Einige Debütanten kehren nach ihren erfolgreichen Premieren in den Folgejahren immer wieder zu unserem Festival zurück – ein schöner Beweis für die Nachhaltigkeit dieser Initiative. Und viele dieser Debüts werden inzwischen im Rahmen unserer Edition Klavier-Festival Ruhr auf CD dokumentiert. Dies erweist sich als eine überaus wirksame Förderung für die weitere Karriere dieser jungen Künstler.

Junge Pianisten haben wir selbst dann im Auge, wenn wir große Künstlerpersönlichkeiten für ihr pianistisches Lebenswerk mit dem Preis des Klavier-Festivals ehren. Denn mit der Vergabe dieses Ehrenpreises ist regelmäßig auch die Gewährung eines Stipendiums verbunden, wobei der aktuelle Stipendiat durch den jeweiligen Preisträger bestimmt wird. Bis zum Jahr 2010 wurde dieses Stipendium vom Initiativkreis Ruhr vergeben, seit Gründung der Stiftung Klavier-Festival Ruhr nimmt diese nun die Auszeichnung der Stipendiaten wahr. Der Stipendiat wiederum wird zum Ende seines Förderjahres zudem zu einem Debüt-Konzert beim Klavier-Festival eingeladen. Die bisherigen Preisträger Bella Davidovich (1998), Daniel Barenboim (1999), Dmitri Bashkirov (2000), Graham Johnson (2001), Leon Fleisher (2002), Pierre-Laurent Aimard (2003), Alfred Brendel (2004), Pierre Boulez (2005, ausnahmsweise ein Komponist, den wir so zu seinem 80. Geburtstag für sein Klavier-Œuvre ehrten), Chick Corea (2006), Martha Argerich (2007), Maurizio Pollini (2008), dessen Auswahl eines Stipendiaten noch aussteht, Sir András Schiff (2009), Grigory Sokolov (2010), Elisabeth Leonskaja (2011), Radu Lupu (2012), Marc-André Hamelin (2013), Krystian Zimerman (2014), Hélène Grimaud (2015) und Arcadi Volodos (2016) haben so Peter Józsa (1998), Salem Abboud-Ashkar (1999), Denis Lossev (2000), Joseph Breinl (2001), Nicholas Angelich (2002), Tamara Stefanovich (2003), Tim Horton (2004), David Fray (2005), Gwilym Simcock (2006), Mauricio Vallina (2007), Juho Pohjonen (2009), Alexander Mogilevsky (2010), Juan Pérez Floristán (2011), Martín García (2012), Charlie Albright (2013), Aidan Mikdad (2015) und Lucas Jussen (2016) zu Stipendiaten erkoren. 2013 wurde zudem der von Aurelia und David Furtwängler gestiftete Alfred Brendel-Förderpreis an Milana Chernyavska vergeben.

Anlässlich seines 80. Geburtstags geht der Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2017 an Philip Glass sowie an die Pianisten Dennis Russell Davies und Maki Namekawa. Durch die langjährige Verbundenheit des Klavierduos konnte das Festival eine enge künstlerische Freundschaft zu diesem bedeutenden amerikanischen Komponisten aufbauen und herausragende Auftragskompositionen initiieren, die inzwischen weltweit aufgeführt werden. Philip Glass hat die Musik im 20. und 21. Jahrhundert entscheidend geprägt und ist mit seiner unverkennbaren musikalischen Handschrift Vorbild für nachfolgende Generationen. Dennis Russell Davies und Maki Namekawa wiederum gehören zu den Pianisten, die sich nicht nur für das Werk von Philip Glass, sondern generell für Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts unermüdlich einsetzen. Ihr beispielhafter Einsatz für diese Musik und ihre große Treue zum Klavier-Festival mit inzwischen 14 bzw. 12 Auftritten soll daher ebenso geehrt werden.

Lehrer-Schüler-Beziehungen machen wir in geradezu exemplarischer Weise immer wieder erlebbar, wenn wir die großen Klavierschulen der Gegenwart vorstellen. 1998 galt das erste dieser inzwischen zwölf Porträts dem großen Dmitri Bashkirov, der zuerst in Moskau und dann in Spanien mehrere Generationen junger Pianisten höchst erfolgreich ausgebildet hat. 2006 haben wir ihn wieder eingeladen, und so brachte er anlässlich seines 75. Geburtstags Vertreter der jüngsten Pianisten-Generation mit, die neu zu seinem Schülerkreis gekommen sind. 1999 folgte der russischen Schule Bashkirovs die amerikanische Schule des hoch renommierten Leon Fleisher; 2000 dann die relativ junge, doch früh schon spektakulär erfolgreiche italienische Accademia Pianistica di Imola. 2001 widmeten wir diesen Schwerpunkt mit Yvonne Loriod, Dominique Merlet und Pierre-Laurent Aimard drei Generationen der französischen Klavierschule. 2002 baten wir den legendären Gary Graffman und seine Studenten vom Curtis Institute zu uns. 2003 porträtierten wir das Alexander Toradze Piano Studio der Indiana University und 2004 galt anlässlich unseres Österreich-Schwerpunktes unser Interesse den aktuellen Wiener Klavierschulen von Oleg Maisenberg, Stephan Vladar und Paul Gulda. Im Jahr 2005 luden wir einen der bedeutendsten Lehrer aus den USA, nämlich den hoch verehrten Claude Frank ein, der mit zwei seiner ehemaligen Schüler aus Philadelphia zu uns kam. 2007 dann stellten wir die Meisterschüler des großen Liedpianisten Irwin Gage vor, 2008 porträtieren wir in dieser Reihe wieder eine russische Schule, nämlich Alexei Lubimov und zwei seiner Meisterschüler. Im Jahr 2009 widmeten wir diese Alfred Brendel und stellten vier junge Pianisten vor, die von ihm geprägt wurden und die er besonders schätzt. Anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2011 haben wir zu unserer „Hommage à Alfred Brendel“ die Pianisten Till Fellner, Francesco Piemontesi und Kit Armstrong eingeladen. 2013 stellten wir unter dem Motto „Der Mentor Alfred Brendel“ die Pianisten Herbert Schuch, Milana Chernyavska, Kit Armstrong, Anna Vinnitskaya und Paul Lewis vor. 2015 waren mit Kuok-Wai Lio, Adam Golka und Roman Rabinovich drei junge Künstler zu erleben, die von Sir András Schiff besonders gefördert werden.

Zu den Internationalen Meisterkursen des Klavier-Festivals Ruhr laden wir die besten Studierenden deutscher bzw. internationaler Musikhochschulen ein. Auch hierbei verdanken wir großen Lehrerpersönlichkeiten wie Dmitri Bashkirov (1996, 2001), Adam Harasiewicz (1996), Irwin Gage (1997, 2007), Oleg Maisenberg (1998, 1999), James Tocco (2000), Russell Sherman (2002), Julian Joseph (2003) und Alexander Lonquich (2004) wichtige künstlerische Impulse. 2005 haben wir Herbert Henck gebeten, sein immenses Wissen zur Klaviermusik der Gegenwart an seine Schüler weiterzugeben und im Jubiläumsjahr 2006 konnten wir den Mozart-Experten Robert Levin dafür gewinnen, einen Meisterkurs zum Thema "Musikalischer Verstand – Musikalische Dramaturgie" zu geben. 2007 gab Irwin Gage erneut einen Meisterkurs zur Kunst der Liedbegleitung. 2008 unterrichtete Alexei Lubimov vier Studenten aus Ost und West mit einem Schwerpunkt auf Werken der Wiener Klassik und des 20. Jahrhunderts. 2009 dann konnten wir Alfred Brendel dafür gewinnen, einen Meisterkurs für unser Publikum zu geben, indem er zu ausgewählten Themen referierte und dafür auch an das Klavier zurückkehrte! Und 2012 hat der große Alfred Brendel nun erstmals einen Meisterkurs für Pianisten beim Klavier-Festival Ruhr gegeben und an drei Tagen sein Wissen an die Preisträger des Busoni Wettbewerbs 2011 weitergeben. 2014 gab Pierre-Laurent Aimard einen Meisterkurs, der sich dem Werk György Ligetis widmete. 2016 gab Dmitri Bashkirov in einem Meisterkurs sein Wissen an junge Pianisten weiter, und für 2017 konnten wir keinen Geringeren als Sir András Schiff für einen Meisterkurs gewinnen.

Nicht weniger wichtig ist uns seit Jahren das Anliegen, erfolgversprechende Foren für die Musikhochschulen des Landes NRW zu schaffen – z.B. bei der alljährlichen Nacht der Industriekultur, zu denen wir Studierende aktueller Meisterklassen der Nordrhein-Westfälischen Musikhochschulen in Düsseldorf, Essen und Köln einladen. Seit 2014 sind dabei auch junge Jazzformationen zu erleben. Unser künftiges Publikum haben wir naturgemäß auch bei unseren Familienkonzerten; im Blick, bei denen z.B. Peter Ustinov 2001 seine ganz eigene Version des "Karnevals der Tiere" vorstellte oder bei deren Moderation durch Konrad Beikircher viele Male zu einem besonderen Fest für Kinder und die sie begleitenden Erwachsenen gleichermaßen wurde, wenn er z.B. in unserem Österreich-Jahr 2004 Joseph Haydns Menschlichkeit begreifbar machte oder 2005 wiederum mit jungen Pianisten aus NRW das Klavier als zentrales Instrument für die Hausmusik im 19. Jahrhundert durchaus augenzwinkernd erlebbar werden ließ. Für unser Festival 2006 haben wir Franz-David Baumann und das Panama-Ensemble um eine neue Komposition für Kinder von 5 bis 10 Jahren gebeten: "Tausend Stiefel" nach einem Text von Max Kruse hatte zu Pfingsten 2006 seine Uraufführung. 2007 standen unsere beiden Familienkonzerte unter dem Titel "Im Dschungel mit Katia und Marielle Labéque": Schüler der Folkwang Musikschule führten in zwei Familienkonzerten in der WeststadtHalle Essen zusammen mit dem renommierten Klavierduo Saint-Saëns' "Karneval der Tiere" auf – inmitten einer farbenprächtigen Dekoration, die Essener Grundschüler gestaltet hatten. Damit sind unsere Familienkonzerte seit 2006 nicht mehr länger "nur" Konzerte für Kinder, sondern Konzerte mit Kindern. Das "Dschungel"-Projekt war Bestandteil des 2006 gestarteten Education-Programmes des Klavier-Festivals Ruhr, das im Rahmen des Festivals 2007 mit fünf Konzerten erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mehr als 200 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wurden dabei künstlerisch aktiv und präsentierten die Resultate ihrer Arbeit in Dortmund, Düsseldorf, Duisburg und Essen vor mehr als 2000 Besuchern. 2008 wurde diese Programmlinie mit den Projekten "Musikalische Maschinen – Maschinenkunst" und "Vogelstimmen – Oiseaux exotiques" fortgesetzt. 2009 ging es in je zwei Projekten um „Wasserspiele – Jeux d‘eau“ und „Folksongs“, ein fünftes Projekt widmete sich u.a. Kurtágs „Játékok“. Hier wurde anhand von Kurtágs „Kinderstücken“ jungen Pianistenneue Klaviermusik nahegebracht und zu eigenen kleinen Klavierkompositionen angeregt. Neue Musik im Unterricht zu verankern und die Scheu vor neuen Werken zu nehmen, war auch 2010 das Ziel von dem Projekt „Piano Book“. Das Klavier-Festival Ruhr hat dafür an europäische Komponisten (York Höller, Marco Stroppa, George Benjamin, Olav Lervik, Luke Bedford, Vassos Nicolaou) Aufträge für Klavier zu zwei und vier Händen vergeben, die speziell für die Vermittlung von zeitgenössischer Klaviermusik geeignet sein sollten. Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich haben diese neuen Werke gemeinsam mit jungen Pianisten einstudiert und uraufgeführt. Die Noten sind beim Bärenreiter-Verlag im "Klavier-Festival Ruhr – Bärenreiter Piano Album" erschienen – die CD-Aufnahme dieser Stücke ist im Vol. 26 der Edition Klavier-Festival Ruhr erhältlich. Beim Klavier-Festival Ruhr 2010 wurden zudem Workshops, Familienkonzerte und Discovery Projekte um die Themen „Musik und Malerei“, „Klang – Bild – Skulptur“ und „Polyphonie“ durchgeführt. In Kooperation mit dem Museum Folkwang wurde in einem Vortrag, in Museumsführungen und in einem Konzert rund um das Thema „Musik und Malerei“ die engen Verknüpfungen zwischen Bildern u.a. von Wassily Kandinsky und der Musik Arnold Schönbergs verdeutlicht. In einem Familienkonzert entdeckten die Bochumer Symphoniker unter Richard McNicol in einem moderierten Konzert Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Dazu verwandelte sich auch das Foyer der Philharmonie Essen in einen riesigen Ausstellungsraum, in dem die verschiedenen Ergebnisse der Workshops präsentiert wurden. Um den faszinierenden Dialog zwischen Musik und Bildender Kunst drehte es sich beim Familiennachmittag im Duisburger LehmbruckMuseum. Hier konnten Kinder und ihre Familien das Wechselspiel zwischen Hören und Sehen, zwischen Klang, Bild und Skulptur selbst erforschen. Inzwischen wird die Education-Arbeit ganzjährig betrieben. 2012 gipfelten sie erneut in den „Entdeckungen – Discovery Projects“, wo Kinder und Jugendliche im Projekt „Interludes – Zwischenspiele“ die Musik von John Cage entdeckten. In einem weiteren Projekt erarbeiteten sie sich über Gesang, Tanz und Pantomime einen Zugang zu den „Notations“ von Pierre Boulez. Beim Familienkonzert „Musik und tRaum“ stellten Richard McNicol und die Bochumer Symphoniker die „Three Places in New England“ von Charles Ives vor. 2013 knüpfte das von der Stiftung Mercator geförderte Pilotprojekt AufTakt an den großen Erfolg seines Modellprojekts „Spielplatz Klavier – Little Piano School & KlavierGarten“ an, das die im KlavierGarten begonnene musische Bildung in der Grundschule fortsetzt. In kreativen Workshops entdeckten 2013 Kinder und Jugendliche im umfangreichen Inklussions-Projekt „Hochzeit! Les Noces“ auf ungewöhnliche Weise das gleichnamige Bühnenwerk von Igor Strawinsky. In Kooperation mit der Emschergenossenschaft fanden moderierte Familienkonzerte mit Richard McNicol, dem Pianisten James Maddox und dem Kammerensemble BOSYBRASS statt. Im Mittelpunkt standen dabei Maurice Sendaks Kinderbuch-Klassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ sowie das Thema Natur(t)räume. 2014 stellte das Klavier-Festival Ruhr erstmals einen Großteil seiner Education-Aktivitäten für Schüler, Studierende und Erwachsene unter ein Jahresthema. „Ein Jahr mit Ligeti“ war ein spartenübergreifendes Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Pianisten und kongenialen Ligeti-Interpreten Pierre-Laurent Aimard entstand. Die faszinierende Musik des 2006 verstorbenen Komponisten stand im Zentrum der diesjährigen Entdeckungen – Discovery-Projects sowie der Reihe KlavierModern – Contemporary Piano Music. Bewusst wurden dabei viele verschiedene Altersklassen und Schulformen einbezogen. Daran anschließend hat sich die Education-Arbeit unter dem Motto „Ein Jahr mit Béla Bartók“ 2015 mit dem Klavierwerk des ungarischen Komponisten beschäftigt, ein Schwerpunkt, der 2016 erneut aufgegriffen wurde. In diesem Jahr setzt sich das Education Programm mit dem Werk von Igor Strawinsky auseinander; im Zentrum stehen sein „Sacre du printemps“ und „Der Feuervogel“.

Dass das Klavier für Kleinkinder nicht nur ein faszinierendes Spielzeug sein kann, sondern sich in geradezu idealer Weise dazu eignet, sie in die Welt der Musik einzuführen, beweist "Spielplatz Klavier - Little Piano School & KlavierGarten" auf eindrückliche Weise. Im Jahr 2006 hat das Klavier-Festival die Methode der italienischen Klavierpädagogin Kim Monika Wright ins Ruhrgebiet geholt und gemeinsam mit der Folkwang Universität der Künste und der Folkwang Musikschule innerhalb kurzer Zeit zu einem Modellprojekt im Bereich der frühkindlichen Bildung ausgebaut. 2016 konnten wir nun das 10-jährige Bestehen der Little Piano School feiern. In Kleingruppen werden Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren auf spielerische Weise in die Musik und das Klavierspiel eingeführt. Unter der Leitung von fortgeschrittenen Studentinnen und Absolventinnen der Folkwang Universität der Künste entdecken sie mit dem Klavier nicht nur ein faszinierendes Musikinstrument, sondern entwickeln auch persönliche und soziale Fähigkeiten, die ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg von großem Nutzen sind. Das Unterrichtsgeschehen ist dabei ganz auf die spezifischen Interessen und Bedürfnisse der Kinder abgestimmt.

Nach einem Workshop an der Folkwang Universität der Künste während des Klavier-Festivals Ruhr 2006 nahmen bereits im Oktober 2006 die ersten beiden Unterrichtsgruppen an der Folkwang Musikschule ihre Arbeit auf. Bis zum Herbst 2008 kamen elf weitere Gruppen hinzu. Die jungen Lehrkräfte werden in regelmäßigen Abständen von Kim Monika Wright fortgebildet und in ihrer Unterrichtstätigkeit kontinuierlich von einer Expertengruppe beraten und begleitet. Der große Erfolg der Little Piano School ermöglichte einen substantiellen Ausbau des Projekts in den Jahren 2009 und 2010. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche von Westfalen hat das Klavier-Festival Ruhr das Modellprojekt auf den Bereich der Kindertagesstätten erweitert und Little Piano School-Gruppen, die sogenannten KlavierGärten, in evangelischen Kindergärten in Bottrop, Dorsten und Gladbeck eingerichtet. Inzwischen werden an 17 Kindertagesstätten in Gladbeck, Bottrop, Dorsten, Marl, Essen und Recklinghausen KlavierGärten angeboten. Insgesamt unterrichten 12 Lehrer diese besondere Methode der frühkindlichen musischen Erziehung. Der Verein der Freunde und Förderer des Klavier-Festival Ruhr e.V. unterstützt dieses Projekt durch die Finanzierung der dafür erforderlichen Klaviere sowie durch die Unterstützung eines Sozialfonds, der allen Kindern die Teilnahme ermöglicht.

In der Encounters-Reihe des Klavier-Festivals haben Kinder und Jugendliche aus dem Ruhrgebiet die Möglichkeit, bedeutenden Festival-Pianisten ganz persönlich zu begegnen und von ihnen nicht nur für ihr Klavierspiel wichtige Impulse zu erhalten. Die Form und der Inhalt der verschiedenen Begegnungen sind dabei so unterschiedlich und vielfältig wie die daran teilnehmenden Pianisten und Klavierschüler.

Seit 2006 haben sich zahlreiche Pianisten, die dem Klavier-Festival Ruhr freundschaftlich verbunden sind, an der Encounters-Reihe beteiligt. 2009 begegneten junge Pianisten aus dem Ruhrgebiet Yaara Tal und Andreas Groethuysen, Emanuel Ax, Gabriela Montero sowie Katia und Marielle Labèque. Diese Encounter wurden von dem bekannten Regisseur Enrique Sánchez Lansch gefilmt. Am 8. Mai 2010 erlebte sein Dokumentarfilm „Piano Encounters – Begegnungen am Klavier“ in der Essener Lichtburg seine Premiere; im November 2010 wurde der Film beim Internationalen Filmfestival Seminci in Valladolid ausgezeichnet. Die Encounters wurden auch 2010 fortgesetzt und so besuchten Festivalpianisten wie Tamara Stefanovich und Francesco Tristano Schulen, um gemeinsam mit den Schülern zu musizieren und eigens für sie ein Schulkonzert zu geben. Diese Konzertform wird fortgesetzt.

Mit seinen Discovery-Projekten möchte das Klavier-Festival Ruhr Kinder und Jugendliche unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft und verschiedener Bildungsniveaus dabei unterstützen, selbst kreativ tätig zu werden, um einen aktiven Zugang zur Musik entwickeln zu können. In den mehrmonatigen Projekten, die vom Education-Team des Klavier-Festivals Ruhr in Zusammenarbeit mit erfahrenen Künstlern und Pädagogen geleitet werden, entwickeln die teilnehmenden Schüler in der Beschäftigung mit Musik und anderen Künsten ihre schöpferischen und musischen Fähigkeiten. In der gemeinsamen Tätigkeit und der Begegnung unterschiedlicher Kunstformen erschließen sich den Projektteilnehmern neue Erfahrungsräume. Gefördert wird dabei nicht nur die Fähigkeit des aktiven Zuhörens, sondern auch die Weiterentwicklung von sozialen, kognitiven und emotionalen Kompetenzen. Jedes Discovery-Projekt mündet in eine öffentliche Aufführung, bei der die Teilnehmer dem Festival-Publikum einen Einblick in ihre Arbeit geben.

Ein wichtiger Partner bei der Durchführung der Projekte sind die Lehrer. Daher bietet die Education-Abteilung des Klavier-Festivals in Zusammenhang mit den Discovery-Projekten regelmäßig Lehrerworkshops an, bei denen die Teilnehmer von Experten auf ein konkretes Projekt vorbereitet werden und zugleich vielfältige Anregungen für kreative Formen des Musik- und Kunstunterrichts erhalten. Darüber hinaus wurden seit dem Jahr 2009 umfangreiche Lehr- und Unterrichtsmaterialien erarbeitet, die Lehrern und anderen Multiplikatoren im Internet zur Verfügung gestellt werden. Die stetige Erweiterung dieser Materialien ist auch weiterhin unser Ziel.

Die besonderen Chancen des Musiklandes NRW nutzen wir nicht zuletzt auch bei unseren Orchesterkonzerten, bei denen wir in den letzten Jahren u.a. die sonst kaum zu hörenden spätromantischen Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts vorgestellt haben – 1998 mit den Dortmunder Philharmonikern das Klavierkonzert von Max Reger, 1999 mit den Bochumer Symphonikern das Klavierkonzert von Hans Pfitzner und im Jahr 2000 mit den Essener Philharmonikern das Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor von Ferruccio Busoni. 2004 folgten in dieser Reihe dann, wiederum mit den Essener Philharmonikern, Wilhelm Furtwänglers Klavierkonzert und mit den Bochumer Symphonikern das Klavierkonzert für die linke Hand von Erich Korngold. Das erste Klavier-Festival im neuen Jahrtausend begannen wir 2001 ebenfalls mit den Bochumer Symphonikern mit "Widerspiel", dem Konzert für zwei Klaviere und Orchester von York Höller. Im gleichen Jahr folgten zum 75. Geburtstag von Hans Werner Henze dessen erstes Klavierkonzert und seine Tristan-Preludes für Klavier, Tonbänder und Orchester mit den Duisburger Philharmonikern. Der musikFabrik NRW verdanken wir zwei denkwürdige Aufführungen des Ballet mécanique von George Antheil im Jahr 2002. Um selten zu erlebende Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts ging es auch im Jahr 2005, als wir mit dem WDR Sinfonieorchester Köln Toro Takemitsus "Quotation of Dream" für zwei Klaviere und Orchester und Witold Lutos?awskis "Variationen über ein Thema von Paganini" in der Transkription für zwei Klaviere und Orchester aufführten. Im gleichen Jahr erklang auch Paul Hindemiths erst spät entdecktes Klavierkonzert für die linke Hand bei seiner westdeutschen Erstaufführung. 2008 hat das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Tan Dun die Europäische Erstaufführung dessen neuen Klavierkonzertes mit Lang Lang und sein Konzert für Zheng und Streichorchester mit der Solistin Yuan Li, das von 3sat aufgezeichnet wurde, aufgeführt. 2009 begleitete das Orchester Herbert Schuch bei Griegs Klavierkonzert a-Moll sowie 2010 im Eröffnungskonzert den jungen Franzosen Bertrand Chamayou mit Richard Strauss „Burleske“. Im Jahr 2011 begleitete das WDR Sinfonieorchester Michael Korstick, als er an einem Abend beide Klavierkonzerte von Johannes Brahms spielte. 2012 haben die Bochumer Symphoniker beim Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr Jean-Yves Thibaudet begleitet, Wayne Marshall war mit dem WDR Rundfunkorchester Köln und Yefim Bronfman war unter der Leitung von Jukka-Pekka Sarastre mit dem WDR Sinfonieorchester Köln zu hören. 2013 spielte Igor Levit mit dem WDR Sinfonieorchester Köln beim Eröffnungskonzert Peter Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll. 2014 spielte Marc-André Hamelin unter der Leitung von Andris Nelsons mit dem Orchester Richard Strauss' "Burleske". Beim Abschlusskonzert des Festivals 2015 hat das Orchester gemeinsam mit Igor Levit Edvard Griegs Konzert für Klavier und Orchester op. 16 aufgeführt. 2016 waren Gerhard Oppitz und die Essener Philharmoniker mit Max Regers Konzert für Klavier und Orchester in f-Moll zu hören. 2017 wird das WDR Sinfonieorchester Köln gemeinsam mit Anna Vinnitskaya beide Schostakowitsch-Klavierkonzerte an einem Abend aufführen.

Ungewöhnliche Konzertprogramme konnten wir auch mit der Big Band des WDR gestalten, mit der wir 2002 einen Gershwin-Abend und 2003 ein unkonventionelles Satie-Projekt realisierten. 2006 kam die WDR Big Band Köln mit Joe Zawinul wieder zu uns und 2008 war sie mit Frank Chastenier bei seinem ungewöhnlichen Mompou-Projekt zu hören. Im Jahr 2010 begeisterten sie mit Simon Nabatov und Arkady Shilkloper (Horn), 2012 zusammen mit Raphael Gualazzi, 2013 waren sie gemeinsam mit Gerald und John Clayton und 2014 mit Jacky Terrasson zu hören. 2015 war die WDR Big Band bei uns erstmals mit Michel Camilo zu erleben. In diesem Jahr ist das Ensemble gleich zweimal zu Gast: Mit Danilo Pérez und im Rahmen des Deutschen Juristentags mit Hilario Durán. Zum Festival 2017 kehrt sie mit Durán und seinem Landsmann Chucho Valdés zu einem Gipfeltreffen des afrokubanischen Jazz zurück; gemeinsam präsentieren sie in einer Uraufführung Hilario Duráns Konzert für zwei Klaviere und Big Band.

2007 eröffneten die Duisburger Philharmoniker mit Jonathan Darlington mit einem Beethoven-Programm unser Festival (u.a. mit der Chorfantasie und dem Tripelkonzert). Die Bochumer Symphoniker wiederum waren dem kanadischen Pianisten Marc-André Hamelin bei Camille Saint-Saëns 5. Klavierkonzert und bei Franz Liszts Totentanz inspirierende Partner. Im Mendelssohn-Jahr 2009 begleiteten sie Ya-Fei Chuang und Robert Levin bei selten zu hörenden Kompositionen für Klavier und Orchester des Jubilars. 2008 haben die Bochumer Symphoniker in unserem Education-Projekt "Vogelstimmen" Olivier Messiaens "Oiseaux exotiques" beigetragen, 2009 waren sie Teil der „Wasserspiele“. 2012 begleiteten sie unter der Leitung von Steven Sloane Jean-Yves Thibaudet beim Eröffnungskonzert, 2013 waren die Bochumer Symphoniker mit Leon Fleisher, Alon Goldstein und Katherine Jacobsen Fleisher mit Werken von Benjamin Britten, Francis Poulenc und Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. 2014 begleiteten sie Markus Becker, 2015 waren sie mit Joseph Moog zu erleben. Die Neue Philharmonie Westfalen war 2009 zu Gast, um Lang Lang und Herbie Hancock bei ihrem einzigen Konzert in Deutschland zur Seite zu stehen – u.a. in Ralph Vaughan Williams Konzert für zwei Klaviere und Orchester. 2014 eröffnete das Orchester das Festival gemeinsam mit Leon Fleisher und Nicolas Angelich unter der Leitung von Dennis Russell Davies mit den Klavierkonzerten für die linke Hand von Maurice Ravel und Sergej Prokofjew. 2017 widmen sich die Bochumer Symphoniker, nun endlich im eigenen Haus, dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr, getreu dem Festival-Akzent des Jahres amerikanischem Repertoire; Solist in George Gershwins „Rhapsody in Blue“ ist Denis Matsuev.

Und natürlich haben wir die besonderen Gedenkjahre für Johannes Brahms und Frédéric Chopin genutzt, um deren zwei Klavierkonzerte mit der Neuen Philharmonie Westfalen bzw. den Bochumer Symphonikern jeweils an einem Abend erklingen zu lassen. Mit den Bochumer Symphonikern gestalteten wir zum 50. Todestag von Sergej Prokofjew im Jahr 2003 eine Gesamtaufführung seiner fünf Klavierkonzerte, der 2005 dann die westdeutsche Erstaufführung der lange verschollenen, ursprünglich für Paul Wittgenstein komponierten Klaviermusik mit Orchester von Paul Hindemith folgte. Im selben Jahr luden wir zudem das Kammerorchester Basel mit Uri Caine sowie das Stuttgarter Kammerorchester mit Dennis Russell Davies und Maki Namekawa mit den Klavierkonzerten von Philip Glass und Alfred Schnittke ein. Der große Mozart-Zyklus, für den das Kölner Kammerorchester seit 2004 mit sämtlichen 27 Klavierkonzerten zu uns kam, wurde zum 250. Geburtstag 2006 vollendet. Auch Chick Corea und die Bayerische Kammerphilharmonie sowie Thomas Larcher mit dem Münchener Kammerorchester spielten zu diesem Anlass als "Klavierkonzert-Extra" jeweils ein Mozartkonzert in besonderem Kontext – nämlich zusammen mit eigenen neuen Klavierkonzerten. Dem Beethoven-Schwerpunkt des Jahres 2007 entsprechend führten die Duisburger Philharmoniker das Tripelkonzert auf und an drei Abenden brachten Daniel Barenboim als Solist und Dirigent mit der Staatskapelle Berlin alle fünf Klavier-Konzerte zur Aufführung. Diese Konzerte wurden dank der Unterstützung durch RWE und die NATIONAL-BANK für eine DVD-Veröffentlichung aufgezeichnet. Diese DVD-Reihe mit Daniel Barenboim vom Klavier-Festival Ruhr wurde mit der Aufzeichnung beider Chopin-Klavierkonzerte im Jubiläumsjahr 2010 fortgesetzt, als sich Daniel Barenboim gemeinsam mit seiner Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Andris Nelsons in Essen der herkulischen Aufgabe stellte, beide Chopin-Klavierkonzerte an einem Abend aufzuführen. Im Liszt-Jahr 2011 wurde diese DVD-Reihe mit der Aufnahme beider Liszt-Klavierkonzerte, gespielt von Daniel Barenboim unter der Leitung von Pierre Boulez am Pult der Staatskapelle Berlin, weitergeführt. ARTE strahlte zum 250. Geburtstag Franz Liszts den Live-Mitschnitt dieses Konzerts aus.

Weitere Orchester-Höhepunkte im Jahr 2010 waren das umjubelte Konzert von Murray Perahia und der Academy of St. Martin in the Fields sowie von Ivo Pogorelich und der Polnischen Kammerphilharmonie Sopot. Ton Koopman und das Amsterdam Baroque Orchestra entführten die Zuschauer ins 17. Jahrhundert, indem sie Bachsche Klavierkonzerte auf Cembali aufführten, während Pierre-Laurent Aimard, gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe, unserem Publikum auf dem modernen Konzertflügel Bachsche Klavierkonzerte interpretierte. 2013 waren u.a. Maria João Pires (Kammerorchester Basel), Murray Perahia (Academy of St Martin in the Fields) und Hélène Grimaud (Luzerner Symphonieorchester) zu erleben, 2014 war Maria João Pires mit dem Kölner Kammerorchester zu hören. 2016 waren das Chamber Orchestra of Europe mit Sir András Schiff, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Hélène Grimaud und Khatia Buniatishvili mit der Kremerata Baltika zu Gast.

Eine zentrale Rolle kommt dem Klavier seit der Mitte des 18. Jahrhunderts naturgemäß im Bereich der Kammermusik zu und dabei wiederum insbesondere in der Besetzung als Duo für Klavier und Violine oder Violoncello (bewusst in dieser Reihenfolge z.B. bei Mozart und Beethoven) und als Klaviertrio. So widmeten wir uns z.B. im Rahmen unseres Mozart-Schwerpunktes 2004 den so genannten "Wunderkind-Sonaten", die der Salzburger Geiger Benjamin Schmid zusammen mit Ariane Haering einigen späteren Werken derselben Gattung gegenüber stellten. 2005 und 2006 war das Jerusalem Chamber Music Festival mit seiner Gründerin und künstlerischen Leiterin Elena Bashkirova erneut bei uns zu Gast. 2006 spielte der junge Pianist Severin von Eckardstein mit seinen Partnern Johann Nepomuk Hummels Kammermusik-Bearbeitungen Mozart'scher Klavierkonzerte und Gerhard Oppitz führte zusammen mit Heinrich Schiff sämtliche Sonaten für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven auf. Im Jahr 2007 waren das Trio Jean Paul, Anne-Sophie Mutter und Ayami Ikeba mit Mozarts Violinsonaten, Emanuel Ax und Frank Peter Zimmermann mit Sonaten für Klavier und Violine von Ludwig van Beethoven beim Klavier-Festival Ruhr zu erleben. Dem Hammerklavier-Spezialisten Andreas Staier widmeten wir einen exklusiven Schwerpunkt mit drei Konzerten, in denen er auch zusammen mit Isabelle Faust und Christoph Prégardien musizierte. 2008 hat das Alban Berg Quartett mit Elisabeth Leonskaja, Heinrich Schiff und Alois Posch Schuberts Forellenquintett aufgeführt. Elena Bashkirova war zusammen mit Michael Barenboim und Timothy Park mit einem Schubert-Programm zu hören. Gemeinsam mit Daniel Barenboim und weiteren Solisten des West Eastern Divan Orchestra kehrte Michael Barenboim 2009 zum Festival zurück, um u.a. Alban Bergs Kammerkonzert für Klavier und Violine mit 13 Bläsern zu interpretieren. André Previn spielte zusammen mit Anne-Sophie Mutter und Lynn Harrell Mendelssohns erstes, Jean-Yves Thibaudet gemeinsam mit David Garrett und Gautier Capuçon sein zweites Klaviertrio. Und schließlich waren Pierre-Laurent Aimard und Valérie Aimard mit Werken für Klavier und Violoncello von Beethoven und Mendelssohn zu hören. Im Jahr 2010 setzten wir diese Reihe mit Kammermusik Höhepunkten des Jubilars Robert Schumann fort: Martha Argerich gestaltete gemeinsam mit Mischa Maisky, Renaud Capuçon, Gabriele Shek und Lyda Chen einen fulminanten Schumann-Abend, der auch von ARTE aufgezeichnet wurde. Elena Bashkirova und das Erlenbusch-Quartett begeisterten das Publikum mit dem Klavierquartett und Klavierquintett Robert Schumanns. Anne-Sophie Mutter kehrte ebenfalls zum Festival zurück und führte an einem Abend die drei Violinsonaten von Johannes Brahms mit Lambert Orkis auf. Christian Zacharias und Mitglieder des ehemaligen Alban Berg Quartetts interpretierten 2010 wichtige Referenzwerke der Kammermusik – das Forellenquintett von Franz Schubert sowie das Klavierquartett KV 478 von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Liszt-Jahr 2011 stellten Andrea Lucchesini und Mario Brunello (Violoncello) selten zu hörende Kammermusikwerke von Franz Liszt vor; ebenso wie das Trio um Kit Armstrong, das Liszts berühmtes „Vallée d’Obermann“ in der Fassung für Klaviertrio aufführte. 2012 war Krystian Zimerman zusammen mit dem Hagen Quartett zu erleben und Julia Fischer gab gemeinsam mit Milena Chernyavska beim Klavier-Festival Ruhr ihr Debüt. Kammermusikalische Höhepunkte setzten 2013 Frank Peter Zimmermann im Duo mit Emanuel Ax, Elena Bashkirovadie zusammen mit Michael Barenboim, Tatjana Masurenko, Nicolas Altstaedt und Pascal Moragues zu hören war, sowie Gidon Kremer, der mit der Pianistin Sa Chen und der Cellistin Giedre Dirvanauskaite auftrat. 2014 waren Anne-Sophie Mutter mit ihrem Klavierpartner Lambert Orkis, Elena Bashkirova im Duo mit Michael Barenboim sowie Herbert Schuch zusammen mit Mirijam Contzen, Giovanni Guzzo und Beate Altenburgzu erleben. 2015 waren Kit Armstrong, Andrej Bielow und Adrian Brendel mit Franz Schuberts B-Dur Trio und Martha Argerich gemeinsam mit Mischa Maisky zu erleben. 2016 widmeten sich Elena Bashkirova, Michael Barenboim und Julian Steckel den Brahms-Trios und Andreas Staier und Lorenzo Coppola interpretierten u.a. dessen Klarinettensonaten. Außerdem waren die Duos Mona Asuka Ott und Serge Zimmermann (Violine) und Maria Joao Pires und Antonio Meneses (Violoncello) zu hören. 2017 steht das Violoncello im Mittelpunkt des kammermusikalischen Programms: Andrea Lucchesini und Mario Brunello treten mit einem Beethoven-Programm auf, Hélène Grimaud und Jan Vogler bringen Sonaten von Debussy, Brahms und Schostakowitsch zu Gehör.

Sehr bewusst geben wir seit meiner Übernahme der Künstlerischen Leitung der Musik der Gegenwart ein besonderes Gewicht. Zahlreiche Komponisten-Schwerpunkte galten seither dem pianistischen Œuvre von Karlheinz Stockhausen (1996, 2008), Maurizio Kagel (1997), Conlon Nancarrow und Wolfgang Rihm (1998), Wilhelm Killmayer und Moritz Eggert (1999), Pierre Boulez (2000, 2005), Morton Feldman (2001, 2002) und Hans Werner Henze (2001, 2006 und 2010), den amerikanischen Komponisten Earl Brown, John Cage, Philip Glass, Steve Reich und Terry Riley (2002), russischen Avantgardisten (2003) und jungen österreichischen Komponisten (2004). Einen ähnlichen Schwerpunkt haben wir 2005 Karl Amadeus Hartmann zu seinem 100. Geburtstag mit dem Pianisten Siegfried Mauser gewidmet, Hartmanns erschütternde Sonate "27. April 1945" hatte uns schon 1998 den Anlass zu einer eindringlichen Installation von Günther Ueckers Fall im Dortmunder Harenberg City-Center gegeben. Allein zehn Uraufführungen – acht davon als Auftragswerke des Klavier-Festivals Ruhr – verdanken wir den Komponisten York Höller (1997, 2005), Wolfgang Rihm (1997), Marc-André Hamelin (1998), Michael Harrison (2001), Wilhelm Killmayer (2002), Beat Furrer und Olga Neuwirth (2004) sowie Johannes Maria Staud und Marco Stroppa (2005) bis zum Jahr 2005. Im Jahr 2006 konnten wir weitere sieben hinzufügen, von denen wir sechs selbst in Auftrag gegeben haben. Besonders hervorzuheben sind dabei "Geharnischt", ein Stück für zwei Player Pianos von Steffen Schleiermacher, das Klavierkonzert von Thomas Larcher, den wir gebeten haben, uns zu zeigen, wie ein Klavierkonzert mit dem Instrumentarium, das auch Mozart benutzt hatte, heute klingen kann, sowie ein "Lied" für Klavier und Violoncello von Sir Harrison Birtwistle als Geburtstagsgeschenk für Alfred Brendel. Hinzu kommen dreizehn deutsche bzw. europäische Erstaufführungen von 1996 bis 2006. 2007 erlebten wiederum zehn Kompositionen ihre Uraufführung beim Klavier-Festival Ruhr, sechs davon waren Auftragswerke des Festivals, darunter "Weiß trennt sich von schwarz" – Sechs Fassungen für Klavier von Jan Müller-Wieland und "Parergon" – Sieben Skizzen zu "Hölderlin" für Klavier von Peter Ruzicka. Hinzu kamen fünf Erstaufführungen, unter anderem von Werken von George Benjamin und Kaija Saariaho. 2008 kamen zum 20-jährigen Jubiläum die Auftragskompositionen von Philip Glass und Vassos Nicolaou zur Uraufführung. Tan Duns neues Konzert für Klavier, Schlagzeug und Orchester erlebte unter der Stabführung des Komponisten mit Lang Lang seine Europäische Erstaufführung und Tan Duns Konzert für Zengh und Streichorchester seine Deutsche Erstaufführung. Vassos Nicolaous „Klavierstücke“ und „Ein Volkslied-Strauß“ von Rudi Spring kamen 2009 dazu. Im Jahr 2010 waren die Uraufführungen unserer 16 Auftragskompositionen für das „Piano Book“ ein bedeutender Höhepunkt; zudem war die Uraufführung der 5 SZENEN von Peter Ruzicka zu erleben. Im Jahr 2011 wurden Auftragskompositionen zum Geburtstag von György Kurtág durch Vassos Nicolaou und Olav Lervik geschrieben, zudem war die Uraufführung der einzigen Klaviersonate von Dieter Schnebel, seine "h-Moll-Sonate", zu erleben. Darüber hinaus hatte das Festival zum 80. Geburtstag von Alfred Brendel bei Kit Armstrong eine Komposition für Klaviertrio in Auftrag gegeben. Beim Klavier-Festival 2012 wurde die Klaviersammlung "Doppelspiel" von York Höller uraufgeführt, womit die Zahl der Ur- und Erstaufführungen beim Klavier-Festival Ruhr auf inzwischen 93 Werke anwuchs. 2013 konnten wir sieben Uraufführungen erleben: Tamara Stefanovich widmete sich neuen Stücken von Vassos Nicolaou, York Höller und Franck Amsallem und Sophie-Mayuko Vetter wendete sich „Späten Gedanken“ über Franz Liszts Komposition "Unstern" aus der Feder von Peter Ruzicka zu. Im Verbund mit dem Klavierduo Maki Namekawa & Dennis Russell Davies ließen die Geschwister Labèque erstmals die "Two Movements for Four Pianos" von Philip Glass erklingen. Und der Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2013, Marc-André Hamlin hat sich zu einer Barcarolle inspirieren lassen. Schließlich hat Severin von Eckardstein die von ihm selbst in Auftrag gegebene Komposition "Grabmal Kundry" von Sidney Corbett uraufgeführt. Die Europäische Erstaufführung von André Previns Sonata No. 2 for violin and piano (ein gemeinsames Auftragswerk von Anne-Sophie Mutter und dem Klavier-Festival Ruhr) war 2014 durch Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis zu erleben. Ebenfalls 2014 widmete Pierre-Laurent Aimard dem Komponisten György Ligeti nicht nur seinen Meisterkurs, sondern auch eine „Große Ligeti-Nacht“ mit Vorträgen, Konzerten und Diskussionen rund um das Werk des Ungarn. Gabriela Montero führte 2016 mit den Dortmunder Philharmonikern ihr vom Klavier-Festival Ruhr mit in Auftrag gegebenes neues Klavierkonzert "Latin" auf. 2017 wird Michael Korstick gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Peter Ruzicka Walter Braunfels‘ „Tag- und Nachtstücke“ für Klavier und Orchester zu einer späten Uraufführung bringen, außerdem steht das Sechste Klavierkonzert von Beethoven in der von Nicholas Cook aus Beethovens Skizzen rekonstruierten und vervollständigten Fassung auf dem Programm. 2017 kommt außerdem ein Auftragswerk des Klavier-Festivals Ruhr an Manfred Trojahn zur Uraufführung, den Text zu dem Melodram schrieb Michael Krüger. Martin Stadtfeld spielt erstmals die II. Klaviersonate von Stefan Heucke, und Vassos Nicolaou hat im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr ein neues Werk für Klavier zu vier Händen geschrieben, das Tamara Stefanovich gemeinsam mit Pierre-Laurent Aimard uraufführen wird.

Um Zeitgenössisches geht es auch bei unserer ebenfalls nunmehr seit 1996 bestehenden Reihe JazzLine. In ihr spiegeln sich die avantgardistischen Strömungen neuer improvisierter Musik aus Europa ebenso wie traditionelle und avantgardistische Entwicklungen des amerikanischen Jazz. Das internationale ABC der rund 60 Jazz-Pianisten, die seit 1996 unseren Einladungen gefolgt sind, reicht so von Monty Alexander (2008), Götz Alsmann (2005), über Dave Brubeck (1998), Uri Caine (2001) und Michel Camilo (2000, 2003, 2005, 2007 – mit einem Exklusiv-Schwerpunkt mit vier Konzerten u.a. mit dem Gitarristen Tomatito und im Trio, 2009, 2013 und 2015), Frank Chastenier (2007, 2008, 2010, 2015), geht weiter mit Chick Corea (1997, 2001, 2005 – damals mit Bobby McFerrin! – 2006 für sein neues Klavierkonzert "Kontinente", 2007 mit dem Vibraphonisten Gary Burton, 2008 u.a. mit Al Di Meola, 2009 solo und 2010 mit Roy Haynes und seiner legendären Freedom Band, 2011 mit "Return to Forever", 2012 mit Bobby McFerrin, 2013 mit "The Vigil" 2014 solo, 2015 mit Herbie Hancock), Wolfgang Dauner (2000), Herbie Hancock (1998, 2003, 2009 zusammen mit Lang Lang, 2015 mit Chick Corea), Ruben Gonzalez (1999), Keith Jarrett mit seinem Trio (2007), Paul Kuhn (2005, 2008 zum 80. Geburtstag mit Anke Helfrich, Hubert Nuss und Martin Sasse), Jacques Loussier (2004, 2011), Hubert Nuss (2005, 2006), Oscar Peterson (1997), dem unvergessenen Michel Petrucciani (1997), André Previn (2004), Gonzalo Rubalcaba (2002, 2006, 2012), Helge Schneider (1998 – für manchen überraschend ist er auch ein höchst kreativer Jazzer!), Gwilym Simcock (2007 und 2011 mit dem BuJazzO und Jiggs Whigham), Chucho Valdés (2006 und 2014) bis hin zur Free-Jazz-Legende Cecil Taylor (2004) und endet schließlich mit Aziza Mustafa Zadeh (2000, 2003) und dem genialen Joe Zawinul (1996, 2006). 2009 war Gerald Clayton mit der SWR Big Band beim Eröffnungskonzert zu erleben und erstmals widmeten wir ein Konzert der Kunst des „Soul Piano“ mit Frank McComb und Kevin Hays und einer illustren Schar von erstklassigen Jazzern in der Begleitung. Ein neues Jazz-"Format" konnten wir zudem mit Till Brönner entwickeln, der seit 2006 alle zwei Jahre mit anderen seiner "Pianofriends" das Abschlusskonzert des Festivals spielt (Larry Goldings, Don Grusin und Michael Wollny 2006, Dado Moroni, Leszek Mozder und Olaf Polziehn 2008, Larry Goldings, Mulgrew Miller und Frank Chastenier 2010, Vladislav Sendecki und Jacky Terrasson 2012). Im Jahr 2011 waren erstmals Patti Austin mit Olaf Polziehn und die New York Voices mit dem Pianisten Claus-Dieter Bandorf beim Klavier-Festival Ruhr zu Gast. In einem neuen Konzerformat, der "Jazz-Lounge", war Martin Sasse mit seinen Triopartnern John Goldsby und Mario Gonzi zu erleben. Außerdem trat in der JazzLine das Dieter Ilg Trio auf. Beim Klavier-Festival Ruhr 2012 waren Raphael Gualazzi mit der WDR Big Band Köln ebenso zu erleben wie die Trioformationen um Ramon Vallé, Jacky Terason und Gonzalo Rubalcaba. Chick Corea trat gemeinsam mit Bobby McFerrin auf. Und bereits zum vierten Mal hieß es „My Piano Friends“, als Till Brönner mit Vladislav Sendecki und Jacky Terrasson zwei seiner favorisierten Klavierpartner vorstellte. 2013 kehrte Gerald Clayton mit der WDR Big Band unter Leitung seines Vaters John Clayton zurück. Till Brönner trat mit seinem aktuellen Quintett auf. Der großartige Michel Camilo war endlich wieder solo zu erleben, während Chick Corea mit seiner aktuellen Formation „The Vigil“ zu hören war. Vielfältig wie nie zuvor präsentiert sich die „JazzLine“ des Klavier-Festivals Ruhr 2014. Zu den acht Veranstaltungen dieser Reihe zählten das Konzert des vielseitigen Chilly Gonzales, der 2009 in Paris den Guinness-Weltrekord im Dauerspielen brach, ein Solo-Konzert von Chick Corea, der Auftritt von Chucho Valdes & The Afro-Cuban Messengers, die Rückkehr von Jack Terrason, diesmal mit der WDR Big Band Köln, die Konzerte der Trios von Monty Alexander, Stefano Bollani und Pablo Held sowie das Abschlusskonzert mit Till Brönner & His Piano Friends. Nicht weniger als sieben Konzerte umfasste unsere JazzLine 2015: Florian Weber und das BuJazzO, die Echoes of Swing, das Eric Legnini Trio, das Frank Chastenier Trio & Thomas Quasthoff, das Rantala-Danielsson-Erskine „Super Trio“, Michel Camilo und die WDR Big Band Köln und als JazzLine-Extra, nach Abschluss des Festivals das einzige Deutschlandkonzert von Chick Corea und Herbie Hancock. In diesem Jahr präsentierten wir Jazzkonzerte mit Michel Camilos "Trio Latino", Monty Alexander & The Harlem-Kingston Express, dem Gerald Clayton Trio, dem Jacky Terrasson Trio, Danilo Pérez und der WDR Big Band, Hiromi und ihren Triopartnern und Till Brönner mit seinen "Piano Friends" Enrico Pieranunzi und Martin Tingvall. Außerdem trat im Rahmen des Deutschen Juristentages Hilario Durán mit der WDR Big Band auf. 2017 präsentiert die JazzLine erneut acht Konzerte, dabei treten alte Bekannte wie Michel Camilo (mit Special Guest Tomatito), Hilario Durán und Chucho Valdés, Chilly Gonzales oder Thomas Quasthoff mit dem Frank Chastenier Trio ebenso auf wie der erst 13-jährige Joey Alexander oder die große Diana Krall, die im September bei einem JazzLine EXTRA im Rahmen ihrer World Tour 2017 zu hören sein wird. Außerdem 2017 dabei: das Olaf Polziehn Trio und das Sarah McKenzie Quartet.

Der immer wieder neu genährten Neugierde und der so erfreulich gewachsenen Aufnahmefähigkeit unseres Publikums verdanken wir es, dass wir uns seit einiger Zeit größeren Themenschwerpunkten widmen können, die entweder ein ganzes Festival oder wesentliche Teile davon prägen – z.B. im Gedenkjahr für Johannes Brahms, Franz Schubert und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1997) oder im Reger-Jahr 1998. Nach den Länderschwerpunkten USA (2002), Russland (2003) und zu Beginn unseres dreijährigen Mozart-Zyklus' Österreich (2004) beschäftigten wir uns im Jahr 2005 dem unerschöpflichen und höchst pianistischen Thema der Transkriptionen und Paraphrasen, woran wir 2006 das kaum weniger pianistische Thema "Variationen" anknüpften. 2007 widmeten wir uns schließlich dem Werk Ludwig van Beethovens – dem "Erben" Mozarts. 2008 folgten zum 20jährigen Jubiläum vier Schwerpunkte, nämlich Geburtstagsfeste (Elliott Carter, Olivier Messiaen zum 100., Leon Fleisher und Paul Kuhn zum 80. und Tan Dun zum 50. Geburtstag – sowie "In memoriam Karlheinz Stockhausen" – im Jahr seines 80. Geburtstages), Wiederbegegnungen zum Jubiläum des Klavier-Festival Ruhr, Schubert-Parallelen und alte und neue (!) Klaviermusik aus China. Den großen Gedenktagen entsprechend stellte das Festival 2009 vor allem das Schaffen Georg Friedrich Händels (erstmals hatten wir auch Konzerte mit Cembalo im Programm), Joseph Haydns und Felix Mendelssohn Bartholdys vor. 2010 folgten natürlich die Jubilare Robert Schumann und Frédéric Chopin sowie passend zum Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2010 der große Europäer Johann Sebastian Bach. Im Jahr 2011 präsentierten wir selbstverständlich den großen Klavier-Titanen Franz Liszt. Und der Programm-Schwerpunkt des Jahres 2012 - Frankreich und Amerika - korrespondierte mit den Jahrestagen von fünf Komponisten, die den Verlauf der Musikgeschichte im 20. Jahrhundert geprägt haben: Claude Debussy (150. Geburtstag), Maurice Ravel (75. Todestag), George Gershwin (75. Todestag), John Cage (100. Geburtstag) und Philip Glass (75. Geburtstag). „Let’s go to the Opera!“ – mit diesem launigen Motto feierten wir 2013 augenzwinkernd die 200. Geburtstage von Giuseppe Verdi und Richard Wagner. Beide Komponisten haben so gut wie nichts für das Klavier komponiert, doch das Festival spürte einfallsreich dem großen Einfluss beider Opernkomponisten auf die Welt der Klaviertranskriptionen und -paraphrasen im 19. und 20. Jahrhundert nach. Weitere musikalische Akzente galten Benjamin Britten (100. Geburtstag), Francis Poulenc 50. Todestag) und Leon Fleisher (85. Geburtstag). Fünf Schwerpunkte setzte das Klavier-Festival Ruhr 2014: wir feierten den 150. Geburtstag von Richard Strauss und boten bei einem singulären Beethoven-Gipfel u.a. die seltene Gelegenheit, dessen letzten drei Klaviersonaten in den Interpretationen von Krystian Zimerman, András Schiff und Igor Levit zu hören. Zudem erkundete das Festival die Klavierliteratur "Für die linke Hand", die durch Kompositionsaufträge des im Ersten Weltkrieg verwundeten Pianisten Paul Wittgenstein eine erhebliche Bereicherung erfuhr. Weitere Akzente galten einer Reise in die Welt der Etüden. 2015 widmete sich das Festival der Klaviermusik Alexander Skrjabins und unter dem Motto „Der nordische Ton“ dem Klavierschaffen Jean Sibelius und Edvard Griegs. 2016 standen Johannes Brahms, Max Reger (100. Todestag) und Ferruccio Busoni (150. Geburtstag) im Mittelpunkt. Das Festival 2017 widmet sich „The Americas“, der Musik der beiden Kontinente Nord- und Südamerika, u.a. mit Komponisten wie George Gershwin, Charles Ives oder Alberto Ginastera.

Innerhalb solcher Generalthemen lassen sich immer wieder Zyklen gestalten – z.B. durch die Einladung aller Preisträger des Warschauer Chopin-Wettbewerbs, im Schubert-Brahms-Jahr 1997 durch das Aufzeigen von Beziehungen und künstlerischen Verwandtschaften zwischen den beiden Komponisten oder 2006 zum 150. Todestag mit einem Schumann-Schwerpunkt. Nicht selten führen solche Zyklen zur Gesamtdarstellung eines kompositorischen Œuvres, z.B. bei einem gemeinsam mit Joachim Kaiser schon in früheren Jahren gestalteten Chopin-Zyklus, im russischen Jahr 2003 mit sämtlichen Werken für Klavier solo von Sergej Rachmaninow und Sergej Prokofjew oder beim Festival 2005 mit dem solistischen Gesamtwerk von Alexander Skrjabin. Aber auch Film-Zyklen mit historischen Aufnahmen aus dem gerade zu Ende gehenden 20. Jahrhundert fanden in den Jahren 1999 und 2000 das lebendige Interesse unseres Publikums. Ähnliches gilt für eine locker über mehrere Jahre verteilte Konzertserie mit Musik für Player-Piano, die wir dem Enthusiasmus und dem enormen Wissen von Jürgen Hocker verdanken. Eine ganz besondere Liebe zum Klavier-Lied teile ich seit nunmehr fünfzehn Jahren mit einem höchst aufmerksamen Publikum auf Schloss Herten. Gemeinsam mit Graham Johnson haben wir dort einen mehrjährigen Zyklus mit Liederwochenenden gestaltet – zu Themen und Persönlichkeiten wie Heinrich Heine (1997, 2006), im Shakespeare-Jahr "Englische Dichter in Liedern deutscher Komponisten" (1998), Johann Wolfgang von Goethe (1999), "Das Jahr 2000 – 200 Jahre Liedschaffen im Rückblick" (2000), "Eine Lied-Odyssee durch die Jahreszeiten" (2001), Graham Johnsons ‚Lebendiges Lexikon' zur Vokalmusik und Dichtung – kurz "The Johnson" (2002) – oder "Hugo Wolf und seine Frauen" (2003). Im Jahr 2007 galt der Schwerpunkt dem Liedschaffen Ludwig van Beethovens und seiner Wiener Nachfolger und den Meisterschülern Irwin Gages, der in Herten seinen Abschied von der Bühne nahm. 2008 galt der Schwerpunkt Liedern von Franz Schubert, 2009 dem Liedschaffen Felix Mendelssohn Bartholdys, 2010 dem Robert Schumanns und Frédéric Chopins und 2011 wiederum den selten zu hörenden Lieder Franz Liszts. 2012 brachte Graham Johnson wiederum an zwei Abenden 50 Lieder von Franz Schubert nach Texten von 25 verschiedenen Dichtern dem Publikum nahe. 2013 widmete er sich dem wenig bekannten Liedrepertoire Benjamin Brittens und Francis Poulencs. Aus Anlass von Richard Strauss‘ 150. Geburtstag waren 2014 an zwei Abenden dessen Lieder zu erleben, interpretiert u.a. von der großen Dame Felicity Lott. 2015 hat sich Graham Johnson – dem Schwerpunkt „Der Nordische Ton“ entsprechend – gemeinsam mit der Sopranistin Miah Persson Liedkompositionen aus Skandinavien gewidmet, 2016 stand das Lieschaffen Johannes Brahms' im Mittelpunkt, und 2017 spielt natürlich das amerikanische Lied eine zentrale Rolle.

Im Oktober des Mozart-Jahres 2006 war das Klavier-Festival Ruhr "on tour" in Hamburg, Warschau, Prag, Košice und Budapest zu erleben. Dabei standen die Bearbeitungen von drei Mozart-Klavierkonzerten von Johann Nepomuk Hummel für Klavier, Flöte, Violine und Violoncello mit Severin von Eckardstein, Andrea Lieberknecht, Andrej Bielow und Nicolas Altstaedt auf dem Programm, wobei auf Einladung von RWE in den einzelnen Städten junge Pianisten aus dem jeweiligen Gastland als Solisten hinzu kamen.

Diese über die Jahre hin konsequent entwickelten siebzehn Programmlinien des Klavier-Festivals Ruhr wurden möglich, weil wir uns in den achtzehn Jahren unserer Arbeit für das Ruhrgebiet auf drei wichtige Konstanten verlassen konnten: Auf die Treue und oft freundschaftliche Zuneigung unserer Künstler, auf das stetig wachsende Interesse unseres zunehmend mobiler gewordenen Publikums und auf die treue und verlässliche Unterstützung durch die Mitglieder des Initiativkreises Ruhr. Dieser nicht zuletzt auch menschlich so erfreuliche Dreiklang und die hohe Leistungsfähigkeit unseres Teams haben eine Entwicklung ermöglicht, die auch zahlenmäßig als eindrucksvoll gelten kann: Im Jahr 2016 waren wir an 23 Orten des Ruhrgebiets und des Rheinlands auf 30 Podien mit nunmehr 69 Konzerten vertreten sein. Mehrere Konzerte werden wieder vom WDR-Hörfunk und dem DLF übertragen. Fünf DVD-Produktionen liegen augenblicklich vom Klavier-Festival Ruhr vor: Die Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens in der Interpretation Daniel Barenboims und der Staatskapelle Berlin aus der Jahrhunderthalle Bochum wurden im November 2007 auf zwei DVDs veröffentlicht; die Pianisten Boris Berezowski, Roland Pöntinen und Marc-André Hamelin wurden jeweils auf einer DVD porträtiert. Im Herbst 2011 erschien der Mitschnitt der Chopin-Konzerte mit Daniel Barenboim, Andris Nelsons und der Staatskapelle Berlin. Im Herbst 2012 folgte die Veröffentlichung der Liszt-Konzerte mit Daniel Barenboim, Pierre Boulez und der Staatskapelle Berlin auf CD und DVD. Zudem gab es bislang viermal, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift FonoForum, ein Festival-Magazin mit dem Titel PianoFestival, das sich ganz dem Klavier-Festival Ruhr widmete und das im gesamten deutschsprachigen Zeitschriftenhandel erworben werden kann. Seit 2016 veröffentlicht das Magazin „Pianist“ in der Märzausgabe seiner deutschsprachigen und seiner niederländischen Gesamtauflage eine sechzehnseitige Beilage zum Klavier-Festival Ruhr.

Einen ganz eigenen Rang konnten wir während der letzten Jahre bei unserer CD-Dokumentation des Festivals, der Edition Klavier-Festival Ruhr erarbeiten: Seit dem Jahr 2005 beschreitet das Klavier-Festival Ruhr bei der künstlerischen Dokumentation seiner Konzerte neue Wege. So hat sich nicht nur die Zahl der von einem Festival erscheinenden CDs deutlich erhöht. Diese Live-Aufnahmen sind nunmehr über den Fachhandel und über das Internet international verfügbar. Ziel dieser Initiative ist es zum einen, junge Pianisten, die beim Klavier- Festival Ruhr ihr Debüt geben, nachhaltig zu fördern und zum anderen den Freunden der Klaviermusik selten zu hörende Werke zugänglich zu machen – und zwar weltweit! Diese Edition wurde durch die Zusammenarbeit mit vier Partnern möglich: Avi-music, WDR, FonoForum und nicht zuletzt durch die großzügige Förderung der Essener NATIONAL-BANK. Ihre vorläufige Krönung erfuhr die Edition Klavier-Festival Ruhr im Sommer 2008, als aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des Initativkreises und des Festivals die 50. CD erschien und alle bis zu diesem Zeitpunkt produzierten CDs in 12 Boxen in einer Sonderausgabe zusammenfasst wurden. Im Mai 2014 erschien bereits die 100. CD der Edition Klavier-Festival Ruhr und inzwischen konnten wir 109 CDs veröffentlichen.

Seit dem 1. Januar 2011 wird das Klavier-Festival Ruhr als Stiftung geführt – weiterhin als kulturelles Leitprojekt des Initiativkreis Ruhr. Die finanzielle Basis dafür wurde durch die NATIONAL-BANK AG gelegt. Ein internationaler Gründerkreis hat die finanzielle Basis der Stiftung Klavier-Festival Ruhr zudem durch eine sehr erfolgreiche Fundraising-Kampagne nachhaltig verbreitert. Im Jubiläumsjahr 2013, in dem das Klavier-Festival Ruhr sein 25-jähriges Bestehen feierte, wurde mit der Silver-Circle Kampagne eine zweite Fundraising-Initiative gestartet, die auch im Jahr 2016 weitergeführt wird.

Neben diesen Spenden und Zustiftungen bleibt naturgemäß das Sponsoring die wichtigste Finanzierungsquelle. Neben dem Generalsponsor Initativkreis Ruhr und dem Hauptsponsor EVONIK, ermöglichen 69 weitere Sponsoren und Förderer im Jahr 2017 wieder den besonderen Glanz des Klavier-Festivals Ruhr. Darüber hinaus konnte die Stiftung im Jahr 2017 insgesamt 5 Partner-Stiftungen gewinnen. Und schließlich: Die mit wichtigste Erfolgskomponente des Klavier-Festivals Ruhr ist unser Publikum: In den von mir künstlerisch verantworteten vergangenen 20 Festivals haben wir über 880.000 Musikfreunde erreicht – über 642.000 sind es allein in den Jahren 2005 bis einschließlich 2016 gewesen. Im Laufe einer Dekade hat sich die jährliche Zahl unserer Besucher somit mehr als verdoppeln lassen! Und nicht zuletzt: Das Sponsoring, größtenteils durch die Mitgliedsunternehmen des Initiativkreis Ruhr, mit dem wir die vollständig privatwirtschaftliche Finanzierung unseres Festivals sichern, konnten wir sogar mehrfach steigern! Den Mitgliedsunternehmen des Initiativkreis Ruhr und allen unseren Sponsoren sei dafür von Herzen gedankt!

Wir an der Ruhr – gemeinsam nach vorn! Das Klavier-Festival Ruhr hat diese Leitgedanken der Gründerväter des Initiativkreises Ruhr wörtlich genommen. Es wird diesen so unternehmerischen wie kreativen Maximen auch künftig treu und ideenreich verbunden bleiben.

Essen, Februar 2017
Prof. Franz Xaver Ohnesorg

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