Alexandre Kantorow

Alexandre Kantorow

Das muss man sich erst einmal erlauben können. Kaum geht die Karriere richtig los, legt dieser Wunderknabe erst einmal ein Sabbatical ein: Ein halbes Jahr Pause, mitten in der Saison.

Alexandre Kantorow kann es sich erlauben, ja, er sieht es als seine künstlerische Pflicht an, sich Freiräume zu schaffen, um sich als Mensch und Künstler weiter entwickeln zu können. „Wenn man die ganze Zeit unterwegs ist und viel spielt, dann ist das gut für die Karriere“, gibt er freimütig zu, „aber der Rest des Menschen kommt nicht hinterher. Kommt man von vielen Konzerten zurück, muss man erst einmal wieder etwas Leben ‚aufholen’. Ich glaube, man kann nur ein herausragender Musiker sein, wenn man auch eine entwickelte Persönlichkeit hat.“ Mit dieser Haltung deutet Kantorow überzeugend an, dass es um seine Persönlichkeitsentwicklung bereits gar nicht so schlecht bestellt ist. Im Gespräch strahlt er eine Ruhe und Gelassenheit aus, die das Gegenteil ist von jener Dämonie, die man dem großen Franz Liszt nachsagt, mit dem Kantorow oft verglichen wird. Nicht nur, weil er dessen Musik so einzigartig interpretiert. Auf der Bühne verwandelt sich die mit dem federnden Schritt schlaksig wirkende Gestalt in eine geradezu übersinnliche Figur, Wenn Kantorow am Flügel Platz nimmt und mit seinen langen, feingliedrigen Fingern das Instrument gleichsam im Innersten in eine Vibration versetzt, die jeden Raum zu füllen vermag – und die Seelen seines Publikums erfüllt. 2019 gewann Alexandre Kantorow als erster Franzose den Tschaikowsky-Klavierwettbewerb, und als einer von nur drei Teilnehmern in der Geschichte des seit 1958 ausgetragenen Wettbewerbs ist er mit dem Grand Prix ausgezeichnet worden. Es mag ihm geholfen haben, dass auch sein Vater, Jean-Jacques Kantorow, ein erfolgreicher Geiger und Dirigent ist – zumindest hat er ihm, wenn nicht die Musik in die Wiege gelegt, so doch ein Klavier ins Wohnzimmer gestellt, auf dem Kantorow sich die Musik spielerisch angeeignet hat: „Es war mehr wie ein Game. Keiner meiner Freunde hat Musik gemacht, aber hier hatte ich meine Welt, in die ich eintauchen konnte.“ Inzwischen wurde Alexandre Kantorow mit einer weiteren bedeutenden Ehrung ausgezeichnet: mit dem Gilmore Artist Award 2024. Das hohe Preisgeld ist nur zu einem kleinen Teil für den Künstler persönlich vorgesehen, der Löwenanteil wird ihm zur Realisierung eines großen Projektes zur Verfügung gestellt. Man darf an dieser Stelle vielleicht noch einmal ergänzen, dass dieser Ausnahmemusiker gerade erst 26 Jahre alt ist. Wenn Sie ein Konzert von ihm annonciert sehen, gehen Sie unbedingt hin. Denn das Einzige, sagt er, was ihn nach einem Konzert unglücklich machte, wäre der Umstand, an diesem Abend „nicht über die Klippe gesprungen“ zu sein. Trauen Sie sich, springen Sie mit ihm!

Patrick Hahn

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