Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Dienstag | 30. Mai 2017 | 20:00 Uhr

Im Vorverkauf seit 10. November 2016

Sacre du Printemps
Katia & Marielle Labèque
Werkeinführung

Zu seinem skandalumwobenen Ballett Le Sacre du printemps (Das Frühlingsopfer) wurde Igor Strawinsky durch einen Traum inspiriert, in dem ein junges Mädchen sich bei einer rituellen Zeremonie zu Tode tanzte. Der Stoff faszinierte ihn so sehr, dass er im Sommer 1910 mit der Vertonung begann und mit Unterbrechungen fast zweieinhalb Jahre daran arbeitete. Gemeinsam mit Claude Debussy trug er am 9. Juni 1912 eine erste Fassung des Werkes für vierhändiges Klavier im privaten Rahmen vor. Die Zuhörer waren sprachlos, und auch Debussy wusste nicht so recht, was er von dem neuen Stück halten sollte. Trotzdem hatte Strawinsky nicht mit dem Fiasko gerechnet, das die Uraufführung der Ballettfassung am 29. Mai 1913 in Paris auslöste. „Das Theater schien von einem Erdbeben heimgesucht zu werden. Es schien zu erzittern. Leute schrien Beleidigungen, buhten und pfiffen, übertönten die Musik“, berichtete die Journalistin Valentine Gross. Der Lärm war so groß, dass der Choreograph Nijinski sich in die Kulissen stellen und den Tänzern ihre Einsätze lautstark zurufen musste. Das eher konservativ eingestellte Publikum konnte weder mit der archaischen Handlung noch mit der ungewöhnlichen Originalität der Komposition etwas anfangen. „Im Frühlingsopfer wollte ich das Erwachen der Natur darstellen, die sich aus sich selbst erneuert: das alles umfassende panische Erwachen der universellen Kraft“, beschrieb der Komponist seine Intention. Der erste Teil ist der Anbetung der Erde gewidmet, der zweite Teil der eigentlichen Opferfeier. Nachdem die Introduktion die Furcht des Menschen vor der Urkraft der Natur thematisiert hat, treten die Jünglinge auf und werden von einer uralten Frau in die Geheimnisse und Mysterien der Natur eingeweiht. Die Mädchen kommen den Fluss herauf, nähern sich vorsichtig und lassen sich auf Spiele und Wettkämpfe mit den Jünglingen ein. Dann naht ein Festzug heran, und der älteste Priester segnet die Erde. Im zweiten Teil tanzen die Mädchen um eine Auserwählte, die durch ihren Tod der Natur ihre Kraft zurückbringen soll. Die Ahnen erscheinen wie gierige Ungeheuer und heben die Auserwählte zum Himmel empor – das Opfer ist vollbracht. Die musikalische Substanz des Werks besteht aus zehn einfachen, volksliedhaften Themen mit slawischem Einschlag, die durch Aufspaltung, Veränderung und Neuzusammensetzung kontinuierlich abgewandelt werden. Von bahnbrechender Neuheit ist die Verselbständigung des Rhythmus, die zu ständigen Taktwechseln und starken Akzenten führt. Die Musik steigert sich kontinuierlich und gipfelt in einem gewaltigen Höhepunkt, wenn das junge Mädchen den Mächten des Frühlings geopfert wird.

Der Klavierzyklus Six Épigraphes antiques (Sechs antike Inschriften) entstand im Sommer 1914 und gehört somit zu Claude Debussys Spätwerken, die durch eine Konzentration auf das Wesentliche und durch klare, einfache Strukturen bei gleichzeitigem Verzicht auf virtuose Effekthascherei gekennzeichnet sind. Es handelt sich bei den Miniaturen jedoch nicht um Neuschöpfungen, sondern um die Umgestaltung eines älteren Werkes, das in Vergessenheit zu geraten drohte. Für die szenische Aufführung der Chansons de Bilitis von Pierre Louÿs hatte Debussy im Frühjahr 1900 eine aus zwölf Stücken bestehende Schauspielmusik für zwei Flöten, zwei Harfen und Celesta geschrieben. Da eine Publikation dieser Komposition nicht abzusehen war, wählte er schließlich sechs der Stücke aus und übertrug die delikate Bühnenmusik in einen farbigen, klangvollen Klaviersatz. Durch die meisterhafte Verknüpfung von Improvisation und klassischer Form gelingt ihm eine eindringliche Darstellung der Antike als erhabene Kulturepoche. Sinn und Gehalt der Überschriften liegen nicht immer auf der Hand, sondern geben mit ihren Andeutungen Rätsel auf. Die Stimmung schwankt in den einzelnen Sätzen zwischen heiterer Ruhe und tiefer Resignation. Das Eröffnungsstück Um Pan anzurufen, den Gott des Sommerwindes strahlt Ruhe aus und wird von pentatonischem Flötenspiel in pastoraler Stimmung beherrscht. Eine dazu kontrastierende, trübe und rätselhafte Atmosphäre verbreitet die Komposition Auf ein namenloses Grab, die von Ganztonleitern geprägt ist. Durch die Verwendung von Ostinati, weichen Dissonanzen und Akkordketten erreicht Debussy in Auf dass die Nacht günstig sei eine fremdartige Wirkung. Als lebendiges und rhythmisches Gegenstück dazu präsentiert sich Für die Tänzerin mit den Kastagnetten. Der nächste Titel Für die Ägypterin wird durch orientalische, beschwörende Klänge dominiert und geht auf Pierre Louÿs’ Gedicht Die ägyptischen Buhlerinnen zurück. Ostinate Sekunden und chromatische Wendungen erzeugen in Um dem Morgenregen zu danken das monotone Geräusch des fallenden Niederschlags.

Mit den Four Movements for Two Pianos schlagen Katia und Marielle Labèque den Bogen von der Musikmetropole Paris zur zeitgenössischen amerikanischen Musik. Philip Glass, der in diesem Jahr gemeinsam mit Dennis Russell Davies und Maki Namekawa mit dem Preis des Klavier-Festivals Ruhr ausgezeichnet wird, gehört nicht nur zu den erfolgreichsten und meistgespielten Tonkünstlern der Gegenwart, sondern auch zu den innovativsten und einflussreichsten. Charakteristisch für seine Werke ist ein hypnotisch-repetitiver Stil, der auf kreisenden, einfachen Akkorden oder Arpeggien basiert. Durch die Konzentration auf schlichte und „ereignislose“ Muster wird die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf kleinste harmonische oder rhythmische Veränderungen gelenkt. Diese typischen Merkmale treten auch in den Four Movements deutlich hervor, die 2008 als Auftragswerk für das Klavier-Festival Ruhr entstanden. Mit den Four Movements vollzog Glass eine Rückkehr zur Kammermusik, nachdem er zuvor schwerpunktmäßig für Film, Oper und Ballett komponiert hatte. Während er seine Musik dort den inhaltlichen Vorgaben und szenischen Belangen anpassen musste, boten die vier Klavierstücke ihm die Chance, sich schöpferisch ganz frei zu entfalten. Über der durchgängig fließenden Bewegung eines ostinaten Hintergrunds erstrahlen prägnante, stark vom Rhythmus geprägte Themen. Die hypnotisierende Monotonie des Klangteppichs wird durch Arpeggien, hämmernde Akzente, synkopische Verschiebungen und rhythmische Überlagerungen immer wieder durchbrochen. Die Labèque-Schwestern schenken den Four Movements 2017 ganz besondere Aufmerksamkeit und werden sie auch in Los Angeles, London, Paris und Zürich zu Gehör bringen.

Andrea Susanne Opielka

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