Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Mittwoch | 24. Mai 2017 | 20:00 Uhr
Lied 2
Graham Johnson
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2001
Robin Tritschler (Tenor)
Soraya Mafi (Sopran)
So klingt das Lied der Neuen Welt  

Der Amerikaner Charles Ives gilt heute wie der Österreicher Gustav Mahler als einer der wichtigsten Wegbereiter der musikalischen Moderne. Beide eint an der Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert etwas Unerhörtes: eine Collagetechnik, die...

 

Der Amerikaner Charles Ives gilt heute wie der Österreicher Gustav Mahler als einer der wichtigsten Wegbereiter der musikalischen Moderne. Beide eint an der Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert etwas Unerhörtes: eine Collagetechnik, die Alltagsklänge einbezieht in erhabene Musik.
Ives hätte einem eigens der Liedkunst der Neuen Welt gewidmeten Abend als Ankerpunkt dienen können. Immerhin 150 Lieder hat der eher durch seine Orchesterwerke bekannt gewordene eigenwillige Amerikaner komponiert. Schade, dass Graham Johnson nur zwei in das Programm des zweiten Liederabend in Schloss Herten aufnahm. Diesen Abend widmete er dem Amerika-Schwerpunkt des Klavierfestivals Ruhr in diesem Jahr.
Wenn selbst Ives in seiner Heine-Vertonung „Ich grolle nicht“ mit Gespür für Heines Ironie noch mit der Kultur des in den USA lange nachwirkenden Vorbildes Europa kokettiert, spricht das Bände. Da klingt „The Cage“ als dissonante, lakonisch knappe Kindheitserinnerung an einen Zoo-Besuch schon eher typisch amerikanisch.
Der hervorragende britische Liedbegleiter und findige Programm-Gestalter Graham Johnson richtete seinen künstlerischen Ehrgeiz darauf, so facettenreich wie möglich nachzuzeichnen, auf welchen Umwegen sich die in Europa kaum bekannte amerikanische Liedkunst von europäischen Anleihen löste und eine Song-Tradition eigener amerikanischer Prägung entwickelte. Und das auf die Gefahr hin, dass der Abend mit lauter kleinen Häppchen und vielen unbekannten Namen, die man sich nicht merken muss, zerklüftet wirkte.
Keine glückliche Hand zeigte Johnson mit der Wahl der britischen Sopranistin Soraya Mafi. Ihr zu Schärfen neigender, anfangs stark forcierter Soubretten-Sopran zeigte sich wenig geeignet für die Intimität des Liedes. Erst mit Cole Porters Songs „I love Paris“ oder „Can Can“ aus dem gleichnamigen Musical oder George Gershwins „Someone to Watch Over Me“ aus dem Musical „Oh, Kay!“ wurde klar, worauf sich die Sängerin iranischer Herkunft vortrefflich versteht. Umso trefflicher zeigte sich einmal mehr der Ire Robin Tritschler mit seinem geschmeidigen, entlegene Feinheiten aufspürenden Tenor. Wenn etwa Celius Dougherty, einst beliebter Klavierbegleiter amerikanischer Sänger, mit „Love in the Dictionary“ den Eintrag zum Thema Liebe in einem amerikanischen Wörterbuch vertont, klingt das bei Robin Tritschler köstlich intim.
Zu den Höhepunkten des durchaus vergnüglichen Abends zählten der Bernstein-Song "Who am I“ aus dem Musical „Peter Pan“ - kein Kunstlied im engeren Sinne -, Elliott Carters „Dust of Snow“ und als umwerfend komischer musikalischer Slapstick Aaron Coplands „I bought me a cat“ – ein pfiffiges Lied, das mit karikierendem Refrain vom Kauf von Tieren erzählt und im Kauf einer Frau kulminiert. Er hoffe, dass in den USA die mit diesen Liedern bewiesenen „kulturellen Qualitäten zurückkehren“, bekundete Graham Johnson im Blick auf einen Rüpel im Präsidenten-Amt dem begeisterten Publikum zum Abschied.

Bernd Aulich, Recklinghäuser Zeitung

 
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