Sonntag | 16. Juli 2017 | 11:00 Uhr ohne Pause
Verpasste Gelegenheiten
Uraufführung eines Auftragswerks des Klavier-Festivals Ruhr
Hanni Liang
Manfred Trojahn (Komposition)
Michael Krüger (Text und Rezitation)
Manfred Trojahn
Le silence habité des maisons, aus: Douze Preludes pour Piano | Montagne déchirée - ce qu’a vu le Monsieur Croche, aus: Douze Preludes pour Piano | Verpasste Gelegenheiten - Uraufführung

Das Melodram, die Verbindung von gesprochenem Text mit Orchester- oder Klaviermusik, führte in der Musikgeschichte eigentlich immer ein Schattendasein und ist heute fast gänzlich verschwunden – gelegentlich aufgeführt wird lediglich noch Richard Strauss‘ „Enoch Arden“. Richard Wagner nannte das Melodram ein „Genre von unerquicklichster Gemischtheit“ – aber ist es nicht eigentlich ganz besonders dazu in der Lage, Musik und Text gleichberechtigt zu verbinden?

Das Klavier-Festival Ruhr glaubt an dieses Genre und hat deshalb zwei außergewöhnliche Künstler gebeten, ein Melodram für heute zu schaffen. Der Münchner Autor Michael Krüger hat einen Text in dreizehn kurzen Abschnitten geschrieben. In Rom, in Hannover oder in Warschau haben sich Paare verabredet, an Bahnhöfen, in Cafés, in Hotels. Sie verpassen sich, mal durch einen Zufall, mal halbwegs aus Absicht, und jede dieser fragmentarischen Erzählungen von gescheiterten Zusammentreffen lässt eine größere Geschichte erahnen.

Im Kopf des Hörers spinnt sie sich weiter - und in der expressiven Musik, die Manfred Trojahn zu Krügers Texten komponiert, einer der großen Einzelgänger unter den zeitgenössischen Komponisten, der sich immer seine Unabhängigkeit gegenüber Schulen und Methoden bewahrt hat.