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Praktische Umsetzung im Klassenzimmer

Die Aufgabenstellung

Erklären Sie den Kindern zunächst genau die Aufgabenstellung. (Ein Beispiel aus unserem Petruschka-Projekt: Ihr seid Händler und wollt auf einem Markt Melonen verkaufen. Könnt ihr einen musikalischen Marktschrei erfinden, der so interessant ist, dass die Passanten auf euch aufmerksam werden und bei euch eine Melone kaufen?)

Unterteilen Sie zur Bearbeitung der Aufgabe die Klasse in Gruppen (max. sechs Kinder pro Gruppe). „Erfindet eine Musik für...” ist eine zu weit gefasste Aufgabenstellung, die leicht zu Verwirrung führt.

Versichern Sie sich, dass die Schüler die Aufgabenstellung genau verstanden haben, bevor sie sich in ihre Arbeitsgruppen begeben und mit der Erarbeitung der Lösung beginnen. 

Ermutigen Sie die Kinder dazu, ihre Ideen möglichst bald auch auszuprobieren. Ob eine Idee funktioniert oder nicht, zeigt sich häufig erst bei der praktischen Erprobung und nicht, wenn man lediglich über sie diskutiert. Kinder können in einer Gruppe stundenlang über eine Idee diskutieren und streiten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Arbeit in Gruppen

Die Arbeit in Gruppen hat viele Vorteile. Kinder fällt es oft leichter musikalische Ideen gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. Außerdem fühlen sie sich bei der Bearbeitung einer Aufgabe in der Gruppe häufig sicherer als alleine.

In vielen Fällen empfiehlt es sich, die Gruppenarbeit am Boden durchzuführen. Die Kinder können sich vor das jeweilige Instrument knien (z.B. ein Xylophon) und haben auf diese Weise ihre Hände in der richtigen Spielhöhe. Stellt man das Xylophon stattdessen auf einen Tisch, so steht es für Grundschüler meistens zu hoch.

Bitten Sie die Kinder, sich in ihrer Gruppe in einen Kreis zu setzen. Auch dies ist auf dem Boden einfacher zu bewerkstelligen. Ziel der Gruppenarbeit ist es, miteinander zu spielen und dies lässt sich am besten erreichen, wenn jedes Gruppenmitglied die anderen Teilnehmer gut hören und sehen kann. Auch die gemeinsame Diskussion und Entwicklung der Ideen wird durch die kreisförmige Sitzordnung erleichtert.

Der Lehrer als Schiedsrichter

Wenn Kinder schöpferisch arbeiten, ähnelt die Rolle des Lehrers derjenigen eines ‚Schiedsrichters‘. Nachdem die Aufgabe gestellt worden ist, sollten Sie von Gruppe zu Gruppe gehen und sicherstellen, dass alle Kinder die Aufgabenstellung verstanden haben. Achten Sie darauf, dass jedes Kind in der Gruppe die Möglichkeit hat, sich aktiv zu beteiligen und dass sich die Arbeit in eine positive Richtung entwickelt. Versuchen Sie, den Kindern so wenig wie möglich inhaltlich vorzugeben. Sollten die Schüler bei einer Aufgabe tatsächlich nicht weiterkommen, so versuchen Sie, ihnen zu helfen, indem Sie Fragen stellen:

  • Was würde passieren, wenn ihr ..............?
  • Was könnte man machen, um ..............?
  • Gibt es einen Weg, um ..............?
Wenn es im Klassenzimmer zu laut wird

Anfänglich kann es bei der kreativen Arbeit in Gruppen zu Schwierigkeiten kommen. Ob eine musikalische Idee tatsächlich funktioniert, zeigt sich erst in ihrer praktischen Erprobung. Wenn Kinder in mehreren Gruppen gleichzeitig singen, spielen und diskutieren, steigt der Lärmpegel im Klassenzimmer beträchtlich.
Unter idealen Bedingungen würde jede Gruppe in einem eigenen Raum arbeiten. Dennoch steht in der Praxis häufig nur ein einziger Raum für die Gruppenarbeit zur Verfügung. Um trotzdem arbeiten zu können, bietet es sich an, den Arbeitsprozess zu untergliedern. In regelmäßigen Abständen präsentieren die einzelnen Gruppen Zwischenergebnisse ihrer Arbeit. Auf diese Weise wird zum einen der Lärmpegel reduziert. Zum anderen erhalten die Zuhörer Impulse und Ideen für ihre eigene Arbeit und es entsteht eine freundschaftliche Form des Wettstreits zwischen den verschiedenen Gruppen.
Erinnern Sie die Schüler vor jeder Gruppenpräsentation daran, dass sich Musik nur aus der konzentrierten Stille entfalten kann. Die Gruppe, die ihre Ergebnisse vorstellt, sollte wirklich erst dann mit der Vorführung beginnen, wenn alle Kinder zur Ruhe gekommen sind und im Klassenraum absolute Stille herrscht.

Arbeit mit Kindern, die bereits ein Instrument spielen

Bitten Sie Kinder, die bereits ein Instrument lernen, dieses mitzubringen und bei der Gruppenarbeit einzusetzen. Auch Kinder, die erst seit kurzer Zeit Instrumentalunterricht erhalten und nur über geringe Spielkenntnisse verfügen, lassen sich sinnvoll in die kreative Arbeit einbinden. Es wäre schade, wenn man ihnen diese Möglichkeit vorenthalten würde!

Bei unserem Petruschka-Projekt baten wir die Kinder, die bereits Instrumentalunterricht erhielten, ihre Instrumente bei der kreativen Arbeit zu verwenden. Da wir ihr instrumentales Niveau nicht kannten, baten wir sie zunächst, uns etwas vorzuspielen. Ausgehend von ihren Fähigkeiten entwickelten wir dann spontan ein kleines Stück. Das wichtigste war dabei, dass die Kinder sich bestätigt und ernst genommen fühlten.

Den eigenen Enthusiasmus zügeln

Wir Erwachsenen tendieren häufig dazu, uns von unserem eigenen Enthusiasmus und unserem Wissen treiben zu lassen. Für einen ausgebildeten Musiklehrer oder Musiker ist es einfach, mit Kindern ein Musikstück zu entwickeln und ihnen genau zu sagen, was sie wann und wie spielen sollen. Im Zentrum des kreativen Musikunterrichts sollte aber nicht die Auslebung der eigenen Kreativität stehen, sondern die Entfaltung der schöpferischen Fähigkeiten der Kinder.
Kinder sind in der Lage selber zu entscheiden, ob ihnen etwas gefällt oder nicht und was musikalisch funktioniert und was nicht. Musikgeschichtliche Revolutionäre wie Strawinsky haben gezeigt, dass es in der Musik keine ewiggültigen Gesetze und kein absolutes falsch oder richtig gibt. Ausschlaggebend ist vielmehr der individuelle Geschmack und die eigene Urteilsfähigkeit und Überzeugung. Ziel unserer Arbeit ist es, dass die Kinder durch die eigene schöpferische Tätigkeit ihre musikalische Urteilsfähigkeit entwickeln und durch die Bezugnahme auf Werke großer Komponisten ihre musikalischen Kenntnisse erweitern und ihren Geschmack bilden.

Der Umgang mit den Ergebnissen der Gruppenarbeit

In manchen Projekten erarbeiten die einzelnen Gruppen eigenständige Musikstücke, die von ihnen so wie sie sind aufgeführt werden können. In anderen Fällen entsteht das Endprodukt erst durch das Zusammenspiel der verschiedenen Kleingruppen.
Sie können die Kinder in ihrem Arbeitsprozess unterstützen, indem sie Fragen stellen und die Schüler ermuntern, ihre Ideen nicht nur zu diskutieren, sondern auch auszuprobieren. Manche Klassen sind in der Lage, eigenständig zu besprechen und zu entscheiden, auf welche Weise die verschiedenen Gruppen zusammengeführt werden sollen. Andere Klassen benötigen dazu die Hilfe des Lehrers. 
Manchmal kann es sinnvoll sein, dass der Lehrer eine mögliche Reihenfolge vorschlägt, die die Schüler zunächst ausprobieren. Im Anschluss können sie dann darüber diskutieren und Alternativen oder Verbesserungen vorschlagen. Versuchen Sie, die Ideen der Kinder zunächst immer auszuprobieren und danach mit der Klasse zu diskutieren. Solange Sie die Idee lediglich theoretisch besprechen, besteht die Gefahr, dass die Schüler Ihnen nicht folgen können. Es ist schwierig, sich einen musikalischen Prozess vorzustellen, ohne ihn tatsächlich zu hören.

Die Aufführung

Vielen Kindern bereitet es große Freude, die Musik, die sie selbst erfunden haben, auch aufzuführen. Daher bietet es sich an, ein Projekt mit einer Aufführung vor anderen Schülern oder den Familien und Freunden der Kinder abzuschließen. Wird ein Projekt in Zusammenarbeit mit professionellen Musikern (einem Pianisten, einem Orchester o. ä.), einem Museum oder anderen kulturellen Einrichtungen durchgeführt, so ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, die Ergebnisse außerhalb der Schule öffentlich zu präsentieren. Dennoch ist es wichtig, dass die Projektarbeit nicht einseitig durch die Abschlusspräsentation bestimmt wird. Im Zentrum der Arbeit sollte immer der kreative Prozess des Experimentierens und der Entscheidungsfindung stehen, der hinter verschlossenen Türen im Klassenzimmer stattfindet.

Weitere Informationen zum kreativen Musikunterricht

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